Gesichtserkennung in China: Wer rote Ampeln ignoriert kriegt Strafe via SMS

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China macht ernst und mausert sich zum feuchten Traum eines George Orwell. Aber was der Datenschützer pervers findet, klingt für manchen Innenminister nicht uninteressant: Fußgänger, die in China an der falschen Stelle oder zum falschen Zeitpunkt über die Straße flitzen, sollen laut South China Morning Post direkt den Bußgeldbescheid aufs Handy kriegen. Und zwar in Echtzeit. Das ist deshalb bemerkenswert, weil wir hier über die kleinste denkbare Ordnungswidrigkeit reden, die trotzdem mittels Hightech bekämpft wird.

SenseTime Überwachungs-Software mit Gesichtserkennung. Horst Seehofer kriegt feuchte Fingerspitzen.

Dafür sorgt das stetig wachsende Netz von Überwachungskameras und die clevere/kranke Verknüpfung unterschiedlicher Webdienste mit dem neuen Face-Detection-System, das die Kriminalitätsrate in China in den nächsten Jahren auf unter Null bringen soll. Damit greift das Social-Scoring-Prinzip immer feiner in den Alltag der Chinesen ein, denn die erzwungene Kooperationsbereitschaft unterschiedlicher Tech-Services untereinander ist groß: Die KI-Firma Intellifusion arbeitet mit Mobilfunkanbietern und den beliebten Services WeChat und Weibo Hand in Hand und so kann man sich jeden Versuch sparen, über rot zu laufen. Über 13.930 Chinesen haben es in den letzten 10 Monaten an einer einzigen Kreuzung versucht und wurden “geblitzt”.

In April 2017, Shenzhen traffic police introduced the facial recognition technology and LED screens to shame and deter jaywalkers. The 7 million-pixel cameras capture images of people illegally crossing the road. The facial recognition software then identifies the citizen against a database and displays their photo alongside their family name and some of their government identification number on the screen.

Und weil ich in letzter Zeit so viele Zukunfts-Wetten abschließen muss, sage ich: Nach den nächsten großen Terroranschlägen kriegen wir das auch. Am Anfang kriegt man nur eine Verwarnung via SMS, ab 2030 kostet es dann 15 EUR.

via newsweek

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