DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Politik

Schmeißt die Nazis aus den Foren – Der Ruf der Gamerszene steht auf dem Spiel

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Horst Seehofer will also die Gamerszene überwachen. Mein erster Gedanke war: Halt die Fresse Horst! Denn leider gilt im Internet der Reflex-Meinungen immer noch die Regel, dass Seehofer nie Recht haben darf. Und so fühlen sich manche an die Ballerspiele-verbieten-Debatte der 90er erinnert, die nichts aber auch gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat.

Ich erinnere mich. Ich war dabei und wollte jedem Politiker, der mir Unreal Tournament verbieten wollte, das Hirn aus dem Schädel pusten. Aber es sind nicht mehr die 90er, liebe Freunde. In den 90ern gab es keine Foren, in denen Millionen junge Männer abartigste Fantasien teilen konnten. In den 90ern gab es kein weltumspannendes System aus Belohnungsanreizen, das gerade junge Menschen jeden Tag vor sich hertreibt. In den 90ern war Einsamkeit noch keine Volkskrankheit, unter der Menschen zwischen 18 und 29 Jahren am intensivsten leiden. Und in den 90ern gab es für Rechtsextreme auch noch keine technische Möglichkeit, anonym Kontakt zu Armeen von einsamen, leicht beeinflussbaren Männern herzustellen, um sie früh zu politisieren. Aber der Reihe nach. Reden wir erstmal über Games.

GEWALT MACHT LEIDER SPASS

Ich persönlich liebe es, anderen in hyperrealistischer Grafik Blei ins Gesicht zu pumpen und den Gegner hinterher so lange am Boden zu zersieben, bis der Bastard aussieht wie Zentis Himbeermarmelade mit 75 Prozent Fruchtanteil. Aber ich bin doch nicht blöd. Natürlich geht es in vielen Games ums Töten. Je krasser, desto geiler. Auf einer Geforce RTX 2080 gibt es da auch nicht mehr den berühmten Abstraktionsgrad. Ich sehe auf dem Bildschirm Menschen, die wie Menschen aussehen, sich wie Menschen bewegen und wenn ich ihnen mit dem MG42 aka Hitlersäge den Unterleib püriere, schreien und bluten sie wie echte Menschen. Ich schau’s mir nicht passiv im Fernsehen an, ich treffe selbst die Entscheidung zu töten, daher kommt ja die ganze Gaudi. Spielehersteller werben mit der maximalen Immersion, es wird aber immer noch so getan, als würde es Jugendliche nicht im Geringsten beeinflussen, dass sie jeden Tag hyperrealistische Tötungen aus der Egoperspektive absolvieren. Das ist naiv, aber deshalb müssen diese Spiele nicht verboten werden. Denn es geht nicht um die Games, es geht um Teile der Szene.

NICHTS IST GEFÄHRLICHER ALS EIN RAUM VOLLER JUNGER MÄNNER

Ich habe mir schon öfter die Frage gestellt, wie ich mich fühlen würde, wären meine Söhne in der “Gamerszene” unterwegs. Ich hätte damit tatsächlich größte Probleme, denn nicht der größte, aber dennoch ein nicht zu unterschätzen großer Teil dieser Szene hat sich nach Strich und Faden dezivilisiert. Es ist kein Geheimnis, dass die Chan-Foren aus einer gewissen Szene entsprungen sind und hier muss man ganz vorsichtig mit den Herleitungen sein: Games machen junge Männer nicht zu frustrierten Radikalen, aber viele frustrierte, radikale junge Männer lieben Games. Überdies weiß ich als ehemaliger Bundeswehrsoldat, wie schnell man in die mentale Steinzeit verfällt, wenn man sich nur zwischen jungen Männern bewegt. Als ich im Rahmen der Recherche für “Das Internet muss weg” zum ersten Mal auf 8Chan war, dachte ich sofort: Hey, das ist hier ja genauso wie bei der Bundeswehr nur eben mit dem Verrohungs-Turbo der Anonymität.

