DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Bildung

Norman – Wissenschaftler entwickeln die erste psychopathische AI

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Es heißt gemeinhin, eine mächtige künstliche Intelligenz könne die letzte Maschine sein, die der Mensch selbst erfinden muss. Das kann bedeuten, dass von da an eine KI unsere Probleme löst, es kann aber auch bedeuten, dass von da an eine KI uns löst. Das MIT arbeitet aktuell an einer Bilderkennungs-KI, die alles mit dem Tod kontextualisiert. Und weil man beim MIT Humor hat, trägt die KI den Namen Norman. Was schwachsinnig klingt, dient in Wirklichkeit dem wichtigen Thema KI-Sicherheit und soll demonstrieren, was passiert, wenn ein KI unbedacht entwickelt wird. Ich würde analog dazu gerne eine KI sehen, die alles, was sie sieht in einen sexuellen Kontext stellt. Name: Ralf. Wer sich ein bisschen mit der Thematik auskennt, meldet sich bei schlecky@steinbergersilberstein.com

Norman is an AI that is trained to perform image captioning; a popular deep learning method of generating a textual description of an image. We trained Norman on image captions…dedicated to…the reality of death. Then, we compared Norman’s responses with a standard image captioning neural network (trained on MSCOCO dataset) on Rorschach inkblots; a test that is used to detect underlying thought disorders.


via geekologie

Crotalus D12 – Mehr Medikament braucht kein Mensch

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Wie wir alle wissen, knetet die Pharma-Lobby mit ihrer Symbolmedizin jeden Tag Millionen Euro aus leichtgläubigen Patienten heraus. Ich habe immer ein paar Crotalus D12 im Portemonnaie. Gerade, wenn einem das Blut aus Ohren und After läuft, gibt es nichts Besseres. Aber nicht mehr als 5 Kügelchen alle 10 Minuten.


via kfmw

Am Shitstorm teilnehmen – Ein multipler Orgasmus für das Gehirn

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Vor knapp einem Monat saß ich mit gestandenen Comedy Autoren beisammen und wir diskutierten einen Sketch, in dem ein Gangster-Rapper zum Rücktritt gedrängt wurde, weil unterschiedliche Frauen- und Opferverbände in seinen Texten ein zweifelhaftes Menschenbild registrierten. Am Ende sah sich sein Label dazu veranlasst, seinen Plattenvertrag zu kündigen und versicherte in einer Pressemitteilung, man sei betroffen und sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Letzte Woche wurde diese Satire real: BMG stoppte bekanntermaßen die Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang aufgrund antisemitischer Texte. Das ist natürlich völliger Schwachsinn. Wer das Phänomen des Antisemitismus dazu missbraucht, um sich als Organisation, als Marke, oder längst vergessene Einzelperson zu profilieren, der gehört eigentlich geshitstormt.

Aber warum lassen wir uns eigentlich dazu hinreißen, infamste Unterstellungen an unserem Menschenverstand vorbei zu glauben und an der Welle der Empörung sogar aktiv teilzunehmen? Weil es uns neurologisch gesehen auf so vielen Ebenen gleichzeitig glücklich macht, dass man die Teilnahme an einem Shitstorm schon als gesundheitsfördernd einstufen könnte. Der Journalist Ron Jonson lieferte bereits 2015 mit seinem Buch So You’ve Been Publicly Shamed ein Basiswerk für das Verständnis von Shitstorms in vernetzten Gesellschaften, ich selbst habe mich 2017 zur Buch-Recherche durch unterschiedliche Studien zum Thema Social-Media-Dynamiken gewühlt und erlaube mir, hier in aller Knappheit die einzelnen psychologischen Hebel zu präsentieren, die uns beim Ankacken anderer so oft das Gefühl vermitteln, als würden wir fliegen. Vorweg schicke ich einen Gedanken der Präsidenten-Gattin Eleanor Roosevelt in den Ring:

Great minds discuss ideas; average minds discuss events; small minds discuss people.

