DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Was wollt Ihr machen? Mich rauswerfen? Mesut Özil macht alles richtig

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Tja, Herr Grindel. Das nennt man Eier. Jeden Tag habe ich nach dem Südkorea-Spiel zum Fußballgott gebetet: Bitte lass Mesut Özil keine vorgefertigte Zwangs-PR-Scheiße a la “Sollte ich die Fans enttäuscht haben, tut es mir leid…” in den Äther schicken. Stattdessen hat er reagiert wie eine Legende. Ein Hauch von Cantona wehte heute durch Özils dreiteilige Klarstellung, was mir als Freund des gepflegten Dramas besonders gefällt ist die Tatsache, dass der amtierende DFB-Präsident den üblichen PR-Gesetzmäßigkeiten nach noch dieses Jahr seinen Job verlieren wird. Oh und natürlich wollen viele wissen, Özil habe es an Stil vermissen lassen. Ja und? Dann hat er sich eben jede Chance auf die EU-Ratspräsidentschaft verbaut. Viel dankbarer bin ich für einen Blick hinter die Kulissen, die uns auf den zweiten Blick mehr über Deutschland verraten, als jedes Zeit-Dossier:

Rechte Interessenvertreter haben längst einen immensen Einfluss auf Medien, Sponsoren und sogar gemeinnützige Organisationen. Özil hatte genug Stil, BILD und Mercedes nicht beim Namen zu nennen, Fakt ist: Die BILD hat mit ihrer Anti-Özil-Kampagne bei ihrer Stammklientel wieder Boden gut gemacht, der ihr bei ihrem Refugees-Welcome-Fauxpax unterm Arsch weggerutscht ist. Und irgendwo bei Mercedes wird man die Personalie Özil als toxisch eingestuft haben, sonst hätte man sein Gesicht wohl kaum aus den Werbematerialien gestrichen.

Man darf bei alledem nicht vergessen, was der Auslöser war: Ein verkacktes Foto mit Erdogan. Wenn Özil absagt, steht die Türkei Kopf, wenn er tut, was er getan hat, passiert, was passiert ist. Das schlimmste Phänomen dieser Tage ist diese hysterische Politisierung von allem. Und da stehen sich links und rechts in nichts nach. Jeder Affe hat das Foto für seine Agenda instrumentalisiert und plötzlich passiert, was eigentlich immer zurecht verboten war: Sport und Politik vermischen sich. BILD titelt unterdessen “Jammer-Özil” und schiebt nach “Özil schwelgt in seiner Opferrolle”. Stark! Wir dürfen nicht vergessen: Bei der BILD ging es nie um Haltung, sondern um Stimmungen. Mit dem Jammer-Migranten im Subtext trifft man zur Stunde voll ins Schwarze.

Während Medien und Sponsoren aus ökonomischen Gründen immer sensibel für Stimmungen sein müssen, geht’s in einem Verband wie dem DFB allein um den sportlichen Erfolg. Und da darf sich ein Präsident Grindel fragen lassen: Warum zur Hölle schützt man einen Weltmeister nicht? Ein Weltmeister hat dem DFB heilig zu sein. Nach dem Südkorea-Spiel haben irgendwelche hirngewaschenen Einzeller einem Weltmeister des DFB “Scheiß-Türke” auf dem Weg in die Kabine hinterher gerufen und Grindel fällt nichts Besseres ein, als von Özil einen Entschuldigung für ein Foto zu fordern. Wenn der Mann Politik machen will, dann soll er sich einer Partei anschließen. Im Übrigen darf bezweifelt werden, dass alle jene, die Özil die letzten Wochen über beschimpft haben, ihre Argumentation über die vermeintliche Wahlhilfe für einen Diktator hergeleitet haben. Und trotzdem wäre ein Quäntchen Selbstkritik angebracht gewesen: Özils Zweikampfführung gegen Mexiko war ein Witz.

Hier noch ein schöner Gesang aus dem Arsenal-Fanlager, wo man Fußballer noch als Fußballer feiert. Lass Dich nicht verhärten, Mesut.

We’ve got Ozil. Mesut Ozil. I just don’t think you understand. He’s Arsene Wenger’s man. He’s better than Zidane.

Warum kein Weg am Häuser besetzen vorbei führt

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Ich gratuliere ausdrücklichst den feinen Menschen der #besetzen Kampagne, die gestern hoffentlich einen neuen Megatrend losgetreten haben. Das Besetzen von Häusern als Zeichen des zivilen Ungehorsams hatte in Deutschland schon Tradition, da gab es noch gar keine völlig wirkungslose Mietpreisbremse. Den konservativen Kreisen, die sich darüber empören, dass gestern in Kreuzberg und Neukölln Häuser besetzt wurden, kann man nur sagen: Was wollt Ihr tun? Das Thema ist jetzt auf der Agenda und anscheinend braucht es besetzte Häuser, damit wir intensiver über eines der größten Probleme Deutschlands sprechen. Die Mieten sind zu hoch.

