G20-Riots in Hamburg – Ein Kopf, zwei Meinungen

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Ein weiser Mensch hat mal gesagt: Meinungen sind wie Arschlöcher. Jeder hat eins. Aber oft genug weiß man gar nicht so genau, was man denken soll, deshalb würde ich hier gern den Trend zur Doppelmeinung anstoßen. Viel Spaß mit Folge eins: G20 in Hamburg – Jeder hat ein bisschen recht.

MEINUNG A:

Die globalisierte Welt kennt mehr Verlierer als Gewinner und wenn sich die Staatschefs der wichtigsten 20 Industrieländer treffen, gibt es keine bessere Gelegenheit, zu zeigen: Der Status quo ist ausbaufähig. Und wer Bilder des Protests erzeugen will, die um die Welt gehen, der muss laut sein. Das darf keinen überraschen, überraschend kurzsichtig ist das Festhalten an einer Großstadt wie Hamburg als Treffpunkt. Ein Tagungshotel am Arsch des Erzgebirges ist nicht nur in Sachen Abschirmung die bessere Wahl, man zieht auch deutlich weniger Unbeteiligte ins vorprogrammierte Erdbeben hinein.

MEINUNG B:

Man möchte jeden vermummten Golf-2-Abfackler fragen: Was tust Du eigentlich den Rest des Jahres über für eine gerechtere Welt? Kann es vielleicht sein, dass Du Selfiestangen-Aktivst keinen Cent spendest und keinen Meter läufst, um den Verlierern der Globalisierung im Rahmen eines messbaren Opfers Deiner Zeit oder Deiner Kohle zu helfen? Kann es sein, dass Du immer nur dann für Veränderung einstehst, wenn es Dir Spaß macht, oder wenn es Deinem Social-Media-Image hilft? Ist der G20-Gipfel für Dich nicht in Wirklichkeit ein inverse Loveparade, zu der Du nur zum Bambule machen fährst? Kann es vielleicht sein, dass Du die politische Linke missbrauchst, um mit der Langweile in Deiner Reihenhaus-Kindheit abzuschließen? Instrumentalisierst Du vielleicht sogar aufs Perverseste das Schicksal von hunderttausenden Hungernden und Flüchtenden, um Dir selbst etwas mehr Profil zu verschaffen? Geht’s Dir nicht vielmehr um Dich selbst, wenn Du einen Bengalo in einen Smart schmeißt, auf dem “Mobile Krankenpflege” steht, damit Du auch mal dabei bist, wenn die Medien über ein Ereignis berichten? Bist Du im Umkehrschluss nicht auch kleines wenig dankbar für die Gesamtsituation, weil Du Dich andernfalls mit deutlich mehr Mühe vor Deiner Peergroup und Dir selbst profilieren müsstest?

Choose your side. Oder bleibt unentschlossen.

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