DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Warum zur Hölle brauchen wir eigentlich öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

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“GEZ abschaffen” ist immer wieder ein Thema und weil auch ich an der Öffentlich-Rechtlichen Titte hänge, muss ich mich zwangsläufig mit der Sinnhaftigkeit der Zwangsabgabe auseinandersetzen. Jüngst sorgte ein Interview für Furore, in dem Bernd Höcke keine gute Figur machte, in der Folge entschloss sich Maaßen zu folgendem Tweet:

Richtig ist, dass Bernd Höcke in seinem Skandalinterview nicht klug gegrillt, sondern aufs Billigste provoziert wurde. Viele Journalisten mutieren im Umgang mit der AfD zu Polit-Prankstern, in der Hoffnung, den Höckes dieser Welt mal wieder was Abscheuliches und damit Virales zu entlocken. Das ist in meinen Augen kein Journalismus, das ist Verstehen Sie Spaß und sowas sollte man Guido Cantz überlassen. Was bei diesen unwürdigen Lock-Aktionen nicht kapiert wird, ist die Tatsache, dass Journalisten damit in Wirklichkeit in eine viel cleverer platzierte Falle tappen: Wenn Rechtspopulisten von einer Sache leben, dann vom Wir-gegen-die-Effekt. Kurz: Das Höcke-Interview war ein Homerun. Und zwar für Höcke.

Warum Rundfunkgebühren?

1948 haben die Besatzungsmächte klug erkannt, dass die Deutschen über den NS-Staatsfunk systematisch gebrainwashed wurden und die Nazis vor allem über ihre Medienmacht so erfolgreich werden konnten. Das war auf der ganzen Welt ein riesiges Problem: Linke wie rechte Autokratien kannten kein wichtigeres Ziel als die Kontrolle der Medien. Es musste also eine Medienangebot geschaffen werden, das sich keine Regierung unter den Nagel reißen konnte. Im Gegenteil: Das neue Medien-Network sollte in den Händen der Gesellschaft liegen, quasi als Bürgerverein Medien. Damit dieser Verein auch produzieren kann, zahlt jeder Bürger den gleichen Betrag in die Vereinskasse. Kontrolliert wird das Programm vom Rundfunkrat, in dem längst viele AfD-Vertreter sitzen, denn je mehr Menschen AfD wählen, umso mehr Einfluss bekommt die Partei auf die Programmgestaltung. Das verschweigt die Partei allerdings konsequent, weil damit die Story vom Medien-Opfer nicht mehr trägt. Ich selbst spüre jeden Tag die Präsenz der AfD in den Rundfunkräten. So ganz easy kann man linksgrüne Propaganda längst nicht mehr verbreiten. Das System funktioniert nämlich für alle.

Die Medien-Anarchie tobt

Dem einen oder anderen wird aufgefallen sein, dass sich die Medien in den letzten 20 Jahren radikal geändert haben. Facebook und Google werden nur von Facebook und Google selbst kontrolliert, deshalb kann gerade jeder über offene und geschlossene Soziale Netzwerke bequem und anonym jede erdenkliche mediale Öffentlichkeit konstruieren. 2019 gibt es so gut wie keine Transparenz darüber, wer mit welchem Interesse mediale Inhalte im Netz verbreitet. Nach meinem Befinden ist das die ultimative Formel für das ultimative Chaos. Man kann auch sagen: Es herrscht gerade mediale Anarchie und die Content-Makler Google und Facebook verdienen exzellent daran, während sie sich auch noch jeder gesellschaftlichen Kontrolle entziehen dürfen. Das macht sie zu den neuen Premium-Kanälen für extremistische Ideen. Oder plakativer: Hitler würde Facebook nutzen.

Eine rechte Tagesschau ist möglich

Die einzigen Medienplayer, die von der Gesellschaft kontrolliert werden und nicht von der Wirtschaft oder sinistren Organisationen, sind eben diese Bürgervereine namens Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk. Dass da Menschen sitzen, die wenig von völkischer Romantik und antidemokratischen Visionen halten, bedeutet nichts anderes, als dass diese Personen momentan noch in der Mehrheit sind. Aber das System ist tatsächlich so klug konstruiert, dass es auch rechtsromantisches Programm explizit erlaubt. Da haben sich vor allem die Engländer damals schon Gedanken gemacht. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk spiegelt immer das, was die demokratische Mehrheit anteilig sehen möchte. Und wenn genügend Menschen in Deutschland rechtes Fernsehen wollen, dann moderiert Eva Hermann irgendwann die Tagesthemen. Es ist natürlich total nervig, in der Minderheit zu sein, aber watt willste machen? Reden, werben, überzeugen, dann können sich Mehrheiten verschieben. Aber das Problem ist nicht der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk. Wenn es den nicht mehr gibt, dann spart man zwar Rundfunkgebühren, aber dann entscheiden nur noch Blackboxes wie Google und Facebook, was wir sehen. Und die haben nur einen einzigen Auftrag: Daten und Kohle abgreifen. Das sollte vom Linksfaschisten bis zum Rechtsradikalen niemand wollen. Alles klar?

