Rechtspopulismus – Vermögend werden ohne Ausbildung

in Politik by

Es wurde viel über das Strache-Ibiza-Video diskutiert, Fakt ist: Es ist die perfekte Verdichtung der rechtspopulistischen Idee: Viele Menschen glauben, Politiker wird man aus politischen Gründen, oder weil man eine Überzeugung hat. Dabei vergessen wir stets, dass man aus der Politik heraus unglaublich viel Geld verdienen kann – wenn man den Staat entsprechend umbaut. Wer sich in weiten Teilen Osteuropas umschaut und durchfragt, hört immer nur das gleiche: Unsere Politiker machen sich die Taschen voll, sonst nichts. Wir reden immer viel von finsteren Ideologien, aber es geht noch eine Stufe ekelhafter: Rechtspopulismus ist der einzige Weg zu erklecklichem Vermögen, wenn man nichts oder zu wenig gelernt hat.

NAZIS VS BETRÜGER

Deshalb sollten wir mit Nazi-Vergleichen bewusster umgehen: Das Team Hitler bestand dem Vernehmen nach aus Menschen, die von Herzen einer Überzeugung gefolgt sind. Diese Überzeugung war zwar pervers, aber politisch. Die meisten aktuellen Rechtspopulisten sind jedoch nicht mal Nazis. Die meisten sind wie Strache besoffen von den eigenen Möglichkeiten und jeden Tag überrascht, dass man so einfach Spitzenpolitiker werden kann. Einfach konsequent Angst vor der Überfremdung schüren und sich selbst als Lösung anbieten, fertig ist der Weg zum Geld. Das kann im Prinzip jeder. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Angst in sozialen Medien mit Abstand am schnellsten verbreitet, weshalb Rechtspopulisten momentan einen gigantischen Wettbewerbsvorteil genießen. Wer also jetzt gerade ebenso wenig Vermögen wie Skrupel besitzt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und in den Rechtspopulismus wechseln.

DER ÄLTESTE TRICK DER WELT

Das ist durchaus nachhaltig: Im Gegensatz zu demokratischen Parteien wollen Rechtspopulisten den Staat umbauen, sobald sie einmal an der Macht sind. Und zwar dahingehend, dass es fast unmöglich ist sie wieder abzuwählen (siehe Polen, Ungarn, Türkei etc.). Ist die Macht der Partei einmal bis in die letzten Instanzen durchgesickert, kann man sich jedes Korruptionsgesetz dieser Welt in die Haare schmieren. Dann fließt Geld. Und zwar nach oben. Damit die Bevölkerung keinen Verdacht schöpft, muss sie mit Propaganda zugedröhnt werden: Wir sind das beste Volk der Welt! Wir werden von außen bedroht! Auch hier leistet Social-Media Schützenhilfe, gerade Facebook verbreitet überall auf der Welt einen neuen Tribalismus, der Rechtspopulisten in die Karten spielt.

NEBELFACKEL IDEOLOGIE

Wenn so viele Rechtspopulisten die EU schwächen und die Souveränität der Einzelstaaten stärken wollen, dann liegt das auch daran, dass sich die EU weniger in Sachen Menschenrechte und Korruption einmischen soll. Ganz raus aus der EU wollen übrigens die wenigsten Rechten, denn der gemeinsame Binnenmarkt sorgt für vollere Taschen als das alte Zollsystem. Das ganze Gefasel von Tradition, Vaterländern und Überfremdung ist eine Nebelfackel, von der wir uns leider zu oft blenden lassen. Deshalb hier mal meine persönlich Definition von Rechtspopulisten

Rechtspopulist, der
Person, die sich aus wirtschaftlichen Gründen an der Politik beteiligt und für das Ziel eines gehobenen Postens entgegen der eigenen Überzeugung Ängste bei Bürgern erzeugt. Rechtspopulisten betrachten den Staat als Unternehmen, aus dessen Einnahmen sie sich bereichern können. Zu diesem Behufe bauen Rechtspopulisten den Staat nach dem Wahlerfolg so um, dass die Möglichkeiten der Gewinnentnahme maximiert und die Möglichkeiten der demokratischen Abwahl minimiert werden.

Mit Sicherheit ist der eine oder andere Rechtspopulist wirklich aus Überzeugung dabei, aber der Großteil rekrutiert sich aus Karrieristen, Betrügern und Glücksrittern. Das solltet Ihr bzw. Eure Eltern bzw. Eure Großeltern vor der Europa-Wahl auf jeden Fall bedenken.

NEU IM BOHEMIAN BROWSER BALLETT

Schreibt Bücher über die Abschaffung des Internets und Drehbücher für das Bohemian Browser Ballett. Präsentiert hier seit 2010 alles Wissenswerte aus der digitalen Hölle und alles Lobenswerte aus dem digitalen Himmel. Alle Infos zum Buch: www.dasinternetmussweg.de