DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Schlecky Silberstein - page 2

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Bad Lip Reading Nationalhymne – Ein Beitrag zur bescheuertsten Debatte des Jahres

in Browser Ballett by

Alles, ich betone ALLES wird dieses Jahr politisiert. Viele schauen sich die WM-Spiele nur an, um zu kontrollieren, wer die Nationalhymne mitsingt und wer nicht. Dabei kann es so viele Gründe dafür geben, warum ein Spieler nicht mitsingt. Ich bin beispielsweise fest davon überzeugt, dass sich Özil einfach den Text nicht merken kann. Genau so überzeugt bin ich davon, dass der DFB eine Mitsing-Prämie im höheren fünfstelligen Bereich ausgelobt hat, damit endlich diese elendige Debatte aufhört.

Auch wir beim Browser Ballett haben uns Gedanken gemacht, was man tun kann, um der ständigen Politisierung des eigenen Handelns oder Nichthandelns auszuweichen. Dazu habe ich mich mit Lippenleserin Julia Probst getroffen und mit Ihr einen neuen Hymnen-Text entwickelt, der beim Singen exakt zu aussieht wie das Original. Stichwort: Bad Lip Reading Nationalhymne. Der neue Text erzählt deutlich mehr über das Deutschland der Gegenwart, aber das Beste ist: Kein Mensch wird bei der Übertragung einen Unterschied merken.

Lieber Mario Basler – Ich will Dich nicht an Social Media verlieren

in Initiative by

Lieber Mario Basler, ich kann nicht zulassen, dass auch Du von Social Media gefressen wirst. Ich kann nicht zulassen, dass ein weiterer Held meiner Jugend in diesen Sumpf abrutscht. Wer bin ich, dass ich einer Legende Ratschläge erteile, aber hier sitze ich, ich kann nicht anders: Lösch’ Deinen Twitter-Account, bevor es zu spät ist und Du Dich der Borisbeckerisierung nicht mehr entziehen kannst. Du warst immer mein liebster Regelbrecher, der sich seine Seele auch dann bewahrt hat, als Fußballprofis anfingen wie JuSos zu reden. Ich kann nicht akzeptieren, dass ein Mann, der in der ersten Bundesliga regelmäßig Ecken direkt verwandelt hat, plötzlich berechenbar wird. Sich auf Social Media provozieren zu lassen, ist wie ein Beinschuss von einem Hobbykicker. Wenn die Leute Dir online blöd kommen, meinen sie nicht Dich. Sie wollen ihren Followern zeigen, dass sie einen Mario Basler aus der Reserve locken können. Das darfst Du nicht zulassen. Ein Mario Basler darf sich nicht in diese Negativitäts-Spirale ziehen lassen. Ich habe als kleiner Junge in Mario-Basler-Bettwäsche geschlafen, weil Du immer Dein Ding gemacht hast. Du warst immun gegen jede Form von Zirkus. Dieses Social Media Ding ist der größte Zirkus von allen, aber er kennt keine Gewinner, sondern nur gefrustete Aufmerksamkeits-Junkies. Noch ist es nicht zu spät. Du bist immer noch Idol. Aber wenn Du auch einer von diesen Typen wirst, die ihre eigene Legende einreißen, weil sie sich auf Kleinkriege mit Leuten einlassen, die sie nicht mal persönlich kennen, dann löst sich eines meiner größten Vorbilder einfach so in Retweets auf. Bleib super, Mario.

Jaron Lanier – Das wichtigste Buch 2018 ist kompakt und rettet Deine Seele

in Literatur by

Wer mich kennt – und Leser dieser Seite kennen mich ja auch irgendwie – weiß, dass es sich für mich extrem awkward anfühlt, Euch hier ein Buch zu empfehlen, dass ich selbst geschrieben habe. Die meisten von Euch schätzen schleckysilberstein.com als Empfehlungsplattform, und doch wäre es ja auch einigermaßen widersinnig, Euch nicht darüber zu informieren, dass ich eben diese Buch, Das Internet muss weg, geschrieben habe. Aber ich kann es Euch unmöglich empfehlen. Das ist insofern ein Dilemma, als es mir ein großes Anliegen ist, so oft wie möglich davor zu warnen, dass wir alle gerade mit unfassbarer Geschwindigkeit auf eine Mega-Katastrophe zusteuern, weil kaum jemand wirklich versteht, wie algorithmisch optimierte Verhaltensmodifikation funktioniert.

