DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Lehrer sein in Zeiten der AfD – Die neue Denunziationsplattform in der Praxis

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In immer mehr Städten können Schüler ihre Lehrer bei der AfD melden. Das Ziel ist die Einhaltung des Neutralitätsgebots, demzufolge nach Lehrer ihrem Unterricht keinen politischen Spin geben dürfen. Spannend ist dabei die Frage, ob und wie dieses Tool den praktischen Unterricht verändern wird. Mit Sicherheit fürchtet sich die Partei davor, dass Lehrer allzu oft Parallelen zwischen ihr und der NSDAP ziehen. Und doch gibt es hier einen Denkfehler, liebe AfD. Die Parallelen werden nicht von Lehrern gezogen, die Parallelen zieht Ihr selbst. Aber das wissen Sie ja bereits, schließlich lasse ich Ihnen nach unserem kleinen Scharmützel von vor 2 Wochen jedes Drehbuch, in dem Ihr Parteiname fällt, postalisch zustellen. Es gab keine Anmerkungen, daher nehme ich an, sie gehen mit ihrer Darstellung in folgendem Clip d’accord. Teilen Sie mir andernfalls gern mit, wo wir Fehler gemacht haben. Beste Grüße.

Junge Väter – Die letzten Helden unserer Zeit

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Wenn meine Frau Samstags mit zwei Kindern zum Bäcker geht, wird sie mit der gleichen Gelassenheit empfangen, mit der eine Gesellschaft das Prinzip der Erdrotation akzeptiert. Ich hingegen bin als vergleichsweise junger Vater eine solche Attraktion, dass ich erwäge, meine samstägliche Brötchen-Beschaffung an irgendein Hamburger Musical Theater zu bringen. Fakt ist: Sobald Männer Kinder im Arm haben, werden sie unfreiwillig zu Stars. Frauen bleiben Frauen. Es gibt Unangenehmeres als von Fremden zu hören, was für ein geiler Typ man ist, aber ich verstehe den Frust aller Mütter, wenn ihre Männer zu Ikonen der modernen Rollenverteilung erklärt werden, nur weil sie einen Kinderwagen geradeaus schieben können. Zuvor haben diese Frauen in der Regel

Wenn Ihr also junge Väter seht, seid gewiss: Diesen Menschen müssen wir keine Denkmäler bauen. So viel haben die gar nicht geleistet. Ich bin kein ausgewiesener Feminist und werde wohl auch keiner mehr, aber glaubt mir, liebe Mütter, ich fühle Euren Groll. Der folgende Clip ist nur für Euch.

Ein Herz für weiße heterosexuelle Männer

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Immer wieder Männer! Immer wieder sind sie weiß! Immer wieder heterosexuell! In den westlichen Industrienationen gilt es als Todesurteil, weiß, männlich und heterosexuell zu sein. Jeden Tag lesen wir in der BILD, dass gerade diese Menschen in Deutschland am wenigsten Schutz genießen. Nein, es reicht nicht mehr aus, weiße heterosexuelle Männer in den Arm zu nehmen. Zum einen haben sie dann einen MeToo-Skandal am Hals, zum anderen muss endlich ein Aufschrei durchs Land gehen. Wir vom Browser Ballett wollen mit unserer Kampagne “Ein Herz für weiße heterosexuelle Männer” endlich die schützen, die es am meisten verdienen.

Ein Hauch von ‘33 – Und plötzlich stehen sie vor deiner Tür

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Und plötzlich steht ein AfD-Abgeordneter im Hausflur und filmt dein Klingelschild. Wenn Politiker bei Künstlern auftauchen, um ihnen zu zeigen “Wir wissen, wo Du wohnst”, dann sind wir wieder soweit, liebe Freunde.

Aber der Reihe nach: Am 07. September hat die Steinberger Silberstein GmbH, in der ich Gesellschafter und Head Autor bin, eine Parodie auf den Wahnsinn in Chemnitz gedreht. Der Clip war eine Auseinandersetzung mit allen, die vom Tod eines jungen Mannes profitieren wollten: Betont empörte Medien, asoziale Kampftrinker, Rechtsextreme, die AfD, die mit großem Fangnetz mitten drin stand, aber auch die ganzen Quartals-Antifaschisten und Party-Demonstranten, denen Coca Cola unter dem Wir-sind-mehr-Label Produktproben hinterhergeworfen hat. Das war auch das letzte Mal, dass ich einen Gag erkläre, aber hier ist es wichtig, um den Wahnsinn zu illustrieren, der über uns hereingebrochen ist.

