AB 5. MÄRZ IM HANDEL

Ein Buch, das von Herzen kommt: “Das Internet muss weg.” ist meine persönliche Abrechnung mit dem Medium, dem ich alles verdanke. Ich habe miterlebt, wie enge Familienangehörige bis zur Unkenntlichkeit vom Internet gehirngewaschen wurden und ich habe zwei Kinder, denen das möglichst nicht passieren sollte. Die schlechte Nachricht: Wir können das Internet nicht abschaffen. Die gute Nachricht: Viele haben noch Luft nach oben, wenn es darum geht, Verständnislücken zu schließen. Ich habe das gesamte Jahr 2017 damit verbracht, den Spuren auf den Grund zu gehen, warum das Internet fast alle Lebensbereiche einer vernetzten Gesellschaft negativ beeinflusst. Das Ergebnis ist so klar wie frustrierend: Die aktuelle Version des Internets ist die größte Verarschungsmaschine aller Zeiten. Meine Beweisführung findet Ihr auf übersichtlichen 272 Seiten ab 5. März in jedem guten Buchladen und auch bei Amazon.

Und weil Bilder mehr als Worte sagen, werde ich hier regelmäßig Video Essays zum Thema präsentieren. Zum Beispiel über die Frage, warum wir uns so schwer von unseren Smartphones trennen können.

FOLLOW THE MONEY – DAS INTERNET ÜBER DAS GELD VERSTEHEN

Wer das Internet verstehen will, muss zuerst die Zahlungsflüsse verstehen. Was viele nicht sehen: Der Daten-Goldrausch befindet sich auf dem Zenith. Es ist wie beim Erdöl-Wettrüsten in den 80er-Jahren. Mit smarten Assistenten installieren die großen Player ihre Daten-Pumpstationen in unseren Wohnzimmern, schon bald werden Daten über intelligente Medizintechnik und Roboter-Pillen in unseren Körpern abgebaut.

MENSCHEN-FARMEN IM DATEN-KAPITALISMUS

Wir müssen uns Facebook und Google wie Plantagen-Besitzer vorstellen, die ihre Nutzer mit Interaktionsanreizen füttern, damit sie Daten abwerfen, die an die echten Kunden verkauft werden: Datenhändler. Der harte Kampf um Daten wird längst auch in unseren Köpfen, um genau zu sein in unseren Belohnungszentren geführt.

DIE FREIWILLIGE SELBSTENTWERTUNG DES JOURNALISMUS

Medien unterliegen ebenso wie Privatpersonen den Regeln des Social-Webs. Wer Reichweite generieren will, kann das nur durch lautstarke, boulevardeske und oft auch hinterlistige Aufbereitung seiner Beiträge. Neu ist hier, dass die Mehrheit aller Nachrichten-Konsumenten nicht mehr aktiv nach Informationen sucht, sondern zufällig auf Facebook darüber stolpert. Facebook ist damit so etwas wie der Magazin-Kiosk der Welt, nur interessiert das Unternehmen nicht die Meinungsbildung der Menschen, sondern ihre Bereitschaft zur Interakation, weil nur so Daten entstehen. Wer wirtschaftlich überleben will, muss zuerst den Ansprüchen von Facebook gerecht werden. Informationen werden an das Vehikel des für Facebook optimierten Contents angestrickt. Das Ergebnis sind Klick-Köder, die leider wirtschaftlich notwendig sind, aber mit Journalismus nicht mehr viel zu tun haben.

FAKE NEWS – DIE WAHRHEIT IST RELATIV

Facebook und Google liefern den perfekten Nährboden für Fake News. Die strengen Filter passieren nur noch Inhalte, die soviel Interaktionen wie möglich versprechen. Gemäß des wissenschaftlich belegten Grundsatzes, dass Wut und Angst die stärksten Faktoren für Interaktionen sind, spielen Fake News als Konkurrenz-Angebot zu differenzierten Nachrichten in einer ganz anderen Liga. Nicht zuletzt deshalb ist in Niedriglohnländern ein eigener Fake-News-Sektor entstanden, der mit Klicks aus den Industrienationen ein sehr viel höheres Einkommen verspricht als die Arbeit in Textil-Höllen.

HATE SPEECH – DAS INTERNET IST EIN BÄLLEBAD FÜR SADISTEN

Der neue Umgangston im Internet ist keine Neuigkeit, aber die Psychologie hat in den letzten Jahren eindrucksvolle Einblicke in die Motivation von Trollen zu Tage gefördert. Auch hier spielt der Datenhunger von Facebook und Google eine zentrale Rolle, denn Wut und Hass dürfen als zentrales Schmiermittel des Daten-Kapitalismus betrachtet werden und ginge man entschiedener gegen Hate Speech vor, wären die direkten Effekte sinkende Interaktionsraten.