JUNG UND FORMBAR

Wer sich durch Chan-Unterforen arbeitet, fühlt sich, als reise er durch den Kopf eines fieberkranken Pubertierenden: Pornos, Angst, Drogen, Heldentum, Penisse, Mutproben, Games, Schimpfworte. Die reflektierte Debatte hat hier keinen Platz, weil sie ebenso keinen Platz im Kopf eines 14-Jährigen hat. Und das ist völlig o. k. Es werden Witze über Dicke, Alte, Schwarze, Kranke und überhaupt über alles Andersartige gemacht, wozu natürlich auch Frauen gehören. Das war schon vor dem Internet so und wird hoffentlich auch nach dem Internet noch so sein, denn es gehört zum Erwachsenwerden dazu. Ich würde einen politisch korrekten 14-jährigen Jungen sofort zum Arzt schicken. Das Problem ist nur: Jeder junge Mann geht einmal in seinem Leben durch eine Phase, in der er große Schnittmengen mit nationalistischen Ideologen hat. Man kann die These auch umdrehen: Nationalistische Ideologen sind der Pubertät nie ganz entkommen. Doch das Internet vernetzt nicht nur Menschen mit guten Absichten, sondern auch Menschen, die sich nie hätten treffen dürfen. Zum Beispiel einsame junge Gamer und Nazis. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang den Versuch einer Schnittmengenbildung vom Autor M. Ambedkar. In seinem Essay »The Aesthetics of the Alt-Right« nennt er folgende Merkmale der Alt-Right-Kultur, die sich ebenso auf den State of Mind der Chan-Foren übertragen lassen:

  • Ein Traditions-Kult, der eine vergangene Zeit verherrlicht
  • Angst vor allem Fremden: Hautfarbe, Geschlecht, Religion etc.
  • Ein Kult der Maskulinität, der in der Konsequenz obsessiv geführte Geschlechter-Debatten nährt
  • Eine ablehnende Haltung gegenüber der parlamentarischen Demokratie
  • Ein tiefer Glaube an den permanenten Kampf gegen alles Mögliche
  • Aktionismus um des Aktionismus willen
  • Ausgeprägte Technologie-Gläubigkeit, nicht im Sinne der naturwissenschaftlichen Aufklärung, sondern für den Beleg einer natürlichen Ungleichheit zum Beispiel zwischen Mann und Frau

Die Chance für rechtsextremes Recruitment liegt auf der Hand: Der durchschnittliche weiße Mann um die 15 ist nicht besonders politisch, oder besser gesagt: Er hat seine politischen Präferenzen aufgrund seiner Jugend noch nicht ausgebildet. Menschenfänger aus dem rechtsextremen Spektrum finden in den Chan-Foren also die perfekten Rohdiamanten für ihre Ideologie. Die Nutzer sind auf der Suche nach Identität, offen für radikales Gedankengut und politisch noch formbar. Aus diesem Grund haben Rechtsextreme die Chan-Foren und ihre Ableger bis in die tiefsten Verästelungen unterwandert. Hier wird die Rechte von morgen politisiert. Und zwar die internationale Rechte. Ich treffe regelmäßig auf Stirnrunzeln, wenn ich befinde “Rechts sein ist der neue Punk”, zum Glück gibt’s da noch die fantastische Arbeit der Extremismusforscherin Julia Ebner, die sich wohl wie keine Zweite in der rechten Online-Szene auskennt und zu ähnlichen Beobachtungen kommt.

DER RUF DER SZENE STEHT AUF DEM SPIEL

Nichts liegt mir dabei ferner, als der Gamerszene in Summe ein Haltungsproblem zu attestieren, ums mal mit von der Leyen zu sagen. Aber es wäre mit Sicherheit hilfreich, würde sich die Szene intensiver mit den schwarzen bzw. braunen Schafen in den eigenen Reihen befassen. Plattformen wie Steam sollten wenigstens darüber nachdenken, ob man es hinnehmen sollte, dass unzählige User Breivik im Namen tragen. Immerhin wird aktuell diskutiert, ob der Verfassungsschutz die Gaming-Community unter die Lupe nehmen soll. Hysterische Politiker hin oder her, so weit muss es erstmal kommen.

