DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Politik

Die schwächsten Rechtspopulisten der Welt – Warum ich als Nazi langsam genervt wäre

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Das muss man erstmal schaffen: Sachsen und Brandenburg verkacken. Dieses arme Land kriegt nicht mal vernünftige Rechtspopulisten zu Stande. Versteht mich nicht falsch: Ich kann bestens damit leben, dass es immer noch keinen AfD-Ministerpräsidenten gibt. Aber wenn die AfD nicht mal Sachsen gewinnt und in Brandenburg gegen eine Partei verliert, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, dann würde ich mich fragen: Was können wir eigentlich? Überall auf der Welt machen Autokraten richtig Meter und kassieren eine Nation nach der anderen, in Deutschland denken erste Neonazis ans Auswandern. Oder anders gesagt: Wenn ich Nazi wäre, würde ich ins nächste AfD-Büro gehen und meinem Volksvertreter mit dem Hinweis auf die Fresse hauen, dass in Deutschland der Rechtspopulismus ja quasi erfunden wurde. Mann, Mann, Mann.

WENN NAZIS KEINE NAZIS MEHR ÜBERZEUGEN KÖNNEN

In Brandenburg ist mit Andreas Kalbitz sogar ein waschechter Neonazi angetreten und trotzdem reicht es nicht. Sie haben gegen Woidke verloren, Herr Kalbitz! Da muss man als Nazi mit Würde doch seine Verantwortung erkennen und umgehend zurücktreten. Es sei denn, die AfD ist für sie nichts weiter als ein bequemer Weg aus der Arbeitslosigkeit. In dem Fall haben sie tatsächlich gewonnen, aber sagen Sie das bloß nicht ihren Wählern. Die sind nämlich langsam genervt. So bestand der denkwürdigste Kalbitz-Beitrag zum Wahlkampf in der Beleidigung von Schulmädchen. Aufräumer geht anders.

ZWERGEN-NAZIS

Und es ist ja auch nicht so, dass gewissen Interessengruppen nicht Millionen in Facebook pumpen, um Europa auseinander zu treiben. Gebt denen ihre Rubel zurück! Für das Geld hätte man in St. Petersburg auch das größte Bällebad der Welt auffüllen können. Wenn jetzt bei der AfD die Korken knallen, weil man weder in Sachsen, noch in Brandenburg die absolute Mehrheit erreicht hat, dann reden wir hier nicht von einer Bedrohung, sondern von Zwergen-Nazis. Nicht ohne Häme empfehle ich einen Blick nach Brasilien, Polen, Ungarn und natürlich auch in die USA, wo immerhin Faschisten von Format regieren. Ich wäre als Nazi in Deutschland unfassbar enttäuscht. Und wer mir jetzt nachsagt, ich würde die AfD verharmlosen, dem antworte ich: Nicht nötig. Die verharmlosen sich selbst.

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Satire-Parteien machen bessere Politik als Realsatire-Parteien

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Nachdem mich viele alte Menschen angegangen haben, weil ich die Partei DIE PARTEI in einem DLF-Interview als eine der seriösesten Parteien Deutschland eingestuft habe, möchte ich tun, was man im Social-Media-Zeitalter immer tun sollte: Ich gieße Öl ins Feuer:

Die Kernfrage lautete: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen eine Satire-Partei zu wählen? Damit, so sind sich die Kritiker einig, verschenke man seine Stimme. Gegenfrage: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen CDU oder AfD zu wählen? Beide Parteien stehen in unterschiedlichen Eskalationsstufen für eine Politik, die sich nicht den Fragen unserer Zeit widmet, sondern den Umfragen unserer Zeit. Sie verstehen Politik als Game, in dem es um billig erkaufte Mehrheiten geht, ach ja: Und tüchtig Geld verdienen lässt sich damit auch noch. In der richtigen Partei kann man sich vorzüglich die Karriere in einem Aufsichtsrat zurecht legen.

So stellen viele Protagonisten beider Parteien die eigene Karriere über das Gemeinwohl und lügen, dass die Schwarte kracht. Kalkuliert biedert man sich der demografischen Mehrheit der Alten an und fühlt sich auch noch wahnsinnig clever dabei, so ein gerissenes political animal zu sein. Man möchte ihnen raten: Kauft Euch Civilization VI, wenn Ihr Bürger als Schachfiguren begreift.