Eleanor Roosevelt kannte keine sozialen Medien und würde den Satz heute wahrscheinlich anders formulieren. Ist man denn automatisch dumm, wenn man doch nur glücklich sein möchte? Hier im Einzelnen die wichtigsten Effekte, die uns so gerne zur öffentlichen Raserei bringen:

Das Scheitern Dritter sorgt für eine Aktivierung im Belohnungszentrum, was umso tragischer ist, als wir für diese Form von Dopamin-Ausstoß selbst gar nicht oder kaum aktiv werden müssen. Dabei gilt: Je erfolgreicher die scheiternde Person im Vergleich zu uns, desto intensiver das Glücksgefühl. Nun kann man dieses Gefühl für sich im Stillen genießen, dann gäbe es keine Shitstorms. Aber leider führt die aktive öffentliche Kritik zu einem weiteren Wohlfühl-Impuls, weil es uns die seltene Gelegenheit gibt, uns mit erfolgreichen Personen ins Verhältnis zu setzen. Izthak Fried von der University of California belegte 2016 zudem, dass wir ein Glücksgefühl beim Scheitern anderer auch deshalb erleben, weil der Schaden eines Dritten automatisch als Lernerfolg für uns selbst verbucht wird. Im Falle von Kollegah und Farid Bang haben wir alle gelernt, dass provokative Punchlines ohne antisemitischen Kontext dennoch als Antisemitismus bestraft werden. Die Rapper wurden öffentlich angeprangert, wir anderen haben für den gleichen Lerneffekt keinen Schaden genommen. Da kann man sich schon mal gut fühlen.

Gruppen machen glücklich. Ob wir gemeinsam im Stadion den Schiri auspfeiffen, oder Rappern Antisemitismus vorwerfen, in beiden Fällen nehmen wir an einer Gemeinschaftserfahrung teil. Niemand ist gern mit seiner Meinung allein, überhaupt ist niemand gern allein. Um der Einsamkeit zu enfliehen, nehmen Menschen sogar Meinungen an, die nicht originär ihre eigenen sind. Unter dieses Gefühl lassen sich unterschiedliche Effekte subsumieren. So schließen wir uns im Rahmen des Bandwagon-Effects gerne Mehrheitsmeinungen an, um hinterher nicht als Verlierer der Geschichte dazustehen. Aus diesem Grund wählen Menschen tendenziell Parteien mit guten Umfragewerten. Wissenschaftler von der Nottingham Trent University unterstellten der Identifikation mit Gruppenwerten einen Anstieg der individuellen Zufriedenheit um 9 Prozent. Dabei reicht laut Studienleiterin Juliet Wakefield zum Glücklichsein schon die lose Identifikation: It’s that subjective sense of belonging that’s crucial for happiness.

Was immer wieder falsch verstanden wird, ist die Frage nach dem Adressaten einer über soziale Medien geübten Kritik. Wer Farid Bang und dem Boss Antisemitismus hinterhergetweetet hat, kommunizierte nicht mit den Rappern. Die sind lediglich Objekt der Kritik. Adressat ist immer das Interaktions-Vieh in der eigenen Peergroup, also die Menschen, die unsere Kritik-Note teilen und kommentieren sollen: Freunde und Follower. Die Erwartung eines Tweets gegen Kollegah, Farid oder die ECHO-Verantwortlichen besteht nicht darin, dass diese ihr Verhalten ändern, die Erwartung besteht in der persönlichen Bestätigung durch Likes, Retweets und Kommentare durch unsere Peergroup. Das sorgt für die süße körpereigene Droge Dopamin, die immer dann freigesetzt wird, wenn wir uns auf positive soziale Bestätigung freuen. Kurz: Es geht oft um uns und selten um den “-ismus”.