Ein fast gekonnt gefakter Fake

Beim Dreh in Berlin-Lichtenberg versammelten sich schnell Anwohner, die den Verdacht schöpften, wir wollten eine gefakte Nazi-Demo in Berlin inszenieren. Geduldig erklärten wir das Set und die Story, bemerkenswert vielen Menschen mussten wir auch die Kunstfreiheit erklären.

Wenig später veröffentlichte die Bundes-AfD einen Clip, der Szenen des Drehs präsentierte und in aller Einseitigkeit das Narrativ nährte, wir hätten eine Fake-Nazidemo gedreht, um sie als echte Veranstaltung auszustrahlen. Am Anfang lacht man über die Ironie, so war ja das AfD-Video eine bewusste Falschmeldung. Mulmig wurde uns, als Bilder von Team-Mitgliedern im Netz auftauchten und dazu aufgerufen wurde, die Namen und Adressen herauszufinden.

Schließlich stand der AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel mit einem Kameramann vor der Haustür meines Firmen-Partners und filmte das Klingelschild ab. Der Krawatte nach zu urteilen ist Hansel ein Mensch, der erst handelt und dann nachdenkt, aber ein Abgeordneter muss wissen, dass diese Unsitte, Adressen ins Netz stellen, nicht nur illegal ist, sondern auch gefährlich. Das Video mit den Adressdetails wurde über den Facebook- und Youtube-Kanal der AfD-Berlin geteilt, wo viele Kommentatoren sehr erregt über den jüdischen Namen meines Partners waren.

 

Auch noch Juden!

Und spätestens wenn Juden im Spiel sind, greift bei Teilen der AfD-Klientel der alte Vernichtungs-Reflex. Die Morddrohung aus dem Antisemitismus-Baukasten ging am 16. September ein und ich lehne mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Ohne die Initiative von Bundes- und Berlin-AfD, wäre sie uns erspart geblieben.

Natürlich wusste jeder bei der Partei, dass wir eine Satire drehen. Wir haben das komplette Set mit entsprechenden Hinweise zugekleistert. Hansel “besuchte” uns, als wir uns schon längst als Auftraggeber des Satire-Drehs zu Erkennen gegeben hatten. Und dennoch stellte er sich taktisch blöd. Man kann auch sagen: Er hielt an der perfiden Lüge fest. Denn in den Kommentaren zu den Videos erkennen wir, dass es die Story schon längst in den Alternative-Fakten-Kanon der rechten Filterblase geschafft hat. Schon immer wollte man beweisen, dass Videos wie Hetzjagden in Chemnitz von Linken und Systemmedien inszeniert werden. Wenn der Chef des Verfassungsschutzes genau dieses Narrativ in genau dieser Woche stützt, dann geht der Plan perfekt auf. Danke, Maaßen.

Die Masche mit den veröffentlichten Adressen

Viele tun immer so überrascht, wenn sie von diesen Methoden hören. Dabei gehören gerade Attacken auf Künstler und Journalisten zum kleinen Einmaleins der Autokratie. Die eigenen Anhänger sollen das Vertrauen in das wichtige Korrektiv namens Medien verlieren. Nicht umsonst ist überall auf der Welt und überall in der Geschichte Schritt eins nach der Machtübernahme die Einschränkung der Kunst- und Pressefreiheit. Zuvor wird diesem Eingriff der Weg geebnet, in dem systematisch an der Glaubwürdigkeit der Medien gesägt wird.

Symbolbild Ironie

Diesen Absatz schreibe ich fett, weil er wichtig ist: Wenn autokratische Parteien einmal an der Macht sind, dann ist der Weg zurück sehr, sehr schwer. Damit richte ich mich vor allem an die Wechsel- und Protestwähler, die glauben, man könne Autokraten nach vier Jahren einfach so wieder abwählen. Während Demokraten versuchen, aus den bestehenden Strukturen das Beste zu machen, bauen Autokraten den Staat um. Richter- und Intendanten-Posten werden mit Günstlingen besetzt, ebenso lassen sich aus der Regierung heraus auch sehr bequem Pressegesetze ändern. Ein Blick nach Polen und Ungarn lohnt sich. Die Kritik, die es braucht, um eine autokratische Regierung wieder abzuwählen, wird im Keim erstickt, während die Probleme des Landes exklusiv einer Minderheit, zum Beispiel Flüchtlingen zugeschrieben werden. Das ist nicht besonders originell. Das haben schon die Nazis von viel älteren Diktaturen kopiert.

