DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

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Schlecky Silberstein

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Franziska Giffey gegen die alten Herren – Endlich sägt jemand an diesem Abtreibungsgesetz

in Bossmove/Politik by

6000 Euro Strafe wurden vergangenen November fällig, als die Gießener Ärztin Kristina Hänel auf ihrer Website erwähnte, auch Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Das gilt in Deutschland als als Werbung zur Abtreibung und ist durch den Abtreibungsparagrafen 219a verboten. Dieses Gesetz ist ein Kniefall vor den Horst Seehofers dieses Landes: Alte, fremdgehende Männer, die Frauen zu Mörderinnen erklären, nur weil diese über ihren eigenen Körper entscheiden wollen. Ein Symbol-Paragraf für die seichten Gemüter, die nicht wahr haben wollen, dass ausgerechnet sie sterben werden und sich deshalb an den Lieben Gott klammern. Religion als Herrschaftsinstrument gehört eigentlich in die Zeit der Hexenverfolgung, aber immer wieder landen Initiativen aus dem 16. Jahrhundert in aktuellen Gesetzestexten.

Die geschätzte Franziska Giffey hat sich endlich getraut, dieses Sakrileg in Frage zu stellen und fordert eine Neuregelung. Union und Kirchen sind dagegen, weil Frauen für beide Organisationen in erster Linie Brutkästen sind, die sich maximal etwas dazuverdienen dürfen, um zu kompensieren, was der Gatte in den Puff trägt. Sollte der Paragraf gekippt werden, wäre das eine kleine Sensation, mit der Deutschland einen wichtigen Schritt Richtung moderne Industrienation macht. Ich bedanke mich bei Franziska Giffey für den stabilen Impuls. Unterdessen betet Markus Söder fünf Ave Maria, um sich von der Schuld reinzuwaschen, mal wieder zu lange auf PornHub gesurft zu haben. Oder um Giffey zu zitieren:

Frauen, die ungewollt schwanger sind, befinden sich in einer Ausnahmesituation. Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen des Lebens, dann zu entscheiden, das Kind zu bekommen oder nicht. In einer solchen Situation brauchen Frauen Information, Beratung und Unterstützung. Und sie brauchen Ärztinnen und Ärzte, die nicht unter dem Generalverdacht stehen, kriminell zu handeln und sich strafbar zu machen.

Das Street Fighter Brettspiel wird kommen und es wird großartig sein

in Games/Genial by

Darauf muss man auch erstmal kommen: Jasco Games und Youtuber Angry Joe spielten dem Vernehmen nach beim Kiffen die Möglichkeiten eines Street-Fighter-Brettspiels durch. Was anfangs völlig absurd klingt (Street Fighter mit Würfeln!), wird nach etwas Hirnschmalz ziemlich fett. Die Moves werden über Ereigniskarten und Würfel ermittelt, womit nichts weniger als die Rollenspielwerdung von Street Fighter erreicht wird. Wer keinen Bock hat, eine 12-Hit-Kombo auszuwürfeln, sollte sich das Game trotzdem allein schon für die wunderschönen Figuren kaufen. Das Finanzierungsziel auf Kickstarter wurde selbstverständlich schon längst geknackt.


via ufunk

Gesichtserkennung in China: Wer rote Ampeln ignoriert kriegt Strafe via SMS

in Bildung by

China macht ernst und mausert sich zum feuchten Traum eines George Orwell. Aber was der Datenschützer pervers findet, klingt für manchen Innenminister nicht uninteressant: Fußgänger, die in China an der falschen Stelle oder zum falschen Zeitpunkt über die Straße flitzen, sollen laut South China Morning Post direkt den Bußgeldbescheid aufs Handy kriegen. Und zwar in Echtzeit. Das ist deshalb bemerkenswert, weil wir hier über die kleinste denkbare Ordnungswidrigkeit reden, die trotzdem mittels Hightech bekämpft wird.

SenseTime Überwachungs-Software mit Gesichtserkennung. Horst Seehofer kriegt feuchte Fingerspitzen.

Dafür sorgt das stetig wachsende Netz von Überwachungskameras und die clevere/kranke Verknüpfung unterschiedlicher Webdienste mit dem neuen Face-Detection-System, das die Kriminalitätsrate in China in den nächsten Jahren auf unter Null bringen soll. Damit greift das Social-Scoring-Prinzip immer feiner in den Alltag der Chinesen ein, denn die erzwungene Kooperationsbereitschaft unterschiedlicher Tech-Services untereinander ist groß: Die KI-Firma Intellifusion arbeitet mit Mobilfunkanbietern und den beliebten Services WeChat und Weibo Hand in Hand und so kann man sich jeden Versuch sparen, über rot zu laufen. Über 13.930 Chinesen haben es in den letzten 10 Monaten an einer einzigen Kreuzung versucht und wurden “geblitzt”.

In April 2017, Shenzhen traffic police introduced the facial recognition technology and LED screens to shame and deter jaywalkers. The 7 million-pixel cameras capture images of people illegally crossing the road. The facial recognition software then identifies the citizen against a database and displays their photo alongside their family name and some of their government identification number on the screen.