Der berühmte Spruch “Die Wiederholung einer Unwahrheit macht sie nicht wahrer” hält leider Studien nicht stand. Im April 2017 belegten Wissenschaftler der Yale Universität, dass wir dazu neigen Behauptungen zu glauben, je häufiger wir sie hören. Das ganze funktioniert wie ein Cookie fürs Gehirn. Damit Informationen nicht immer wieder neu komplett geladen werden müssen, speichert das Gehirn wiederkehrende Informationen unbewusst ab. Dabei ist dem Gehirn egal, ob es sich um Falschinformationen handelt. Der “Hab-ich-schon-mal-gehört-Effekt” produziert gefühlte Wahrheiten mit jeder Wiederholung. Im Shitstorm wird die Behauptung “Kollegah und Farid Bang sind Antisemiten” so oft in kurzer Zeit wiederholt, dass unser Gehirn enorme Anstrengungen unternehmen muss, die Behauptung in Frage zu stellen. “Bei mir nicht!” ist kein Argument. Eine der Hauptaufgaben des Gehirns besteht darin, Energie zu sparen. Dazu gehören auch schnelle Schlüsse und das unbewusste Vertrauen in Wiederholungen. Die Evolution hat leider nicht vorhergesehen, dass wir eines Tages über weltumfassende Kommunikations-Netze verfügen, mit denen wir Lügen schnell und gratis vervielfältigen können. Die Katze beißt sich ab dem Zeitpunkt in den Schwanz, ab dem wir der festen Überzeugung sind, zwei Rapper als Antisemiten entlarvt zu haben. Denn dann greift das Phänomen des Bestätigungsfehlers (Confirmation Bias), der unsere ganz natürliche Neigung beschreibt, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese unsere eigenen Erwartungen erfüllen. Auch das spart Energie.

Der aufmerksame Leser wird verstanden haben, dass es mir nicht um die Reinwaschung zweier Berufsprovokateure geht, sondern um die vielen kleinen Faktoren, die uns immer wieder zu diesem unwürdigen Wutmob machen. Es ist völlig menschlich, sich ab an einfachen gehen zu lassen, aber es macht einen nicht dümmer, die Psychologie dahinter zu verstehen. Warum Wut durch das Internet immer mehr zu einer Emotion wird, die wir mit der Erwartung auf ein Glücksgefühl verknüpfen, würde hier den Rahmen sprengen, kann aber in bei Interesse in meinem Buch nachgelesen werden. Aber lauscht mal testweise in Euch rein, was Ihr fühlen würdet, wenn sich Dieter Bohlen morgen outete: Ja, ich habe alle meine Hits geklaut.

Gesichtserkennung in China: Wer rote Ampeln ignoriert kriegt Strafe via SMS

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China macht ernst und mausert sich zum feuchten Traum eines George Orwell. Aber was der Datenschützer pervers findet, klingt für manchen Innenminister nicht uninteressant: Fußgänger, die in China an der falschen Stelle oder zum falschen Zeitpunkt über die Straße flitzen, sollen laut South China Morning Post direkt den Bußgeldbescheid aufs Handy kriegen. Und zwar in Echtzeit. Das ist deshalb bemerkenswert, weil wir hier über die kleinste denkbare Ordnungswidrigkeit reden, die trotzdem mittels Hightech bekämpft wird.

SenseTime Überwachungs-Software mit Gesichtserkennung. Horst Seehofer kriegt feuchte Fingerspitzen.

Dafür sorgt das stetig wachsende Netz von Überwachungskameras und die clevere/kranke Verknüpfung unterschiedlicher Webdienste mit dem neuen Face-Detection-System, das die Kriminalitätsrate in China in den nächsten Jahren auf unter Null bringen soll. Damit greift das Social-Scoring-Prinzip immer feiner in den Alltag der Chinesen ein, denn die erzwungene Kooperationsbereitschaft unterschiedlicher Tech-Services untereinander ist groß: Die KI-Firma Intellifusion arbeitet mit Mobilfunkanbietern und den beliebten Services WeChat und Weibo Hand in Hand und so kann man sich jeden Versuch sparen, über rot zu laufen. Über 13.930 Chinesen haben es in den letzten 10 Monaten an einer einzigen Kreuzung versucht und wurden “geblitzt”.

In April 2017, Shenzhen traffic police introduced the facial recognition technology and LED screens to shame and deter jaywalkers. The 7 million-pixel cameras capture images of people illegally crossing the road. The facial recognition software then identifies the citizen against a database and displays their photo alongside their family name and some of their government identification number on the screen.

