DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Religion

Wie ein Werbebanner Deine Zukunft vorhersagen kann

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Immer wieder berichten Menschen von ominösen Werbebannern, die so gar nichts mit der aktuellen Browser-Historie oder den aktuellen Interessen zu tun haben. Möglicherweise lohnt es sich, diese Banner genau zu analysieren. Sie könnten Eure Zukunft vorhersagen. Hierzu eine Geschichte, die mich nicht loslässt:

Eine Bekannte eines Bekannten fragte mich im Januar, warum immer wieder Sonderangebote für Betten in ihren Werbe-Bannern auftauchten. Sie hatte weder danach gegoogelt, ebensowenig plagten sie Schlafstörungen oder Ähnliches. Kurz: Es gab keinen Grund, aber warum sollte sie sonst von Betten verfolgt werden? Ich sagte ihr, dass irgendetwas in ihren Datensätzen darauf schließen lässt, dass die Wahrscheinlichkeit des Kaufs eines Bettes bei ihr extrem hoch sei. Wobei es auch immer wieder Korrelationsfehler gibt und sie rein zufällig im Prognose-Cluster “Könnte bald ein Bett kaufen” gelandet ist. Um in so ein Raster zu fallen, muss man sich online nicht zwingend mit Betten, Kissen, oder Schlaftabletten auseinandersetzen. Manchmal kann die Kombination aus Spotify-Präferenzen, E-Roller-Strecken, Amazon-Retouren und verschiedenen weiteren Komponenten sein, die einen zufällig vor einem Algorithmus zum Betten-Interessenten machen. Sie kaufte sich kein Bett und dachte sich: Bei so dämlichen Algorithmen müssen wir uns vor der Machtübernahme der Maschinen nicht fürchten.

BANNER RICHTIG DEUTEN

Ein paar Monate später erfuhr sie, dass ihr Freund sie betrügt. Danach folgte die Trennung bzw. die Gütertrennung und auf einmal findet sie sich im Online-Shop von IKEA wieder und sucht nach was? Nach Betten! Natürlich kann das ein Zufall sein, aber zweifelsohne wusste ein Algorithmus schon vor ihr, dass sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten trennen wird. Zur Trennung gehören immer zwei und selbstverständlich weiß jedes soziale Netzwerk, wer mit wem zusammen ist. Das geben Chatverläufe und Kontakt-Muster bequem her. Und auch wenn ihr individuelles Verhalten keine Rückschlüsse auf abkühlende Emotionen preisgab, wird es bei ihrem Partner spätestens beim Beginn der Affäre anders ausgesehen haben. Ein Algorithmus kann über Chats und Positionsdaten schnell eins und eins zusammenzählen, dass zwischen Nutzer A und B mehr als eine Freundschaft läuft. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Trennung und in der Konsequenz die Wahrscheinlichkeit der Anschaffung eines neuen Bettes. Zumindest für einen der beiden Ex-Partner in spe. Über eine semantische Analyse können Algorithmen zudem ermitteln, wie sich die Sprache verändert, wenn die Liebe schwindet. Auch Messages werden von Facebook gescannt und dank 2,3 Milliarden Gratis-Probanden verfügt das Unternehmen über genügend zwischenmenschliches Datenmaterial, um präziseste Trennungsvorhersagen zu treffen. Unter anderem.

