Die Jens-Spahn-Methode – Der Stachel im Arsch der AfD

in Politik by

Heute wollen wir auf ein wunderschönes Stück Öffentlichkeitsarbeit zurückblicken, das mir persönlich viele Sorgen nimmt, wenn es um das Schreckgespenst Rechtsruck in Deutschland geht: Der Recht-und-Ordnung-Coup von Jens Spahn. Der Mann ist auf dem Papier Gesundheitsminister, weil PR-Minister aus Gründen der PR ein unglücklicher Titel ist. Aber sein Job ist klar: Spahn übernimmt die Drecksarbeit am rechten Rand der CDU. Und das geht völlig klar. Um den Coup zu verstehen, wollen wir uns kurz auf die Trickkiste der AfD besinnen. Die mittlerweile sieche Alternative für Deutschland hat es brillant verstanden, ihre Gegner zum Sprachrohr ihrer Positionen zu machen. Jede Provokation wurde von künstlich brüskierten liberalen Geistern millionenfach weiter getratscht, so dass jeder in Deutschland zu jederzeit wusste, wofür die AfD steht. Wer sich entschieden gegen die AfD aussprach, wurde in seiner Filterblase von Zustimmung überhäuft und welcher Mensch schlägt diese Chance schon aus? Am Ende gewinnen alle: Die AfD kriegt gratis Reichweite, der eitle Antifaschist badet in sozialer Bestätigung.

Fuchs Jens Spahn hat für sich jedoch den doppelten Ablehnungs-Effekt erkannt: Mit seiner Recht-und-Ordnung-Kampagne bringt er zum einen die Reflex-Empörten von Mitte-Links zur kalkulierten Raserei, gleichzeitig gehen AfD-Wähler an die Decke, weil sich einer aus dem Team Flüchtings-Merkel erdreistet, auf billigste Weise AfD-Rhetorik zu klauen. Das heißt: Über Jens Spahn haben sich in der vergangenen Woche sowohl Linke als auch Rechte ausgekotzt, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Das ist genial! Spahn dominierte die Twitter-Trends und darf sich dafür ganz herzlich auch bei AfD-Sympathisanten bedanken. Bei den Online-Redaktionen liefen die Trend-Analyse-Tools heiß: Irgendwas mit Spahn versprach Reichweite und damit Werbe-Impressions ohne Ende. Das gilt natürlich genauso für rechts-konservative Medien. Plötzlich liest man in deren Kommentarspalten das, was man früher nur bei Spiegel Online gelesen hatte: Wir müssen diesen Jens Spahn ignorieren, wir dürfen nicht über sein Stöckchen springen, lasst uns nicht auf diese Provokationen reinfallen! Aber Geld und soziales Feedback kennt keine Ideologie, also hat sich jeder in die Spahn-Welle geworfen, solange sie Banner-Einnahmen und Reichweite garantierte.

Frage des Tages: Wie soll die AfD dagegen anstinken? Als Empörungsfigur steckt Spahn jeden Bernd Höcke dreimal in die Tasche. Wenn ein homosexuelles Regierungsmitglied eine Recht-und-Ordnung-Kampagne fährt, ist der Bruch und damit die Überraschung um ein Vielfaches höher, als wenn ein Aushilfs-Antisemit damit hausieren geht. Letzteres wäre erwartbar und damit langweilig. Aber Spahn ist sexy. Der Artikel teilt sich praktisch von selbst. Den gleichen Medien-Bumms bekäme die AfD nur noch, wenn Beatrix von Storch eine Flüchtlingsfamilie in ihrem Souterrain beherbergte. Aber was kann sie sich davon versprechen? So wie die kluge CDU einst nonchalant die Werte der SPD ins eigene Parteiprogramm kopierte, ist jetzt die AfD dran. Von der SPD spricht heute keine Sau mehr. Bis dahin gilt: Das beste Mittel gegen rechts, besteht darin, sich laut über Jens Spahn aufzuregen – dem Stachel im Arsch der AfD.

Jens Underwood

Ein von @ brandymessage geteilter Beitrag am

NEU IM BOHEMIAN BROWSER BALLETT

Schreibt Bücher über die Abschaffung des Internets und Drehbücher für das Bohemian Browser Ballett. Präsentiert hier seit 2010 alles Wissenswerte aus der digitalen Hölle und alles Lobenswerte aus dem digitalen Himmel. Alle Infos zum Buch: www.dasinternetmussweg.de