All das ist bei der Partei DIE PARTEI völlig ausgeschlossen. Stattdessen orientiert man sich mit anderen Mitteln an echten Bedürfnissen und echten Missständen. Gute Satire war immer ein Brennglas auf gesellschaftliche Probleme und die werden zur Stunde von kaum einer Partei so effektiv ins öffentliche Bewusstsein gerückt wie von der Partei DIE PARTEI. Es gibt dort kein Geld zu verdienen und niemand kümmert sich um Umfragen, es zählt allein der Idealismus und die von Herzen empfundene Lust, ein politisches Bewusstsein zu schärfen, das sich insbesondere um Menschen dreht, denen das Leben nicht die besten Karten ausgeteilt hat. Wer sich hingegen das arrogant dahin gerotzte Programm der Unionsparteien zur Europawahl durchgelesen hat, dem war klar: Wer sowas wählt, der kann sich seine Stimme auch in den Arsch schieben.

Oder kurz: Ich wähle lieber eine Satire-Partei als eine Realsatire-Partei

Liebe Grüße an die DLF-Hörer. Grüßen Sie ihre Enkel von mir.

Rechtspopulismus – Vermögend werden ohne Ausbildung

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Es wurde viel über das Strache-Ibiza-Video diskutiert, Fakt ist: Es ist die perfekte Verdichtung der rechtspopulistischen Idee: Viele Menschen glauben, Politiker wird man aus politischen Gründen, oder weil man eine Überzeugung hat. Dabei vergessen wir stets, dass man aus der Politik heraus unglaublich viel Geld verdienen kann – wenn man den Staat entsprechend umbaut. Wer sich in weiten Teilen Osteuropas umschaut und durchfragt, hört immer nur das gleiche: Unsere Politiker machen sich die Taschen voll, sonst nichts. Wir reden immer viel von finsteren Ideologien, aber es geht noch eine Stufe ekelhafter: Rechtspopulismus ist der einzige Weg zu erklecklichem Vermögen, wenn man nichts oder zu wenig gelernt hat.

NAZIS VS BETRÜGER

Deshalb sollten wir mit Nazi-Vergleichen bewusster umgehen: Das Team Hitler bestand dem Vernehmen nach aus Menschen, die von Herzen einer Überzeugung gefolgt sind. Diese Überzeugung war zwar pervers, aber politisch. Die meisten aktuellen Rechtspopulisten sind jedoch nicht mal Nazis. Die meisten sind wie Strache besoffen von den eigenen Möglichkeiten und jeden Tag überrascht, dass man so einfach Spitzenpolitiker werden kann. Einfach konsequent Angst vor der Überfremdung schüren und sich selbst als Lösung anbieten, fertig ist der Weg zum Geld. Das kann im Prinzip jeder. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Angst in sozialen Medien mit Abstand am schnellsten verbreitet, weshalb Rechtspopulisten momentan einen gigantischen Wettbewerbsvorteil genießen. Wer also jetzt gerade ebenso wenig Vermögen wie Skrupel besitzt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und in den Rechtspopulismus wechseln.

DER ÄLTESTE TRICK DER WELT

Das ist durchaus nachhaltig: Im Gegensatz zu demokratischen Parteien wollen Rechtspopulisten den Staat umbauen, sobald sie einmal an der Macht sind. Und zwar dahingehend, dass es fast unmöglich ist sie wieder abzuwählen (siehe Polen, Ungarn, Türkei etc.). Ist die Macht der Partei einmal bis in die letzten Instanzen durchgesickert, kann man sich jedes Korruptionsgesetz dieser Welt in die Haare schmieren. Dann fließt Geld. Und zwar nach oben. Damit die Bevölkerung keinen Verdacht schöpft, muss sie mit Propaganda zugedröhnt werden: Wir sind das beste Volk der Welt! Wir werden von außen bedroht! Auch hier leistet Social-Media Schützenhilfe, gerade Facebook verbreitet überall auf der Welt einen neuen Tribalismus, der Rechtspopulisten in die Karten spielt.

NEBELFACKEL IDEOLOGIE

Wenn so viele Rechtspopulisten die EU schwächen und die Souveränität der Einzelstaaten stärken wollen, dann liegt das auch daran, dass sich die EU weniger in Sachen Menschenrechte und Korruption einmischen soll. Ganz raus aus der EU wollen übrigens die wenigsten Rechten, denn der gemeinsame Binnenmarkt sorgt für vollere Taschen als das alte Zollsystem. Das ganze Gefasel von Tradition, Vaterländern und Überfremdung ist eine Nebelfackel, von der wir uns leider zu oft blenden lassen. Deshalb hier mal meine persönlich Definition von Rechtspopulisten

Rechtspopulist, der
Person, die sich aus wirtschaftlichen Gründen an der Politik beteiligt und für das Ziel eines gehobenen Postens entgegen der eigenen Überzeugung Ängste bei Bürgern erzeugt. Rechtspopulisten betrachten den Staat als Unternehmen, aus dessen Einnahmen sie sich bereichern können. Zu diesem Behufe bauen Rechtspopulisten den Staat nach dem Wahlerfolg so um, dass die Möglichkeiten der Gewinnentnahme maximiert und die Möglichkeiten der demokratischen Abwahl minimiert werden.