Für alle, die noch unentschlossen sind: Es ist kurz vor zwölf, macht Euch da keine Illusionen. Branchen-Kollegen berichten mir regelmäßig, dass Medien-Entscheider immer wieder vor dem Druck der AfD einknicken. Mit einer außerordentlich respektablen Disziplin versucht die AfD Institutionen zu lähmen. Jeder, der einen kritischen Beitrag gegen die AfD und ihre Sympathisanten verantwortet, weiß im Vorfeld, dass damit extrem viel Verwaltungsaufwand entsteht. Es gehen orchestrierte Beschwerden ein, Rechenschaftsanträge werden gestellt und es passiert immer wieder das Ekelhafteste: Adressen werden veröffentlicht. Ich verstehe jeden, der mit Sorge an seine Familie denkt und einfach nur seine Ruhe haben will. Wir erfahren das gerade am eigenen Leib. Aber das ist die Zeit, in der wir leben. Das ist normal. Wir haben das normal gemacht. Und mit jedem Prozentpunkt für die AfD wird das normaler.

Es geht wieder los

Ich verstehe jeden, der es satt ist, von Tourette-Linken niedergeschrien zu werden. Ich verstehe jeden, der in der Migration ein gigantisches Problem sieht. Ich verstehe sogar alle, die sich eine Partei wünschen, die so erzkonservativ ist, dass sie uns am liebsten zurück in die 50er-Jahre bringen will. Aber weiter zurück sollten wir nicht fallen. Wer Künstler und Journalisten bedroht und in den eigenen Kommentarspalten toleriert, dass Medienschaffende und ihre Familien dem Mob präsentiert werden, der kann keine Alternative sein. Sagt das gern auch Euren Eltern.

Und jetzt viel Spaß mit unserem Clip, solange man in Deutschland solche Clips noch produzieren darf:

UPDATE:

Dieser Artikel umfasste in einer früheren Version das Video einer Person, die unverblümt zum Sturm unserer Privat-Gemächer aufgerufen hat. Den Clip habe ich wieder rausgenommen, weil es eben 2018 ein konkretes Sicherheitsrisiko ist und Berliner Polizisten schon genug zu tun haben.

Stellungnahme: Meine Firma produziert keine Fake-Nazidemos mit AfD-Beteiligung

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Liebe AfD und Sympathisanten,

in Ihren Kreisen verbreitet sich gerade die Nachricht, meine Firma würde neuerdings Fake-Nazidemos für den SWR produzieren, um unter anderem gegen Ihre Partei zu hetzen. Aufmerksame Anwohner filmten mein Team neulich in Berlin Lichtenberg dabei und spielten das vermeintlich brisante Material der Parteispitze zu. Besagtes Material wurde für einen Informationsfilm verwendet, über den die Bundes-AfD meiner Firma unterstellte, Fake-News für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk herzustellen.

Lassen Sie mich den Vorfall klarstellen: Es handelte sich bei der vermeintlich perfiden Aktion lediglich um einen Filmdreh für das Satire-Format Browser Ballett. Das konnte man vor Ort an den vielen Kameras, einem Regisseur, einer Maske, einem Tonmann, einem Catering-Zelt und an den ganzen Aushängen sehen, die darauf hinwiesen, dass wir einen Film drehen.

Da wir stets bestrebt sind, niemanden bloßzustellen, möchten wir sie bitten, ihre Kamerateams von unseren Adressen abzuziehen. Ihr Mitglied Frank-Christian Hansel steht hier mit Kameramann und Party-Krawatte und möchte mich dazu befragen, was sich meine Firma dabei denkt, eine Fake-Nazidemo mit AfD-Beteiligung zu produzieren.

Es wäre ein Leichtes, dem Herrn humorvoll zu erklären, was ein Filmdreh ist. Das wäre ein bequemer Punktsieg für mich und meine linken Schulterklopfer. Aber es ist mir ein aufrichtiges Anliegen, bei den aktuellen politischen Spannungen in Deutschland nicht jede Gelegenheit mitzunehmen, um die andere Seite bloßzustellen. Das Gleiche würde ich mir von Ihnen wünschen. Wir sind nicht im Krieg und da will auch keiner hin.

Mit freundlichen Grüßen,
Schlecky Silberstein

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