Und weil ich in letzter Zeit so viele Zukunfts-Wetten abschließen muss, sage ich: Nach den nächsten großen Terroranschlägen kriegen wir das auch. Am Anfang kriegt man nur eine Verwarnung via SMS, ab 2030 kostet es dann 15 EUR.

via newsweek

Zum Kotzen aber profitabel – Warum sich alle an ihre Kommentarfunktion klammern

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Sie ist bei fast allen Systemen vorinstalliert und vielleicht der wichtigste Demokratisierungs-Treiber der vernetzten Welt: Die Kommentarfunktion macht einfache Leser zu Mitgliedern einer Community. Das wollen wir doch alle sein. Die Welt im Dialog und so. Aber Hand aufs Herz: Wann habt Ihr das letzte Mal einen validen Kommentar gelesen? Oder anders gefragt: Scrollt wirklich jemand bis in die Kommentare, um eine kluge Ergänzung zum zugrunde liegenden Artikel zu lesen? Ich glaube, ich bin nicht allein, wenn ich sage: Kommentarspalten sind sowas wie das Dschungelcamp des kleines Mannes. Sie bedienen den alltäglichen Voyeurismus und die bange Hoffnung: Herr, lass da draußen noch Menschen sein, die bescheuerter sind als ich.

Unter allen allen Jobs, die das Internet geschaffen hat, gibt es einen, den wir nicht einmal unseren größten Feinden wünschen: Community Manager. Ich habe in meiner Karriere viele kennengelernt und alle umwehte ein bitterer Existentialismus. Kein Community Manager glaubt an Gott, diese armen Seelen glauben nicht einmal an den Menschen. Community Manager moderieren klassischerweise Kommentarbereiche, wobei moderieren in der Regel bedeutet: Löschen, oder wider der Intuition höflich zur Mäßigung aufrufen. Diese Mutter aller digitalen Drecksjobs wird in der Regel an Redaktions-Praktikanten delegiert (Du bist jetzt Community Manager. Das ist viel Verantwortung!), die angesichts der psychischen Belastung nicht mal mehr in der Lage sind, eine Kündigung zu verfassen. Also warum hat immer noch fast jedes Medien-Outlet einen Kommentar-Bereich, obwohl es jeden nervt, wenn nicht sogar schmerzt?

Hier die Antwort: Google möchte, dass die Standzeit seiner Werbebanner möglichst hoch ist. Denn je länger eine Banner in Eurem Sichtfeld steht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr draufklickt. Davon profitieren auch die Seitenbetreiber. Die Verweildauer des einzelnen Users ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Werbetreibende hinsichtlich des Wertes einer Banner-Fläche. Vielleicht habt Ihr schon mal was von der “Bounce Rate” gehört. Die bildet ab, wie lange User im Schnitt eine Seite und damit ihre Werbebanner im Wahrnehmungsfeld haben. Je mehr Zeit ein User in den Konsum eines Artikels investiert, desto günstiger die Bounce Rate. Die viel gepredigte User-Bindung bedeutet hier nichts anderes, als den User so lange wie möglich an die Werbebanner zu binden. Wenn Ihr also das nächste Mal einen gepfefferten Kommentar verfasst, wisset: Der Seitenbetreiber scheißt auf die Schärfe Eurer Argumente, vielmehr freut er sich darüber, dass Ihr die durchschnittliche Verweildauer auf seiner Seite erhöht. Oder kurz: Je mehr kommentiert wird, desto mehr verdient der Content-Anbieter.

Google hat für das Festhalten an Kommentarfunktionen übrigens ein tolles Knebel-Tool entwickelt. Jedes Stichwort, das in einem Kommentar verwendet wird, wird dem zugrundeliegenden Artikel zugerechnet. Kommentar-Autoren schreiben den Artikel also fort und verhelfen ihm über die kostenlose Verschlagwortung zu besseren Ergebnissen in der Google-Suche. Vor diesem Hintergrund wäre es ökonomischer Wahnsinn, den Kommentarbereich zu schließen, denn damit verringern Seitenbetreiber ihr Standing vor den Augen der Google-Suchalgorithmen rapide. Und weil ich hier schon zu lange Wasser gepredigt und Wein gesoffen habe, verabschiede ich mich jetzt vom Kommentarbereich. Ihr erreicht mich weiterhin unter schlecky@steinbergersilberstein.com

Und überhaupt: Die Zeit, die Ihr mit Kommentaren verballert, gibt Euch am Ende Eures Lebens niemand zurück.

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