Die schwächsten Rechtspopulisten der Welt – Warum ich als Nazi langsam genervt wäre

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Das muss man erstmal schaffen: Sachsen und Brandenburg verkacken. Dieses arme Land kriegt nicht mal vernünftige Rechtspopulisten zu Stande. Versteht mich nicht falsch: Ich kann bestens damit leben, dass es immer noch keinen AfD-Ministerpräsidenten gibt. Aber wenn die AfD nicht mal Sachsen gewinnt und in Brandenburg gegen eine Partei verliert, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, dann würde ich mich fragen: Was können wir eigentlich? Überall auf der Welt machen Autokraten richtig Meter und kassieren eine Nation nach der anderen, in Deutschland denken erste Neonazis ans Auswandern. Oder anders gesagt: Wenn ich Nazi wäre, würde ich ins nächste AfD-Büro gehen und meinem Volksvertreter mit dem Hinweis auf die Fresse hauen, dass in Deutschland der Rechtspopulismus ja quasi erfunden wurde. Mann, Mann, Mann.

WENN NAZIS KEINE NAZIS MEHR ÜBERZEUGEN KÖNNEN

In Brandenburg ist mit Andreas Kalbitz sogar ein waschechter Neonazi angetreten und trotzdem reicht es nicht. Sie haben gegen Woidke verloren, Herr Kalbitz! Da muss man als Nazi mit Würde doch seine Verantwortung erkennen und umgehend zurücktreten. Es sei denn, die AfD ist für sie nichts weiter als ein bequemer Weg aus der Arbeitslosigkeit. In dem Fall haben sie tatsächlich gewonnen, aber sagen Sie das bloß nicht ihren Wählern. Die sind nämlich langsam genervt. So bestand der denkwürdigste Kalbitz-Beitrag zum Wahlkampf in der Beleidigung von Schulmädchen. Aufräumer geht anders.

ZWERGEN-NAZIS

Und es ist ja auch nicht so, dass gewissen Interessengruppen nicht Millionen in Facebook pumpen, um Europa auseinander zu treiben. Gebt denen ihre Rubel zurück! Für das Geld hätte man in St. Petersburg auch das größte Bällebad der Welt auffüllen können. Wenn jetzt bei der AfD die Korken knallen, weil man weder in Sachsen, noch in Brandenburg die absolute Mehrheit erreicht hat, dann reden wir hier nicht von einer Bedrohung, sondern von Zwergen-Nazis. Nicht ohne Häme empfehle ich einen Blick nach Brasilien, Polen, Ungarn und natürlich auch in die USA, wo immerhin Faschisten von Format regieren. Ich wäre als Nazi in Deutschland unfassbar enttäuscht. Und wer mir jetzt nachsagt, ich würde die AfD verharmlosen, dem antworte ich: Nicht nötig. Die verharmlosen sich selbst.

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Satire-Parteien machen bessere Politik als Realsatire-Parteien

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Nachdem mich viele alte Menschen angegangen haben, weil ich die Partei DIE PARTEI in einem DLF-Interview als eine der seriösesten Parteien Deutschland eingestuft habe, möchte ich tun, was man im Social-Media-Zeitalter immer tun sollte: Ich gieße Öl ins Feuer:

Die Kernfrage lautete: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen eine Satire-Partei zu wählen? Damit, so sind sich die Kritiker einig, verschenke man seine Stimme. Gegenfrage: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen CDU oder AfD zu wählen? Beide Parteien stehen in unterschiedlichen Eskalationsstufen für eine Politik, die sich nicht den Fragen unserer Zeit widmet, sondern den Umfragen unserer Zeit. Sie verstehen Politik als Game, in dem es um billig erkaufte Mehrheiten geht, ach ja: Und tüchtig Geld verdienen lässt sich damit auch noch. In der richtigen Partei kann man sich vorzüglich die Karriere in einem Aufsichtsrat zurecht legen.