Und weil ich in letzter Zeit so viele Zukunfts-Wetten abschließen muss, sage ich: Nach den nächsten großen Terroranschlägen kriegen wir das auch. Am Anfang kriegt man nur eine Verwarnung via SMS, ab 2030 kostet es dann 15 EUR.

via newsweek

Der Bahn-Simulator – Der erste Shooter im ICE

in Games by

Es ist die Falling Down Fantasie eines jeden ICE-Opfers: Einmal durchdrehen und die komplette Kinderstube vergessen. Gemeinsam mit unserem treuen Black Pants Game Studio hat das Browser Ballett den ersten realistischen ICE-Simulator programmiert, in dem Ihr Euch nach Herzenslust austoben könnt. Die Mischung aus Doom und Endless Runner wartet mit allen Gegnern auf, die man auch aus dem Real Life kennt: Verwirrte Rentner, Kinderhorden, angetrunkene Bundeswehr-Soldaten, noch angetrunkenere Fußballfans, Junggesellen-Abschiede, Business-Kasper und viele mehr.

Ziel des Spiels: Bringt so viele Wagons wie möglich hinter Euch. Aber weil es eine Simulation ist, müsst Ihr immer auf Euren Blasendruck achten: Bei hundert Prozent nässt Ihr ein und fliegt zwischen Wolfsburg und Stendal (Deutschlands Area 51) aus dem Zug. Auf den zufällig geöffneten Zugtoiletten könnt Ihr Druck ablassen und somit im übertragenen Sinne neue Lebensenergie tanken. Aber Ihr seid nicht hilflos. Euer Waffenarsenal reicht vom Bahn-Magazin, über trockene Le Crobag Croissants, bis hin zu Wurfgeschossen in Form von Bierdosen. Der Bahn-Simulator ist jetzt im Browser zockbar unter bahn-simulator.com

Viel Spaß bei der Jagd nach dem Highscore.

Zum Kotzen aber profitabel – Warum sich alle an ihre Kommentarfunktion klammern

in Bildung by

Sie ist bei fast allen Systemen vorinstalliert und vielleicht der wichtigste Demokratisierungs-Treiber der vernetzten Welt: Die Kommentarfunktion macht einfache Leser zu Mitgliedern einer Community. Das wollen wir doch alle sein. Die Welt im Dialog und so. Aber Hand aufs Herz: Wann habt Ihr das letzte Mal einen validen Kommentar gelesen? Oder anders gefragt: Scrollt wirklich jemand bis in die Kommentare, um eine kluge Ergänzung zum zugrunde liegenden Artikel zu lesen? Ich glaube, ich bin nicht allein, wenn ich sage: Kommentarspalten sind sowas wie das Dschungelcamp des kleines Mannes. Sie bedienen den alltäglichen Voyeurismus und die bange Hoffnung: Herr, lass da draußen noch Menschen sein, die bescheuerter sind als ich.

Unter allen allen Jobs, die das Internet geschaffen hat, gibt es einen, den wir nicht einmal unseren größten Feinden wünschen: Community Manager. Ich habe in meiner Karriere viele kennengelernt und alle umwehte ein bitterer Existentialismus. Kein Community Manager glaubt an Gott, diese armen Seelen glauben nicht einmal an den Menschen. Community Manager moderieren klassischerweise Kommentarbereiche, wobei moderieren in der Regel bedeutet: Löschen, oder wider der Intuition höflich zur Mäßigung aufrufen. Diese Mutter aller digitalen Drecksjobs wird in der Regel an Redaktions-Praktikanten delegiert (Du bist jetzt Community Manager. Das ist viel Verantwortung!), die angesichts der psychischen Belastung nicht mal mehr in der Lage sind, eine Kündigung zu verfassen. Also warum hat immer noch fast jedes Medien-Outlet einen Kommentar-Bereich, obwohl es jeden nervt, wenn nicht sogar schmerzt?

Hier die Antwort: Google möchte, dass die Standzeit seiner Werbebanner möglichst hoch ist. Denn je länger eine Banner in Eurem Sichtfeld steht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr draufklickt. Davon profitieren auch die Seitenbetreiber. Die Verweildauer des einzelnen Users ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Werbetreibende hinsichtlich des Wertes einer Banner-Fläche. Vielleicht habt Ihr schon mal was von der “Bounce Rate” gehört. Die bildet ab, wie lange User im Schnitt eine Seite und damit ihre Werbebanner im Wahrnehmungsfeld haben. Je mehr Zeit ein User in den Konsum eines Artikels investiert, desto günstiger die Bounce Rate. Die viel gepredigte User-Bindung bedeutet hier nichts anderes, als den User so lange wie möglich an die Werbebanner zu binden. Wenn Ihr also das nächste Mal einen gepfefferten Kommentar verfasst, wisset: Der Seitenbetreiber scheißt auf die Schärfe Eurer Argumente, vielmehr freut er sich darüber, dass Ihr die durchschnittliche Verweildauer auf seiner Seite erhöht. Oder kurz: Je mehr kommentiert wird, desto mehr verdient der Content-Anbieter.

Google hat für das Festhalten an Kommentarfunktionen übrigens ein tolles Knebel-Tool entwickelt. Jedes Stichwort, das in einem Kommentar verwendet wird, wird dem zugrundeliegenden Artikel zugerechnet. Kommentar-Autoren schreiben den Artikel also fort und verhelfen ihm über die kostenlose Verschlagwortung zu besseren Ergebnissen in der Google-Suche. Vor diesem Hintergrund wäre es ökonomischer Wahnsinn, den Kommentarbereich zu schließen, denn damit verringern Seitenbetreiber ihr Standing vor den Augen der Google-Suchalgorithmen rapide. Und weil ich hier schon zu lange Wasser gepredigt und Wein gesoffen habe, verabschiede ich mich jetzt vom Kommentarbereich. Ihr erreicht mich weiterhin unter schlecky@steinbergersilberstein.com

Und überhaupt: Die Zeit, die Ihr mit Kommentaren verballert, gibt Euch am Ende Eures Lebens niemand zurück.

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