Warum kein Weg am Häuser besetzen vorbei führt

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Ich gratuliere ausdrücklichst den feinen Menschen der #besetzen Kampagne, die gestern hoffentlich einen neuen Megatrend losgetreten haben. Das Besetzen von Häusern als Zeichen des zivilen Ungehorsams hatte in Deutschland schon Tradition, da gab es noch gar keine völlig wirkungslose Mietpreisbremse. Den konservativen Kreisen, die sich darüber empören, dass gestern in Kreuzberg und Neukölln Häuser besetzt wurden, kann man nur sagen: Was wollt Ihr tun? Das Thema ist jetzt auf der Agenda und anscheinend braucht es besetzte Häuser, damit wir intensiver über eines der größten Probleme Deutschlands sprechen. Die Mieten sind zu hoch.

Rente, Sicherheit und Flüchtlinge.

Es gibt für die Politik keinen Grund etwas daran zu ändern, weil dieses Land von Alten regiert wird. Und Alte haben nur drei Themen: Rente, Sicherheit und Flüchtlinge. Für gewöhnlich sind es auch eher die Alten, die über Immobilien verfügen, ein Politiker wäre also völlig geisteskrank, es sich mit der zahlenmäßig größten Wählergruppe zu verscherzen. Und wo Politik versagt, muss ziviler Ungehorsam her. Die Tatsache, dass wir jetzt über diese dramatischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt reden, belegt doch nur, wie absolut notwendig und richtig die Besetzungen waren.

Alles richtig gemacht

Wir sollten nichts dagegen tun, wir sollten Menschen ermutigen, Häuser zu besetzen. Wir sollten sie feiern und für ihre Gerichtskosten zusammenlegen. Denn diese Leute sorgen dafür, dass die Politik wieder ein wenig aus den Ärschen der Alten herauskriechen und sich mit dem Problem befassen muss. Aktuell gilt die Faustformel: Je mehr Häuser besetzt sind, desto intensiver reden wir über bezahlbaren Wohnraum. In meinen Augen gibt es momentan also kaum etwas Richtigeres als ein Haus zu besetzen. Den interaktiven Leerstandsmelder findet Ihr hier. Praktische Tipps zum Häuserbesetzen gibt’s direkt bei besetzen.noblogs.org

Oder kurz: Die Besetzer sind Symptom. Das Problem sind die, die nichts gegen explodierende Mieten unternehmen.

 

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