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Smartphone-Verbot an Schulen – Aus den falschen Gründen richtig

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Das Smartphone-Verbot an Frankreichs Schulen ist beschlossen, die Debatte darum ist extrem spannend. Überraschenderweise lautet der Tenor in deutschen Medien: Rückwärtsgewandt! Realitätsfern! Fortschrittsfeindlich! So sollten Smartphones als digitale Lehrmittel verstanden werden, um einen zeitgemäßen Unterricht zu gewährleisten. Die Befürworter des Verbots argumentieren: Die scheiß Daddelkisten weichen die Gehirne der Kinder auf und lenken sie zu sehr vom Unterricht ab. Es ist im Zeitalter der Extrempositionen unerträglich, aber beide haben Recht. Bildschirme gehören in den modernen Unterricht, aber es sollten nicht die Smartphones der Schüler sein, sondern Tablets der Schulen.

Das eigene Smartphone ist Träger der Social Media Apps und damit die direkte Schnittstelle zu den sozialen Feedbackloops, gegen die sich kein Unterrichts-Inhalt durchsetzen kann. Der beste Lehrer wird sich nie so filigran in das Aufmerksamkeits- und Belohnungszentrum seiner Schüler hacken können wie die mächtigsten Unternehmen des Planeten. Niemand kann bezweifeln, dass wir alle aktuell auf der Suche nach einer Ballance zwischen echtem Leben und Server-Leben sind. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: Wenn vormittags keine Algorithmen zur Interaktion nötigen, kann das durchaus gesund sein. Man kann diese Zeit auch als Detox-Insel verstehen, die nur Gewinner kennt. Zumal ein Verbot (Man müsste definitiv ein positiveres Wort finden) für alle Schüler gleichermaßen gelten würde und sich so die Krämpfe im Rahmen des Fear of Missing Out in Grenzen hielten.

Modern bedeutet bei vielen immer noch, alles pauschal durchzudigitalisieren. Noch moderner ist ein gesundes Verhältnis zu seinen Endgeräten. Am modernsten sind die, die exakt den Sweetspot finden, der eine maximale Zufriedenheit verspricht. Der liegt da, wo der Nutzwert des Geräts in Stress umschlägt. Das ist eine Hardcore-Aufgabe, die nicht mal gestandene Erwachsene richtig gut bewältigen. These: Wenn wir die Aufmerksamkeits-Tentakeln des Silicon Valley aus den Schulen aussperren, muss das nicht zwingend zum volkswirtschaftlichen Kollaps führen.

Das Auswärtige Amt über die neue 280-Zeichen-Regel bei Twitter

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Lange wurde der Deutschen Bürokratie von Twitter die kalte Schulter gezeigt, jetzt kann man endlich auch Deutsche Politik-Inhalte über Twitter kommunizieren. Das Auswärtige Amt bedankte sich als Erstes.


Danke Lars

AfD trendet wieder – Eine Psycho-Stütze für die Medien-Kollegen

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Liebe Medien-Kollegen,

Wir müssen noch 15 Tage durchhalten, danach können wir 4 Jahre lang jeden Tag über die AfD berichten. Wir können uns auskotzen, oder scharfsinnige Polemiken verfassen. Wir können der Partei Sondersendungen, ja ganze Formate widmen. Ein Digitalsender FCK AFD TV ist denkbar und würde sein Publikum finden. Neben der “Barbara” könnte ein Magazin namens “Björn” im Zeitschriftenregal stehen. Ebenso freuen wir uns auf das Themen-Special “Die Maus erklärt Rechtspopulismus” und Oli Welke könnte in die Fußstapfen von Stephen Colbert schlüpfen und mit einer Rechtsaußen-Kunstfigur durch die Decke gehen – wir beömmeln uns jetzt schon.

Aber nach disziplinierten drei Monaten bricht gerade wieder überall die AfD-Sucht aus. Das ist keine Gefühl, das sieht Google Trends genau so:

Bei der BILD kam’s heute zum Totalausfall. Irgendein Wahnsinniger unterstellte der AfD nichts weniger, als die Chance zur Volkspartei:

Wirtschaftlich ist der Artikel sogar ein Volltreffer, immerhin ist es der populärste BILDplus-Artikel des Tages:

Nur 15 Tage! Hier unsere psychologische Stütze: Wenn Ihr es 15 Tage lang schafft, dem Drang zu widerstehen, über die Stöckchen der AfD zu springen, dann ist das eine Willensleistung, auf die man stolz sein kann. Dafür darf man dann auch bis zum 24. September rauchen bis die Lunge glüht, saufen, rumhuren und sich Süßigkeiten bis zum Anschlag reinstopfen. Sobald es in den Fingern kribbelt, packt Euch einfach tüchtig Remoulade auf die Schnitte und stellt Euch ein Bierchen rein. Gönnt Euch 15 Tage Halligalli ohne Condom im Dienste der Demokratie. Die Chance gibt’s nur alle vier Jahre.

Herzlichst,
Schlecky Silberstein

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