DIE NEUE ESOTERIK

Facebook und Konsorten sind Blackboxes, daher wird man nie beweisen können, auf welcher Daten-Basis Werbebanner konkret ihre Zielperson finden. Aber möglicherweise – und ich halte es für ziemlich wahrscheinlich – kann völlig überraschend auftauchende Werbung für Betten ein Hinweis dafür sein, dass die Beziehung in Gefahr ist. Vielleicht ist das der Anfang einer neuen Form von Traumdeutung und wir alle werden in Zukunft leidenschaftlich unsere Werbebanner deuten. Ist das schon digitale Esoterik? Nein. Anders als Kaffeesätze sind Datensätze konkrete Vorhersage-Rohstoffe, für die Unternehmen Milliarden ausgeben. Ich gehe oft und gerne mit der These hausieren, dass Facebook, Google und mit Einschränkungen auch Microsoft und Amazon die ersten realen Götter sind, zumindest, wenn man unter Göttern Instanzen versteht, die mehr über uns wissen als wir selbst und zusätzlich unsere Wünsche und Entscheidungen steuern. Anders als bei den Fantasy-Göttern aus den Weltreligionen ist es hier ratsam, immer wieder zu fragen: Was will mir Facebook gerade sagen? Oder besser gesagt: Welche Annahme über mein Leben trifft die KI gerade? Warum sehe ich plötzlich Sonderangebote für Fernreisen? Befinde ich mich in einer Frühphase einer Depression oder eines Burnouts? Oder wird etwas in meinem Leben passieren, das in mir den Wunsch einer Auszeit weckt. Woher kommen die easyCredit-Banner? Werde ich meinen Job verlieren? Bleibt aufmerksam.

Eure religiösen Symbole verletzen meine intellektuellen Gefühle

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W

enn ich demnächst in Passau ein Auto ummelden möchte und an der Wand ein Kruzifix sehe, kann ich als Atheist das tun, was wir bislang immer getan haben: Ignorieren, tolerieren. Aber irgendwie habe ich darauf langsam keinen Bock mehr. Warum hat eigentlich niemand Respekt vor unseren Gefühlen? Nur weil wir Atheisten nie im Namen eines Fantasy-Characters Menschen umbringen, sind unsere Gefühle offenbar weniger wert, als die von Glaubensgemeinschaften mit einem stattlichen Body Count. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich als Mensch, der nur an den Menschen glaubt, Gehör zu verschaffen. Natürlich ohne Blutvergießen, so will es schließlich unsere Ideologie. Atheisten handeln im Namen des Friedens und der Freiheit. Das sind doch Werte, die man gerne etwas lauter verteidigen kann. Aber die Atheisten-Lobby ist klein. Wir haben die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters, einen einflussreichen Atheisten-Verband sucht man vergeblich. Der Grund ist dieses widersinnige Denk-Diktat, Respekt vor religiösen Gefühlen haben zu müssen. Was zur Hölle ist ein religiöses Gefühl? Es ist das Festhalten an längst widerlegten Welt-Erklärungsmodellen, welche vor dem Zeitalter der Aufklärung für die Macht der Kirchen und Monarchien missbraucht wurden. Religion ist ein faszinierendes Phänomen, das zwar Milliarden Menschen das Leben gekostet, aber auch Millionen Menschen Halt gegeben hat. Anthropologen dürfen das noch lange weiter erforschen, jenseits von Museen und Mittelaltermärkten will ich aber mit Religion nicht mehr viel zu tun haben. Ich will das zumindest laut denken dürfen, ohne als unsensibel oder gar politisch unkorrekt zu gelten.

Religion ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln

Wir sollten den Liverollenspielern in unserer Gesellschaft höflich aber bestimmt erklären, dass wir lange genug Rücksicht auf ihre fabelhafte Fantasiewelt genommen haben. Denn anders als bärtige System-Administratoren, die mit Gummiwaffen auf alten Militär-Übungsplätzen im Wendland aufeinander losgehen, zahlt bei der Ausübung einer Religion nicht der Fan, sondern alle. Dass die Kirchensteuer in Deutschland für jeden getauften Menschen automatisch erhoben wird, ist eine Frechheit, die Sicherheitsmaßnahmen gegen islamistischen Terror zahlen sogar Heiden. Aber noch immer gilt als brüsk, wer sich offen gegen jede Form von Religion ausspricht. Der Fehler liegt in der angeblichen Trennung von Kirche und Politik, denn Religion IST Politik – für diese Erkenntnis müssen wir Markus Pius Söder dankbar sein. Über die religiöse Identität seiner Bevölkerung hat noch jeder Machthaber einen Freifahrschein selbst für Völkermord bekommen, um sich selbst zu bereichern. Wer den gleichen Trick über die nationale Identität anwendet, geht zurecht als Arschloch in die Geschichte ein. Deshalb dürfen wir das Gräuel unter dem Hakenkreuz nicht vergessen, das Gräuel unter dem Kruzifix schon. Dass wir immer noch so viel Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Religionsgemeinschaften nehmen, sollte Beleg genug dafür sein, sich als Gesellschaft nicht auf den ersten Metern des Informationszeitalters, sondern auf den letzten des Mittelalters zu befinden. In Bayern laufen sie gerade sogar rückwärts.

