Wie eine russische Trollfabrik Demos und Gegendemos in den USA organisiert

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Ich schäme mich dafür, aber als Mensch, der immer von Bond-Bösewichten fasziniert war, muss ich mich vor der Internet Research Agency aka Trollfabrik Russland verneigen. Was diese Teufel schaffen, ist State of the Art Gesellschafts-Fernsteuerung. An den USA! Der selbsternannten stabilsten Demokratie der Welt. Und das auch noch via Facebook, also einem Tool, das in den USA erfunden wurde. Mehr geht nicht. Kommen wir zu den (kritisch zu betrachtenden) Fakten:

Vergangene Woche präsentierte Facebook mehrere Accounts, die als unauthentisch und dem Vernehmen nach von Russland betrieben aus dem Verkehr gezogen wurden. Wer jetzt an die klassischen rechten Propaganda-Schleudern denkt, der irrt. Unter anderem handelte es sich um linksliberale Aktivisten-Accounts, die eine Anti-Trump-Demo organisierten und viele echte Linksliberale für die No Unite the Right 2-DC Demonstration in Washington mobilisierten. Die Gegendemo zu einem White Supremacist Aufmarsch, der mutmaßlich ebenso von der Internet Research Agency unterstützt wurde, zog 600 Teilnehmer und 2600 Interessierte an und jetzt fragt man sich zunächst: Warum vernetzt Russland plötzlich Trump-Gegner? Wikipedia klärt auf:

Wir erinnern uns an Black Lives Matter. Auch hier outeten sich russische Bot-Netze als glühende Anhänger der Black Community, um die gesellschaftliche Spannung in den USA systematisch zu fördern. Das Digital Forensic Research Lab hat sich in einem sehr detaillierten Medium-Artikel intensiver damit befasst, welche Strategie die von Facebook gelöschten Pages verfolgten. Ergebnis: Die Internet Research Agency clustert zur Stunde offenbar die wichtigsten Identifikations-Gruppen der USA von Hispanics bis Feministen, um die einzelnen Szenen zu unterwandern. Das ist komplex, ambitioniert und nicht selten genial:

Mysteriöse User bauen Facebook-Events auf und übertragen die Admin-Rechte an echte Aktivisten, die keinen Grund haben, nachzufragen, warum ein Unbekannter ihre Sache unterstützt. Im Falle der No Unite the Right 2-DC Demo zeigten sich die gelockten Demonstranten in spe sogar empört über die Löschung des Events, obwohl ihnen Facebook erklärte, dass die Initiative dazu ihren Ursprung in Russland habe. Der Aktivist Brendan Orsinger kommentierte seinen Frust der Event-Löschung gegenüber der Washington Post mit den Worten:

If Russian bots or Russian influence helped us amplify stuff, I don’t know how I feel about that. Maybe I feel the same way Donald Trump feels about the help.

Das, liebe Freunde, ist ein Zeugnis meisterhafter Manipulation. Oder, um eine Frage der TIME aufzugreifen:

Antwort: Yes. Das gilt auch für diesen Artikel. Diese ominöse Trollfabrik kann die Erfindung eines Teenagers aus Papua-Neuguinea sein, der über einen Proxy-Service unter einer russischen IP fleißig zwei Nationen gegeneinander aufhetzt. Bleibt verwirrt.

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