DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Schlecky Silberstein - page 3

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Rechtspopulismus – Vermögend werden ohne Ausbildung

in Politik by

Es wurde viel über das Strache-Ibiza-Video diskutiert, Fakt ist: Es ist die perfekte Verdichtung der rechtspopulistischen Idee: Viele Menschen glauben, Politiker wird man aus politischen Gründen, oder weil man eine Überzeugung hat. Dabei vergessen wir stets, dass man aus der Politik heraus unglaublich viel Geld verdienen kann – wenn man den Staat entsprechend umbaut. Wer sich in weiten Teilen Osteuropas umschaut und durchfragt, hört immer nur das gleiche: Unsere Politiker machen sich die Taschen voll, sonst nichts. Wir reden immer viel von finsteren Ideologien, aber es geht noch eine Stufe ekelhafter: Rechtspopulismus ist der einzige Weg zu erklecklichem Vermögen, wenn man nichts oder zu wenig gelernt hat.

NAZIS VS BETRÜGER

Deshalb sollten wir mit Nazi-Vergleichen bewusster umgehen: Das Team Hitler bestand dem Vernehmen nach aus Menschen, die von Herzen einer Überzeugung gefolgt sind. Diese Überzeugung war zwar pervers, aber politisch. Die meisten aktuellen Rechtspopulisten sind jedoch nicht mal Nazis. Die meisten sind wie Strache besoffen von den eigenen Möglichkeiten und jeden Tag überrascht, dass man so einfach Spitzenpolitiker werden kann. Einfach konsequent Angst vor der Überfremdung schüren und sich selbst als Lösung anbieten, fertig ist der Weg zum Geld. Das kann im Prinzip jeder. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Angst in sozialen Medien mit Abstand am schnellsten verbreitet, weshalb Rechtspopulisten momentan einen gigantischen Wettbewerbsvorteil genießen. Wer also jetzt gerade ebenso wenig Vermögen wie Skrupel besitzt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und in den Rechtspopulismus wechseln.

DER ÄLTESTE TRICK DER WELT

Das ist durchaus nachhaltig: Im Gegensatz zu demokratischen Parteien wollen Rechtspopulisten den Staat umbauen, sobald sie einmal an der Macht sind. Und zwar dahingehend, dass es fast unmöglich ist sie wieder abzuwählen (siehe Polen, Ungarn, Türkei etc.). Ist die Macht der Partei einmal bis in die letzten Instanzen durchgesickert, kann man sich jedes Korruptionsgesetz dieser Welt in die Haare schmieren. Dann fließt Geld. Und zwar nach oben. Damit die Bevölkerung keinen Verdacht schöpft, muss sie mit Propaganda zugedröhnt werden: Wir sind das beste Volk der Welt! Wir werden von außen bedroht! Auch hier leistet Social-Media Schützenhilfe, gerade Facebook verbreitet überall auf der Welt einen neuen Tribalismus, der Rechtspopulisten in die Karten spielt.

NEBELFACKEL IDEOLOGIE

Wenn so viele Rechtspopulisten die EU schwächen und die Souveränität der Einzelstaaten stärken wollen, dann liegt das auch daran, dass sich die EU weniger in Sachen Menschenrechte und Korruption einmischen soll. Ganz raus aus der EU wollen übrigens die wenigsten Rechten, denn der gemeinsame Binnenmarkt sorgt für vollere Taschen als das alte Zollsystem. Das ganze Gefasel von Tradition, Vaterländern und Überfremdung ist eine Nebelfackel, von der wir uns leider zu oft blenden lassen. Deshalb hier mal meine persönlich Definition von Rechtspopulisten

Rechtspopulist, der
Person, die sich aus wirtschaftlichen Gründen an der Politik beteiligt und für das Ziel eines gehobenen Postens entgegen der eigenen Überzeugung Ängste bei Bürgern erzeugt. Rechtspopulisten betrachten den Staat als Unternehmen, aus dessen Einnahmen sie sich bereichern können. Zu diesem Behufe bauen Rechtspopulisten den Staat nach dem Wahlerfolg so um, dass die Möglichkeiten der Gewinnentnahme maximiert und die Möglichkeiten der demokratischen Abwahl minimiert werden.