Mit Sicherheit ist der eine oder andere Rechtspopulist wirklich aus Überzeugung dabei, aber der Großteil rekrutiert sich aus Karrieristen, Betrügern und Glücksrittern. Das solltet Ihr bzw. Eure Eltern bzw. Eure Großeltern vor der Europa-Wahl auf jeden Fall bedenken.

Letztwähler stoppen – Warum wir in Europa ein Höchstwahlalter brauchen

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Es ist angerichtet: Nico Semsrott hat eine mehr als aussichtsreiche Chance, Martin Sonneborn ins EU-Parlament zu folgen und sein Wahlkampfauftakt hat richtig Feuer unterm Busch. Während Sonneborn mit dem Konzept “Ja zu Europa, nein zu Europa” keinen Anspruch auf Veränderung hatte, wählt Semsrott den Weg des Jon Gnarr und tritt mit dem Versprechen an, aktiv zu gestalten. Das beginnt mit der alles andere als satirischen Forderung nach einem Höchstwahlalter auf dem ältesten Kontinent der Welt. Mit dem wunderschönen Kampfbegriff “Letztwähler” stellt er die völlig berechtigte Frage, warum man in Deutschland erst ab 18 (!) wählen darf, während sieche Pflegefälle bis zum letzten Pulsschlag CDU oder Schlimmeres wählen dürfen.

Ein absurder Wahnsinn vor dem Hintergrund, dass noch nie zuvor so viele Rentner von so wenigen jungen Beitragszahlern durchgeschleift werden mussten. Mit den Alten wählt Semsrott nichts weniger als die größte Bedrohung der Menschheit als politischen Gegner. Damit kann DIE PARTEI zumindest auf EU-Ebene dem Vorwurf der Spaßpartei gelassen begegnen. Die Einführung des Höchstwahlalters ist eine absolut seriose Forderung und sollte Semsrott nach Brüssel gehen, dann werden wir garantiert noch öfter darüber reden.

Ich erkenne mein Land nicht mehr wieder – André Voigt berichtet vom Stadionbesuch

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Weil’s selten passiert, dass ich im Internet noch Herzrasen bekomme: Sportjournalist André Voigt war mit seiner Familie samt 2jähriger Tochter im Stadion beim Länderspiel Deutschland gegen Serbien und fand sich in einer Real Life Filterblase wieder, in der offener Rassismus völlig normal war. Es war völlig normal, hinter einem 2jährigen Mädchen stehend “Neger” zu rufen, wann immer Sané am Ball war. Es war völlig normal, dass Voigt als Störenfried galt, als er das Gespräch mit seinen Blocknachbarn suchte. Es war völlig normal, dass Voigt mit seiner Meinung völlig allein da stand. Nicht in Chemnitz, sondern in Wolfsburg.

Üblicherweise ist es anständig, in solchen Fällen das zu tun, was Voigt getan hat: Bei Arschlöchern nicht weg hören, sondern ihnen zeigen, dass man anderer Meinung ist. Das macht auch nicht jeder. Aber wie brutal muss die Erfahrung sein, damit vor seinem Kind krachend aufzulaufen?

Wir können jetzt wieder mit 3 Millionen Teilnehmern eine Unteilbar-Demo veranstalten und uns gegenseitig beklatschen. Effektiver ist dieses Mal aber tatsächlich eine Aktion, die jeder bequem von zu Hause aus tätigen kann. Wir sollten dieses Video so hartnäckig teilen, dass es irgendwie aus unserer Filterblase platzt.

Denn André Voigt steht nicht im Verdacht, eine linker Medien-Guerilla zu sein. Er ist kein öffentlich-rechtlicher Betroffenheitsjournalist, der für Aufmerksamkeit jeden anschwärzt, der anders denkt und sich jeden Tag auf die eigene Tugendhaftigkeit einen runterholt. André Voigt hat keine Agenda. Er ist einfach nur ein ganz normaler Vater, der sein Land nicht mehr wiedererkennt.

Trauriges Update:

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