Rente, Sicherheit und Flüchtlinge.

Es gibt für die Politik keinen Grund etwas daran zu ändern, weil dieses Land von Alten regiert wird. Und Alte haben nur drei Themen: Rente, Sicherheit und Flüchtlinge. Für gewöhnlich sind es auch eher die Alten, die über Immobilien verfügen, ein Politiker wäre also völlig geisteskrank, es sich mit der zahlenmäßig größten Wählergruppe zu verscherzen. Und wo Politik versagt, muss ziviler Ungehorsam her. Die Tatsache, dass wir jetzt über diese dramatischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt reden, belegt doch nur, wie absolut notwendig und richtig die Besetzungen waren.

Alles richtig gemacht

Wir sollten nichts dagegen tun, wir sollten Menschen ermutigen, Häuser zu besetzen. Wir sollten sie feiern und für ihre Gerichtskosten zusammenlegen. Denn diese Leute sorgen dafür, dass die Politik wieder ein wenig aus den Ärschen der Alten herauskriechen und sich mit dem Problem befassen muss. Aktuell gilt die Faustformel: Je mehr Häuser besetzt sind, desto intensiver reden wir über bezahlbaren Wohnraum. In meinen Augen gibt es momentan also kaum etwas Richtigeres als ein Haus zu besetzen. Den interaktiven Leerstandsmelder findet Ihr hier. Praktische Tipps zum Häuserbesetzen gibt’s direkt bei besetzen.noblogs.org

Oder kurz: Die Besetzer sind Symptom. Das Problem sind die, die nichts gegen explodierende Mieten unternehmen.

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Franziska Giffey gegen die alten Herren – Endlich sägt jemand an diesem Abtreibungsgesetz

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6000 Euro Strafe wurden vergangenen November fällig, als die Gießener Ärztin Kristina Hänel auf ihrer Website erwähnte, auch Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Das gilt in Deutschland als als Werbung zur Abtreibung und ist durch den Abtreibungsparagrafen 219a verboten. Dieses Gesetz ist ein Kniefall vor den Horst Seehofers dieses Landes: Alte, fremdgehende Männer, die Frauen zu Mörderinnen erklären, nur weil diese über ihren eigenen Körper entscheiden wollen. Ein Symbol-Paragraf für die seichten Gemüter, die nicht wahr haben wollen, dass ausgerechnet sie sterben werden und sich deshalb an den Lieben Gott klammern. Religion als Herrschaftsinstrument gehört eigentlich in die Zeit der Hexenverfolgung, aber immer wieder landen Initiativen aus dem 16. Jahrhundert in aktuellen Gesetzestexten.

Die geschätzte Franziska Giffey hat sich endlich getraut, dieses Sakrileg in Frage zu stellen und fordert eine Neuregelung. Union und Kirchen sind dagegen, weil Frauen für beide Organisationen in erster Linie Brutkästen sind, die sich maximal etwas dazuverdienen dürfen, um zu kompensieren, was der Gatte in den Puff trägt. Sollte der Paragraf gekippt werden, wäre das eine kleine Sensation, mit der Deutschland einen wichtigen Schritt Richtung moderne Industrienation macht. Ich bedanke mich bei Franziska Giffey für den stabilen Impuls. Unterdessen betet Markus Söder fünf Ave Maria, um sich von der Schuld reinzuwaschen, mal wieder zu lange auf PornHub gesurft zu haben. Oder um Giffey zu zitieren:

Frauen, die ungewollt schwanger sind, befinden sich in einer Ausnahmesituation. Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen des Lebens, dann zu entscheiden, das Kind zu bekommen oder nicht. In einer solchen Situation brauchen Frauen Information, Beratung und Unterstützung. Und sie brauchen Ärztinnen und Ärzte, die nicht unter dem Generalverdacht stehen, kriminell zu handeln und sich strafbar zu machen.

Der alte Trick mit dem Mantel – Ins Kino für die Hälfte kommen

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Alle wollen Black Panther sehen, nur haben nicht alle die Mittel. Hilft nur einer der ältesten Agententricks. Einziger Wermutstropfen: Irgendwie hat der Kino-Manager den Braten gerochen und die Jungs nach Hause geschickt. Wie auch immer der Mann das gecheckt hat.


via mashable

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