Mit Sicherheit ist der eine oder andere Rechtspopulist wirklich aus Überzeugung dabei, aber der Großteil rekrutiert sich aus Karrieristen, Betrügern und Glücksrittern. Das solltet Ihr bzw. Eure Eltern bzw. Eure Großeltern vor der Europa-Wahl auf jeden Fall bedenken.

Letztwähler stoppen – Warum wir in Europa ein Höchstwahlalter brauchen

in Politik by

Es ist angerichtet: Nico Semsrott hat eine mehr als aussichtsreiche Chance, Martin Sonneborn ins EU-Parlament zu folgen und sein Wahlkampfauftakt hat richtig Feuer unterm Busch. Während Sonneborn mit dem Konzept “Ja zu Europa, nein zu Europa” keinen Anspruch auf Veränderung hatte, wählt Semsrott den Weg des Jon Gnarr und tritt mit dem Versprechen an, aktiv zu gestalten. Das beginnt mit der alles andere als satirischen Forderung nach einem Höchstwahlalter auf dem ältesten Kontinent der Welt. Mit dem wunderschönen Kampfbegriff “Letztwähler” stellt er die völlig berechtigte Frage, warum man in Deutschland erst ab 18 (!) wählen darf, während sieche Pflegefälle bis zum letzten Pulsschlag CDU oder Schlimmeres wählen dürfen.

Ein absurder Wahnsinn vor dem Hintergrund, dass noch nie zuvor so viele Rentner von so wenigen jungen Beitragszahlern durchgeschleift werden mussten. Mit den Alten wählt Semsrott nichts weniger als die größte Bedrohung der Menschheit als politischen Gegner. Damit kann DIE PARTEI zumindest auf EU-Ebene dem Vorwurf der Spaßpartei gelassen begegnen. Die Einführung des Höchstwahlalters ist eine absolut seriose Forderung und sollte Semsrott nach Brüssel gehen, dann werden wir garantiert noch öfter darüber reden.

Mit diesem Team kriegt jeder einen Grimme-Preis – Ein Dank an die stillen Kollegen

in Browser Ballett by
Die schlimmste GEZ-Marionette von allen musste natürlich auch ihre Fresse in die Kamera halten. Daneben: Dunja Hayali (2.v.l.)

Branchen-Insider haben’s registriert: Am vergangenen Freitag durfte ich in den heiligen Hallen des Marler Theaters meinen ersten Grimme-Preis für das Browser Ballett aus den Händen Dunja Hayalis reißen. Besagte Insider werden ebenso registriert haben, dass ich da oben nicht allein stand.

Noch immer ranken sich viele Mythen um unsere Besetzung, was auch daran liegt, dass sich meine wichtigsten Partner mit einer Zurückhaltung strafen, die man sonst nur von nordkoreanischen Apparatschiks kennt. Aber ohne Euch wäre ich genauso unbekannt wie Ihr. Ich danke:

RAPHAEL SELTER

Mein Autor und Haus-Regisseur für die dicken Bretter ist mehr als meine rechte Hand, sondern Head of Qualitätskontrolle, der im kreativen Hintergrund mehr Fäden zieht als jeder Schönheits-Chirurg. Um bei der Metapher zu bleiben: Der Grund, warum unsere Clips so aussehen wie sie aussehen ist Raphael Selter himself. Er hat das Konzept “Großes Kino für kleine Bildschirme” geprägt und schafft es immer wieder aus deutschen Budgets einen Hauch von Hollywood zu kitzeln. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber im Zweifel vertraue ich Deiner und genieße den Fame. Hier geht’s zum Portfolio von Raphael Selter.

CHRISTINA SCHLAG

Frauen in der deutschen Comedy sind wie Winzer im Islamischen Staat. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht wie ein Irrer freue, dass Du meine Gags schreibst. Und formidabel Regie führst. Und fantastisch spielst. Du siehst Dinge zwischen den Dingen und bist mit Deiner Beobachtungsgabe die Mutter unserer Themenauswahl. Du verweigerst Dich aufs Erfrischendste dem Reflex, über Follower zum Erfolg zu kommen, weil Du nur eine Währung kennst: Ehrliche, harte Arbeit mit dem Ethos einer Trümmerfrau. Hier geht’s zum Portfolio von Christina Schlag.

