Satire-Parteien machen bessere Politik als Realsatire-Parteien

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Nachdem mich viele alte Menschen angegangen haben, weil ich die Partei DIE PARTEI in einem DLF-Interview als eine der seriösesten Parteien Deutschland eingestuft habe, möchte ich tun, was man im Social-Media-Zeitalter immer tun sollte: Ich gieße Öl ins Feuer:

Die Kernfrage lautete: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen eine Satire-Partei zu wählen? Damit, so sind sich die Kritiker einig, verschenke man seine Stimme. Gegenfrage: Wie satt und zynisch muss man sein, um in Zeiten wie diesen CDU oder AfD zu wählen? Beide Parteien stehen in unterschiedlichen Eskalationsstufen für eine Politik, die sich nicht den Fragen unserer Zeit widmet, sondern den Umfragen unserer Zeit. Sie verstehen Politik als Game, in dem es um billig erkaufte Mehrheiten geht, ach ja: Und tüchtig Geld verdienen lässt sich damit auch noch. In der richtigen Partei kann man sich vorzüglich die Karriere in einem Aufsichtsrat zurecht legen.

So stellen viele Protagonisten beider Parteien die eigene Karriere über das Gemeinwohl und lügen, dass die Schwarte kracht. Kalkuliert biedert man sich der demografischen Mehrheit der Alten an und fühlt sich auch noch wahnsinnig clever dabei, so ein gerissenes political animal zu sein. Man möchte ihnen raten: Kauft Euch Civilization VI, wenn Ihr Bürger als Schachfiguren begreift.

All das ist bei der Partei DIE PARTEI völlig ausgeschlossen. Stattdessen orientiert man sich mit anderen Mitteln an echten Bedürfnissen und echten Missständen. Gute Satire war immer ein Brennglas auf gesellschaftliche Probleme und die werden zur Stunde von kaum einer Partei so effektiv ins öffentliche Bewusstsein gerückt wie von der Partei DIE PARTEI. Es gibt dort kein Geld zu verdienen und niemand kümmert sich um Umfragen, es zählt allein der Idealismus und die von Herzen empfundene Lust, ein politisches Bewusstsein zu schärfen, das sich insbesondere um Menschen dreht, denen das Leben nicht die besten Karten ausgeteilt hat. Wer sich hingegen das arrogant dahin gerotzte Programm der Unionsparteien zur Europawahl durchgelesen hat, dem war klar: Wer sowas wählt, der kann sich seine Stimme auch in den Arsch schieben.

Oder kurz: Ich wähle lieber eine Satire-Partei als eine Realsatire-Partei

Liebe Grüße an die DLF-Hörer. Grüßen Sie ihre Enkel von mir.

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