Und hier die gute Nachricht: Der geschätzte Silicon Valley Veteran Jaron Lanier hat mit Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst im Wesentlichen das gleiche Buch geschrieben, nur kürzer und handlicher. Was ich hier verfasse, ist keine Buchempfehlung. Empfehlung bedeutet “kannste lesen, kannst aber auch lassen”. Ich flehe Euch vielmehr auf blutigen Knien an, dieses Buch zu lesen. “Buch” klingt ja auch schon wieder so bedrohlich. Es ist ein sehr kleines Buch, dass Ihr auf einer Zugfahrt Köln-Berlin durch habt. Es erklärt nicht weniger als die Welt in der wir aktuell leben. Das ist eine sehr verwirrende Welt, die sich aber ganz einfach verstehen lässt, wenn man die Grundprinzipien algorithmisch optimierter Verhaltensmodifikation versteht.

Anders als meine Wenigkeit bietet Lanier sehr kluge Lösungen, die eher heute als morgen von staatlichen Institutionen zur Auflage für Facebook und Google gemacht werden sollten. Es mag den einen oder anderen erschüttern, aber datengestütztes Ad-Targeting gehört zum Beispiel verboten. Das hat auch nichts mehr mit Werbung zu tun, Lanier fordert zu Recht, endlich die Begrifflichkeit “Verhaltensmodifikation” zu verwenden. Facebook und Google verdienen ihr Geld mit eindeutigen behavioristischen Dressur-Methoden, wobei es in der Natur der Sache liegt, dass der Dressierte zeitlebens schwört: Manipuliert wurden immer nur die anderen. Oder wie Lanier schreibt:

Ich persönlich, liebe Leser, bin auch der festen Überzeugung, der einzige Vernünftige hier zu sein. Aber genau das ist der Trick hinter kluger Manipulation. In dem Buch geht es außerdem um Schuldeingeständnisse vieler Architekten des Systems. Stimmen wie die Chamath Palihapitiya (Ex-Vizepräsident für Nutzer-Wachstum bei Facebook) hört man in letzter Zeit immer häufiger.

Die überzeugendsten Stellen des Buches drehen sich um die Frage, die wir uns ja alle stellen: Warum macht uns Social Media zu Arschlöchern? Die Antwort ist in meinen Augen das Kern-Problem vernetzter Gesellschaften: Wut wird belohnt und damit systematisch erzeugt. Facebook und Google verdienen nur dann Geld, wenn wir mit ihren Servern interagieren, also handelbare Daten liegen lassen. Verständlicherweise sind die Systeme daraufhin optimiert, so viel Interaktion wie möglich zu erzeugen. Das Problem ist nur: Menschen interagieren messbar häufiger, wenn sie wütend sind, oder Angst haben. Hier ein Chart aus meinem aktuellen Vortrag “World Wide Wut”.

Der Abbildung liegt eine Studie zugrunde, die 2010 anhand von 70 Millionen Social Media Beiträgen ermitteln wollte, ob Emotionen eine Rolle bei der Verbreitungsgeschwindigkeit von Online-Inhalten spielen. Das Ergebnis ist relativ eindeutig und wird in regelmäßigen Abständen von Studien auf der ganzen Welt bestätigt: Nichts ist viraler als Wut und Angst. Das wissen auch Google und Facebook. Aktiv diesen Tendenzen entgegenzuwirken wäre ökonomischer Selbstmord. Im Silicon Valley wehrt man sich nach Kräften gegen den Vorwurf, Menschen bewusst wütender zu machen. Gleichzeitig gibt man immerhin zu, Algorithmen so zu programmieren, dass sie das höchstes “Engagement” fördern. Und das bedeutet im Umkehrschluss nichts anderes, als Menschen über den Verstärker der Belohnung wütender zu machen. Dafür gibt es noch einen zweiten Grund:

Das ist alles schlüssig weil nachvollziehbar, aber Woche für Woche lese ich in grundsätzlich geschätzten Zeitungen, sehr esoterische Herleitungen darüber, wo nur die ganze Wut und die ganzen gesellschaftlichen Gräben herkommen. Neulich erst las ich wieder von nicht verarbeiteten Folgen der Kolonialzeit als Grund für den Rechtsruck in Europa. Genau so gut ist die Kolonialzeit für die Formschwäche von Thomas Müller verantwortlich. Wir haben im Kern kein politisches, sondern ein ökonomisches Problem. Diese unzähligen Rechtsruck-Debatten könnten wir uns sparen, wenn wir nur ein einziges Mal eine halbwegs informierte Debatte über automatisiert Verhaltensmodifikation führen würden. Da stecken zwar nicht die Killer-SEO-Begriffe Gauland, Flüchtlingskrise und Asyltourismus drin, wohl aber Antworten auf die Frage: Wo beginnt eigentlich das Problem? Oder wie Lanier findet:

Es frustet mich momentan gigantisch wie viele Menschen, die jeweils hundertmal intelligenter sind als ich, einfach nicht bereit sind, die technologische Komponente der wichtigsten Probleme unserer Zeit zu verstehen. Ich kenne die patinierten Chefredakteure, die damit kokettieren, dass sie sich mit “Bits und Bytes” nicht auskennen. Das ist 2018 ein intellektueller Offenbarungseid und, pardon, solche Leute gehören verjagt respektive verrentet. Aber jetzt gibt’s keine Entschuldigung mehr: “Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst” ist gemessen daran, dass es das wichtigste Buch aller Zeiten werden kann angenehm kurz ausgefallen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch alles schreiben soll, um Euch zum Kauf zu nötigen. Macht’s für Euch.