FILTERBUBBLES – SCHEUKLAPPEN FÜRS GEHIRN

Interaktionsraten sind auch der Grund für die Existenz von Filterblasen: Facebook hat nichts davon, wenn wir mit Inhalten nicht in Interaktion treten. Dann fallen keine Daten an, was nichts anderes bedeutet, als verschwendete Serverkosten. Also werden Newsfeeds unter dem Deckmantel der Relevanz so zurecht gekürzt, dass Nutzer tendenziell nur noch Inhalte sehen, bei denen die Interaktionswahrscheinlichkeit hoch ist. Das ist traditionell bei Content der Fall, der unser Weltbild stützt. Andere Meinungen, oder differenzierte Zwischentöne sind Interaktions-Gift und schrecken Nutzer eher ab. Auf diese Weise haben Facebook-Algorithmen zum Beispiel dem Massenmörder Anders Breivik eine Scheinöffentlichkeit gebaut, in welcher die Invasion mordender Männerhorden aus dem arabischen Raum kurz bevor stand.

ONLINE SUCHT – LAS VEGAS IN DER HOSENTASCHE

Addictive-Design-Abteilungen beschäftigen die wichtigsten Arbeitnehmer im Silicon Valley. Hier werden aktuell Erkenntnisse aus der Spielautomaten-Programmierung auf Web-Dienste angepasst. Leider ist unser Belohnungssystem extrem anfällig für Dopamin-Trigger wie erwartete monetäre Gewinne (Spielautomat) oder erwartete emotionale Gewinne (Likes, Kommentare, soziale Interaktionen). Online-Sucht ist nichts, in das man zufällig rein rutscht, stattdessen arbeiten tausende Menschen gezielt daran, dass wir ohne das Smartphone in der Tasche nervös sind und immer wieder vor dem Bildschirm landen. Neurologisch gesehen entscheiden hier die gleichen Effekte, die Spielsüchtige vor Spielautomaten fesseln.

RECHTS SEIN IST DER NEUE PUNK – DIE RÜCKKEHR DER ARSCHLÖCHER.

Im Rahmen der linken Revolution der 68er konnte die Weltherrschaft weißer Männer zurückgedrängt werden. Aber wir haben sie nicht entsorgt, sondern nur stumm gestellt. Das Internet hat weißen Männern durch die Vernetzungsmöglichkeiten gezeigt: Wir sind bei weitem nicht so allein, wie es uns die Mainstream-Medien immer weismachen wollten. Der neue Aufwind der Arschlöcher ist eine Internet-Erfolgsgeschichte, die auf ihrem Höhepunkt Donald Trump in das höchste Amt der Welt gespült hat. Wir machen uns alle kein Bild von der Armee enttäuschter weißer Männer, die sich in Foren mit Millionen-Reichweite organisieren.

WIE MODERNE KOMMUNIKATION DIE KOMMUNIKATION ZERSTÖRT

Die Textkommunikation hat einen ganz zentralen Nachteil: Die Evolution hatte sie nie eingeplant. Wir sind nicht fürs Texten gebaut und brauchen für eine effiziente Kommunikation unbedingt die Stimme, die Haltung und den Augenkontakt unseres Gegenübers. Zahlreiche Studien belegen: Das direkte Gespräch verfügt über so viele Kommunikations-Hebel, die alle simultan greifen, so dass Missverständnisse nahezu auszuschließen sind. Und, mein lieber Schwan, wie schnell sind bittesehr Gespräche? Das Problem ist nur: In der Vieraugen-Kommunikation und ihrer kleinen Schwester, der Zweiohren-Kommunikation über das Telefon, fallen für niemanden Daten ab. Deshalb setzen Facebook und Google alles daran, uns zum Texten zu verführen.

GENERATION Z UND Y – VERSUCHSKANINCHEN DER GESCHICHTE

Den Generationen, die in den Daten-Kapitalismus hineingeboren wurden, geht es nicht gut. Generation Y und Z kennen keine Welt ohne penetrante Interaktionsanreize und ohne Instant Gratification und sie merken, dass etwas nicht stimmt. In der Arbeitswelt genießen junge Universitäts-Absolventen den zweifelhaften Ruf der introvertierten Bildschirmarbeiter mit mangelhafter Sozial-Kompetenz, die überdurchschnittlich schnell ihre Jobs wechseln, um endlich das Arbeitsumfeld zu finden, das sich mit den Behauptungen auf Social-Media-Kanälen deckt. Sie sind gestresst, weil das echte Leben wenig mit den Versprechungen zu tun hat, die sie als Teenager auf Facebook und Instagram als echtes Leben missverstanden haben. Das Ergebnis sind junge Menschen, die der innere Druck nur deshalb nicht zerreißt, weil der äußere Druck genauso stark ist.

JOBKILLER AUTOMATISIERUNG – ALGORITHMEN SIND NICHT BEI VERDI

Arbeitslosigkeit war schon immer der Garant für gesellschaftlichen Unfrieden und zivile Unruhen. Nur sehen wir überall, dass Jobs automatisiert werden und mittlerweile sind wir durch fortgeschrittene KIs auch in der Lage immer mehr gut bezahlte Jobs von Algorithmen ausführen zu lassen. Der Transportsektor- und Logistiksektor wird durch autonome Fahrzeuge nur noch den Playern an den Schaltzentralen Einkommen bescheren. Aber auch Chirurgen und Anwälte könnten schon in wenigen Jahren stempeln gehen. Alles, was in irgendeiner Form Routinen unterliegt, ist automatisierbar. Am Ende der Entwicklung stehen schwer reiche Psychotherapeuten.

DANKE FÜRS LESEN,
SCHLECKY SILBERSTEIN