Frauen sind Straßenfußballer – So versteht jeder Mann die Vorteile von Geschlechtergerechtigkeit

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Die Gleichstellung von Mann und Frau ist eine Idee, die alles besser macht. Und zwar für alle. Besonders für Männer. Aber weil der Mensch dazu neigt, Veränderung automatisch mit Verlust gleichzusetzen, sind viele Herren skeptisch und werden dafür zunächst öffentlich beschimpft. Beschimpfungen gelten zwar als zeitgemäßer Weg, für Verständnis zu werben, aber manchmal hilft es auch, Dinge ganz schnöde zu erklären. Zu diesem Behufe habe ich mir ein Beispiel aus dem Fußball geborgt, das mich persönlich schon immer in meiner tiefsten Überzeugung bestätigt hat, dass kluge (ist nicht umsonst gefettet) Gleichstellungsregeln des Beste ist, was Männlein wie Weiblein passieren kann. Viel Spaß damit:

Ihr kriegt 3 von uns, wir kriegen 3 von Euch

Wenn wir früher in Bremen-Nord nach der Schule Fußball gespielt haben, sind die Teams zunächst auf Klüngel-Ebene entstanden. Auf der einen Seite waren 11 Jungs, von denen sich die meisten aus dem Fußballverein kennen, die anderen 11 waren Straßenkicker. Nach kurzer Zeit lagen die Straßenkicker 6:0 zurück. Das waren zwar alles gute Fußballer, aber sie hatten keine Chance gegen Vereinsspieler, die sich schon seit der F-Jugend kennen, gezielt gefördert wurden und ihre Qualität auch den Erfahrungen der Ü60-Herrenmannschaft zu verdanken haben. Nach dem 7:0 waren alle gelangweilt, weil ein gutes Fußballspiel 2:1 ausgeht und nicht 16:0. Die Mannschaftsaufteilung hatte für keinen einen Wert, also haben die Vereinsspieler gesagt: Ihr kriegt 3 von uns und wir kriegen 3 von Euch. Das war keine Geste der Solidarität, auf die man sich via Twitter einen runtergeholt hat. Erstens gab es noch kein Twitter, zweitens haben wir die Teams umgestellt, weil es vorher einfach keinen Spaß gemacht.

Gewinnen muss Spaß machen

Wer aus den Reihen der Vereinsspieler das 7:0 erzielt hat, der ist ohne ein Lächeln auf dem Gesicht zurück in die eigene Hälfte getrabt. Dieses Tor bzw. dieser Erfolg hatte für ihn so gut wie keinen Wert. Nach der Neuaufteilung der Teams, haben wir wieder bei 0:0 angefangen und das Spiel wurde erwartungsgemäß ein gutes Spiel. Die Vereinsspieler mit den 3 Straßenkickern haben kurz vor Schluss das Siegtor erzielt. Sie haben sich zur Jubeltraube versammelt und waren stolz auf ihre Leistung. Weil das Spiel so eng war, hat jeder sein Bestes gegeben und für sein individuelles Spiel Erfahrungen gesammelt, die ihm zu einem besseren Fußballer gemacht haben. Die Regelung „Ihr kriegt 3 von uns, wir kriegen 3 von Euch.“ war für alle Beteiligten ein Gewinn.

Der Vorteil des Vereinsspielers

Vielleicht sollten wir Geschlechtergerechtigkeit zur Abwechslung mal so betrachten: Männer sind Vereinsspieler, Frauen sind Straßenkicker. Die einen verdanken ihren Vorteil dem Club und seinen Strukturen sowie den Club-Erfahrungen der Vergangenheit, die schon gesammelt wurden, als die aktuellen Vereinsspieler noch gar nicht geboren waren. Die anderen sind individuell vielleicht Weltklasse, aber ohne eine gerechte Mannschaftsaufteilung würde das Straßenkicker-Team jedes Spiel verlieren. Ideen wie Frauenquoten sind im Kern nichts anderes als „Ihr kriegt 3 von uns, wir kriegen 3 von Euch.“

Vielleicht spielst Du einfach nur scheiße

Wer aus den Reihen der Vereinsspieler beim Stand von 7:0 gegen neue Mannschaften protestiert hätte, den hätten alle anderen nach Hause geschickt. Es gibt beim Fußball nur einen Grund, gegen „Ihr kriegt 3 von uns, wir kriegen 3 von Euch.“ zu sein: Wenn man selbst ein beschissener Fußballspieler ist, obwohl man im Verein spielt. Dann hat man verständlicherweise Angst vor ausgeglichenen Mannschaften. Denn dann steigt das Niveau des Spiels und jeder kann sehen, dass Du scheiße spielst. Schaut Euch mal um. Man sieht fast nie, dass ein Mann, der hart arbeitet und seinen Job auf höchstem Niveau macht, die Augen über Gleichstellungsdebatten verdreht. Das machen in der Regel nur die Graupen, die sich hinter den Guten verstecken. Ein guter Spieler sieht vielmehr überhaupt keinen Sinn darin, für ein Spiel auf den Platz zu gehen, von dem er ausgehen kann, dass seine Mannschaft mit 14:0 gewinnen wird. Aus eigenem Interesse wird er vorschlagen: Ihr kriegt 3 von uns, wir kriegen 3 von Euch.

Danke für die Aufmerksamkeit

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