Desweiteren danke ich meinen Autoren Jette und Tim dafür, jeden Tag die Ideenmaschine anzukurbeln und sich auch für die kreative Drecksarbeit nie zu schade zu sein. Ohne Euch würde gar nichts gehen. Genauso wenig ohne unsere 16V-BiTurbo-Produktionsstrecke (Laura, Hala, Isabell, Till), die es immer wieder schafft, in der Zeit zurückzureisen, um große Sets über Nacht aufzustellen. Faszinierend. Danke auch an Stefan, dem filigransten Cutter der westlichen Hemisphäre, der unsere Clips so oft schauen muss, bis er sie scheiße findet. Was ein tragischer Job. Ebenso danke ich unserem Art-Direktor-Regisseur-Motion-Design-Story-Taschenmesser Niklas sowie allen Freelance-Söldnern und den Darstellern, von denen viele schon zum Ensemble gehören. You know, who you are, Manfred. Damit der ganze Laden läuft, steht mit meinem Partner und Produzenten David Steinberger ein Hybridwesen aus Mensch und Zen-Garten am Steuer.

Hab ich von Harald Juhnke gelernt: Auf Fotos sieht man nicht, dass dich die anderen stützen

Am Ende gibt es in Deutschland viele geile Leute mit vielen geilen Ideen, die leider keiner sieht, weil Rundfunkanstalten traditionell, sagen wir mal, risikoavers sind. Wir hatten unfassbares Glück mit Florian Hager und Philipp Schild von funk sowie dem SWR, wo sie mit Programmbeschwerden für das Browser Ballett ganz Baden-Baden tapezieren könnten.

Und dann wäre da noch das Grimme-Institut als eine der letzten Institutionen zu nennen, die noch über eine ordentliche Fachjury zum Ergebnis kommen. Nicht über Verkaufszahlen, würdelose Follower-Votings, oder Promi-Vasallentum. Zu viele Preise gibt es nur noch, damit irgendein SUV unter allen Voting-Teilnehmern verlost werden kann, deshalb macht uns der Grimme-Preis besonders stolz. So.

Triumph des Wissens – Das schönste Nazibuch der Welt

in Literatur by

In den 20ern lernte ein junger Freelance Art Direktor in einer kleinen Wiener Werbeagentur alles, was es über erfolgreiche Kommunikation zu wissen gibt: Starkes Branding, einfach Botschaften, emotionale Zielgruppenansprache. Später wurde der Art Direktor der berühmteste Massenmörder aller Zeiten und selbst zur Marke. Adolf Hitler war Werber durch und durch und ich persönlich finde: Seine Ausbildung wird in den Geschichtsbüchern sträflich ignoriert. Denn Hitlers Faszination für Propaganda, was vor dem Dritten Reich ein ganz normaler Begriff im Werbe-Jargon war, wird unter uns Hobby-Historikern als wichtigster Baustein für seinen Aufstieg bewertet. Demnächst erscheint von Friedrich Tietjen ein ganzes Buch, das sich nur dem Barte des Tyrannen widmet, denn auch das war ein klug gewähltes Branding-Element, überhaupt muss man bei aller Kritik an den Nazis anerkennen, dass sie in Sachen Markenführung Maßstäbe gesetzt haben.

Die geschätzten Kollegen hinter Hooligans gegen Satzbau haben mit dem Buch Triumph des Wissens ein großartiges Werk am Markt, das auf der einen Seite Hass und Hetze aufs Korn nimmt, auf der anderen Seite bekommt der Connaisseur eine liebevolle visuelle sowie humorvolle Interpretation des vielleicht stärksten Brandings der Markengeschichte. Ein Buch, in dem nicht nur Militaria-Ultra Lemmy Kilmister gerne geblättert hätte. Dieses Buch gehört in jedes gut sortierte Bücherregal und wird unter Garantie das erste Buch sein, das Euer Besuch neugierig aus Eurer Bibliothek fischt. Klare Kaufempfehlung.