BAMF – Der Film

in Browser Ballett by

Wer die deutsche Behördenmentalität kennt, der fragte sich bereits 2015: Wie sollen Institutionen, die bis zu 2 Monate für die Erstellung einer Geburtsurkunde brauchen, über eine Millionen Flüchtlinge registrieren? Als dann auch noch McKinsey-Berater den BAMF-Stempelkissen ein strafferes Management verordneten, war die Komödie perfekt: Zum ersten Mal gab es eine Erfahrung, gegen die der deutsche Beamte schon immer allergisch war: Druck von oben. Da hilft nur eins: Augen zu und durch und um Gottes Willen die Fälle abarbeiten, bevor die Zentrale Stress macht. Nie haben wir Helmut Dietl mehr vermisst. Er hätte sich die Verfilmung dieser Mutter aller Zyniker-Komödien nicht entgehen lassen. Zumal die Realität bereits ein fertiges Drehbuch ablieferte. Einige Seiten davon haben wir jetzt mit dem Browser Ballett verfilmt.

Kwitt – Sparkasse verarscht Influencer (WERBUNG)

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Millionen Werber tragen seit Jahren Trauer, weil die Budgets aus der Kreativ-Konzeption abgezogen werden, um sie Influencern in den Popo zu pusten. In seinen besten Momenten ist Werbung ein ehrbares Handwerk, das hin und wieder sogar Einzug in die Popkultur hält. Doch die moderne Litfaßsäule besteht aus Fleisch und Blut, hat ein Sixpack, aber keine Seele. Für den Moment scheint es auszureichen, Instagram-Helden dafür zu schmieren, dass sie Verpackungen mit ins Bett nehmen. Sollte irgendwann mal jemand Deutschlands Marketing-Abteilungen verraten, dass man für unter 1000 Euro eine Armee von Followern kaufen kann und dass sogenannte Marketing Services den ganzen Tag nichts anderes tun, als gekaufte Kommentare als getarnte Follower unter Influencer-Posts abzusetzen, sie würden vor Scham im Boden versinken. Aber aktuell funktioniert die Blase noch und die Sparkasse macht das Beste draus.

Unter @derbote_official spooft das Geldhaus die Influencer-Szene mit genau dem Bullshit, der sie am Leben hält. Das Testimonial stellt die beliebtesten Influencer-Posen nach und hält die Kwitt-App in die Kamera, die Geld versenden noch bequemer macht. Ein durchaus charmanter Weg, den Wahnsinn auf die Schippe zu nehmen. Extrapunkte gibt es für die schön beobachteten Artikel-Texte. Auf Instagram gibt’s noch mehr.

Liebe Muckis, als Meinungsmacher werde ich oft nach meiner Meinung gefragt. Super spannend und immer wieder inspirierend finde ich zB die Frage: „Welche 3 Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Nun, da auf jeder Insel immer irgendwelche Leute rumlaufen: Hier meine Meinung zu dem Thema für die Badewanne, wo dies nicht der Fall ist 😉 1) Schaumbad (fürs Wasser, zB Lavendel) 2) Wasser (fürs Schaumbad)) 3) App Features! zB … ach, mir fällt grad keins ein … Liebe Muckis, welche drei Dinge würdet ihr mitnehmen?? #MuckiLove #BadenBaden #SmartImBad #KwittStattLavendel #RuckZuckEntspannt #werbung @sparkasse #food #foodie #foodstagram #foodlicious #foodshot #mittagessen #essenmachtglücklich #essenundtrinken #essenistliebe

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Muckis, ihr wisst, ich bin nicht so wie viele andere Influencer: ich bin ein Over The Top-fluencer! Glaubhafter als andere, authentischer als andere, und deshalb viel mehr believable als andere!!!!!!!!!!!!!!! #followme Und ich hasse Oberflächlichkeit! Deswegen interessiert mich was unter dieser Hülle ist, mit der wir alle da draußen uns umgeben. Deshalb zeige ich euch heute, wie ihr nicht nur eure Kleidung, sondern auch den darunter liegenden Körper schön fest & knackig haltet. Mit Kwitt!! Und wie haltet Ihr euch fit? Postet in die Kommentare, damit ich meinen Trainingsplan anpassen kann. #werbung @sparkasse #MuckiLove #MuckisDurchKwitt #KillerFeature #Coral #Sport #Health #HealthyLifestyle #UltimateWorkout #NeverKwittPumping #Fitness #Kwittness #KillerFeature #PumpDirDeinSixpack #ironie #NeinMitKwittGewaschen

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