So stellen viele Protagonisten beider Parteien die eigene Karriere über das Gemeinwohl und lügen, dass die Schwarte kracht. Kalkuliert biedert man sich der demografischen Mehrheit der Alten an und fühlt sich auch noch wahnsinnig clever dabei, so ein gerissenes political animal zu sein. Man möchte ihnen raten: Kauft Euch Civilization VI, wenn Ihr Bürger als Schachfiguren begreift.

All das ist bei der Partei DIE PARTEI völlig ausgeschlossen. Stattdessen orientiert man sich mit anderen Mitteln an echten Bedürfnissen und echten Missständen. Gute Satire war immer ein Brennglas auf gesellschaftliche Probleme und die werden zur Stunde von kaum einer Partei so effektiv ins öffentliche Bewusstsein gerückt wie von der Partei DIE PARTEI. Es gibt dort kein Geld zu verdienen und niemand kümmert sich um Umfragen, es zählt allein der Idealismus und die von Herzen empfundene Lust, ein politisches Bewusstsein zu schärfen, das sich insbesondere um Menschen dreht, denen das Leben nicht die besten Karten ausgeteilt hat. Wer sich hingegen das arrogant dahin gerotzte Programm der Unionsparteien zur Europawahl durchgelesen hat, dem war klar: Wer sowas wählt, der kann sich seine Stimme auch in den Arsch schieben.

Oder kurz: Ich wähle lieber eine Satire-Partei als eine Realsatire-Partei

Liebe Grüße an die DLF-Hörer. Grüßen Sie ihre Enkel von mir.

Rechtspopulismus – Vermögend werden ohne Ausbildung

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Es wurde viel über das Strache-Ibiza-Video diskutiert, Fakt ist: Es ist die perfekte Verdichtung der rechtspopulistischen Idee: Viele Menschen glauben, Politiker wird man aus politischen Gründen, oder weil man eine Überzeugung hat. Dabei vergessen wir stets, dass man aus der Politik heraus unglaublich viel Geld verdienen kann – wenn man den Staat entsprechend umbaut. Wer sich in weiten Teilen Osteuropas umschaut und durchfragt, hört immer nur das gleiche: Unsere Politiker machen sich die Taschen voll, sonst nichts. Wir reden immer viel von finsteren Ideologien, aber es geht noch eine Stufe ekelhafter: Rechtspopulismus ist der einzige Weg zu erklecklichem Vermögen, wenn man nichts oder zu wenig gelernt hat.

NAZIS VS BETRÜGER

Deshalb sollten wir mit Nazi-Vergleichen bewusster umgehen: Das Team Hitler bestand dem Vernehmen nach aus Menschen, die von Herzen einer Überzeugung gefolgt sind. Diese Überzeugung war zwar pervers, aber politisch. Die meisten aktuellen Rechtspopulisten sind jedoch nicht mal Nazis. Die meisten sind wie Strache besoffen von den eigenen Möglichkeiten und jeden Tag überrascht, dass man so einfach Spitzenpolitiker werden kann. Einfach konsequent Angst vor der Überfremdung schüren und sich selbst als Lösung anbieten, fertig ist der Weg zum Geld. Das kann im Prinzip jeder. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Angst in sozialen Medien mit Abstand am schnellsten verbreitet, weshalb Rechtspopulisten momentan einen gigantischen Wettbewerbsvorteil genießen. Wer also jetzt gerade ebenso wenig Vermögen wie Skrupel besitzt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und in den Rechtspopulismus wechseln.