Religion muss vollwertige Privatsache werden

Ich lebe in einer Welt, die voller Verehrung für die Massenmorde ihrer Vorfahren ist. Überall stoße ich auf Kreuze, Kopftücher, Kirchen und Moscheen und wenn ich darüber den Kopf schüttele, wird mir auch noch die Fähigkeit zur Toleranz abgesprochen. Dabei haben wir als Menschheit doch schon längst den Ursprung des Lebens und die Zusammensetzung der Dinge bis aufs kleinste Einzelteil erklärt. Wir müssen den Glauben nicht verbieten, Gott bewahre, wir sollten Gläubige nur wie alle anderen Liverollenspieler behandeln. Der Kult muss 100prozentige Privatsache sein und darf als solche auch 100prozentig ausgelebt werden, solange dabei unsere Gesetze eingehalten werden. Aber mit der staatlichen Subventionierung muss genauso Schluss sein wie mit dem beleidigt sein. Und wer als Politiker durchsetzen will, dass Kreuze, Halbmonde, oder Schrumpfköpfe in unsere Bezirksämter genagelt werden, der gehört unverzügliche des Amtes enthoben, weil er augenscheinlich nicht den Hauch einer Ahnung von den aktuellen und konkreten Herausforderungen der Welt hat: KI-Sicherheit, die Neuorganisation einer automatisierten Arbeitswelt, die Regulierung des Datenkapitalismus, um nur drei Begriffe zu nennen, von denen ein CSU-Politiker noch nie gehört hat. Nicht nur deshalb ist es langsam an der Zeit, sich offen verletzt zu geben. Die Intelligenz eines Menschen zu beleidigen muss mindestens so schwer wiegen wie die Beleidigung seiner Mutter.

 

Hosianna! Evangelische Kirche richtet gratis Hotspots ein

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Das ist der schönste Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne, den man sich vorstellen kann: Die Evangelische Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz verwandeln ihre Kirchtürme in WLAN-Sendemasten. Die so genannten God Spots (ja wirklich) sind absolut gratis und können ohne Anmeldung bequem angezapft werden. Oder wie IT-Pfaffe Fabian Kraetschmer sagt:

Menschen sind nicht weniger spirituell als früher. Aber die Orte der Kommunikation haben sich verschoben, vieles findet in digitalen sozialen Netzwerken und Communities statt. Mit godspot wollen wir als Evangelische Kirche eine sichere und vertraute Heimstatt in der digitalen Welt bauen.

Gerade in weiten Teilen der Oberlausitz, wo guter Empfang rar ist, könnte die Kirche endlich wieder zum Jugendtreff Nummer eins werden. Und überhaupt: “WLAN ist das neue Licht” hat ein kluger Mann mal gesagt. Die Informationen der Welt fließen durch die Kirche, in unsere Smartphone und von da aus in den Kopf. Spiritueller geht’s doch gar nicht. Außerdem geht nichts über das Gefühl, einen Porno oder Slayer über das WLAN der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Spandau zu streamen.

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Ein Produkt wie jedes andere…

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TACK. ZZZZZZZZZZT. TACK. ZZZZZZZZT. TACK. ZZZZZZZZZZZT.

Modern Times!

Posted by Klaus Reichert on Thursday, April 7, 2016
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