Uploadfilter hin oder her – Niemand sollte für Google auf die Straße gehen

in Wirtschaft by

Mich wundert gerade extrem, dass so viele Künstler in der Artikel13-Debatte ihre Fresse halten. Seit über 15 Jahren trocknet vor allem Google den Kunstmarkt aus, indem das Unternehmen Werke, in denen viel Arbeit steckt, gratis feilbietet. Aber nicht nur das: Google verdient mit geschützten Werken und dem Datenaufkommen rund um diese Werke ein Heidengeld und hätte locker die Mittel, Künstlern etwas zurückzugeben. Aber Google ist auch nicht blöd: Das Unternehmen erfindet den Begriff Uploadfilter und lügt, es sei die einzige Lösung, das Urheberrecht konsequent durchzusetzen. Nutzern wird damit charmant die Pistole auf die Brust gedrückt: Entweder, Ihr stimmt Eure Politiker um, oder ihr werdet nie wieder ein Meme hochladen können.

Versteht mich nicht falsch: Alles im Internet sollte gratis sein, jeder soll alles hochladen und remixen können. Gleichzeitig könnten Künstler trotzdem Geld verdienen. Die Rechnung ginge nur nicht an Max Mustermann aus Musterstadt, sondern an Google LLC in Mountain View – das LL steht pikanterweise für limited liability. Mir stellen sich dezent die Nackenhaare auf, wenn ich sehe, dass in der Artikel13-Debatte kaum eine Sau über die mafiöse Position von Google redet. Aber warum Wut mit Wut bekämpfen, wenn sich die Dinge erklären lassen:

Nehmen wir an, der fiktive Künstler Mustermucker 3000 hat ein Musikvideo am Start und irgendwer lädt es spiegelverkehrt und verfremdet auf Youtube hoch. Der Clip knackt die 5 Millionen Views, aber niemand außer Google verdient daran. Jeder Share, jeder Kommentar, jeder Ort, von dem aus das Video gesehen wird, erzeugt ein handelbares Datenfragment und darin sind die Werbeeinnahmen noch nicht eingerechnet. Der ganze Buzz, den das Video erzeugt, zahlt nur auf ein einziges Konto ein: Das von Google.

Google hat nicht den Text geschrieben, nicht den Song komponiert, nicht das Team für den Video-Dreh bezahlt, aber das Endprodukt landet hochwertig in 4K auf einem Google-Server. Das ist gesellschaftlich akzeptierter Diebstahl. Ich wäre sogar bereit das Ganze anders zu bewerten, wenn Google keinen Cent mit geschützten Werken verdiente und tatsächlich nur das Wissen der Welt demokratisiert, wie es immer so blumig heißt. Aber der scheiß Clip wird zu Geld gemacht. Punkt. Aus diesem Grund wird es nie im Leben einen Uploadfilter auf Youtube geben. Das wäre für Google ökonomisches Harakiri.

Ich garantiere Euch: In Mountain View beugen sie sich gerade ab vor Gelächter, wenn sie sehen, wie viele Menschen in Europa dafür auf die Straße gehen, dass Google weiterhin Künstlern ihre Werke klauen darf, um damit datengestützte Vorhersageprodukte für die Wirtschaft zu entwickeln.

Wie immer war die Kommunikation rund um die Neuregelung des Urheberrechts seitens der EU erbärmlich bis suizidal, aber im Kern ging es immer darum, nicht den normalen Leuten die Memes wegzunehmen, sondern endlich mal Konzernen auf die Füße zu treten, die sich mit der Leistung anderer dumm und dämlich verdienen.

Es wird immer viel darüber räsoniert, wie viel Macht Google wirklich hat. Menschen gehen gerade für die Interessen dieses Konzerns auf die Straße. Das ist schon jede Menge Macht. Ich spüre den Umnut über diese Einschätzung und schicke nach: Auch ich würde nie CDU/CSU wählen. Aber aus ganz anderen Gründen.

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