DER ÄLTESTE TRICK DER WELT

Das ist durchaus nachhaltig: Im Gegensatz zu demokratischen Parteien wollen Rechtspopulisten den Staat umbauen, sobald sie einmal an der Macht sind. Und zwar dahingehend, dass es fast unmöglich ist sie wieder abzuwählen (siehe Polen, Ungarn, Türkei etc.). Ist die Macht der Partei einmal bis in die letzten Instanzen durchgesickert, kann man sich jedes Korruptionsgesetz dieser Welt in die Haare schmieren. Dann fließt Geld. Und zwar nach oben. Damit die Bevölkerung keinen Verdacht schöpft, muss sie mit Propaganda zugedröhnt werden: Wir sind das beste Volk der Welt! Wir werden von außen bedroht! Auch hier leistet Social-Media Schützenhilfe, gerade Facebook verbreitet überall auf der Welt einen neuen Tribalismus, der Rechtspopulisten in die Karten spielt.

NEBELFACKEL IDEOLOGIE

Wenn so viele Rechtspopulisten die EU schwächen und die Souveränität der Einzelstaaten stärken wollen, dann liegt das auch daran, dass sich die EU weniger in Sachen Menschenrechte und Korruption einmischen soll. Ganz raus aus der EU wollen übrigens die wenigsten Rechten, denn der gemeinsame Binnenmarkt sorgt für vollere Taschen als das alte Zollsystem. Das ganze Gefasel von Tradition, Vaterländern und Überfremdung ist eine Nebelfackel, von der wir uns leider zu oft blenden lassen. Deshalb hier mal meine persönlich Definition von Rechtspopulisten

Rechtspopulist, der
Person, die sich aus wirtschaftlichen Gründen an der Politik beteiligt und für das Ziel eines gehobenen Postens entgegen der eigenen Überzeugung Ängste bei Bürgern erzeugt. Rechtspopulisten betrachten den Staat als Unternehmen, aus dessen Einnahmen sie sich bereichern können. Zu diesem Behufe bauen Rechtspopulisten den Staat nach dem Wahlerfolg so um, dass die Möglichkeiten der Gewinnentnahme maximiert und die Möglichkeiten der demokratischen Abwahl minimiert werden.

Mit Sicherheit ist der eine oder andere Rechtspopulist wirklich aus Überzeugung dabei, aber der Großteil rekrutiert sich aus Karrieristen, Betrügern und Glücksrittern. Das solltet Ihr bzw. Eure Eltern bzw. Eure Großeltern vor der Europa-Wahl auf jeden Fall bedenken.

Letztwähler stoppen – Warum wir in Europa ein Höchstwahlalter brauchen

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Es ist angerichtet: Nico Semsrott hat eine mehr als aussichtsreiche Chance, Martin Sonneborn ins EU-Parlament zu folgen und sein Wahlkampfauftakt hat richtig Feuer unterm Busch. Während Sonneborn mit dem Konzept “Ja zu Europa, nein zu Europa” keinen Anspruch auf Veränderung hatte, wählt Semsrott den Weg des Jon Gnarr und tritt mit dem Versprechen an, aktiv zu gestalten. Das beginnt mit der alles andere als satirischen Forderung nach einem Höchstwahlalter auf dem ältesten Kontinent der Welt. Mit dem wunderschönen Kampfbegriff “Letztwähler” stellt er die völlig berechtigte Frage, warum man in Deutschland erst ab 18 (!) wählen darf, während sieche Pflegefälle bis zum letzten Pulsschlag CDU oder Schlimmeres wählen dürfen.

Ein absurder Wahnsinn vor dem Hintergrund, dass noch nie zuvor so viele Rentner von so wenigen jungen Beitragszahlern durchgeschleift werden mussten. Mit den Alten wählt Semsrott nichts weniger als die größte Bedrohung der Menschheit als politischen Gegner. Damit kann DIE PARTEI zumindest auf EU-Ebene dem Vorwurf der Spaßpartei gelassen begegnen. Die Einführung des Höchstwahlalters ist eine absolut seriose Forderung und sollte Semsrott nach Brüssel gehen, dann werden wir garantiert noch öfter darüber reden.

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