Heil Deutschland – Edeka und der Naziskandal

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SCREENSHOT Youtube / Edeka / #Zeitschenken – EDEKA Weihnachtswerbung

Herrlich. Zur Zeit zieht mal wieder ein brauner Shitstorm in Deutschland. Dieses Mal geht es um die Edeka-Gruppe und ihren neuen Weihnachtsspot. Darin zu sehen sind neben ein paar blonden (!), deutschen (!!!) Protagonisten auch zwei Nummernschilder: MU-SS 420 und SO-LL 3849. Na, klingelt da was? Nö, irgendwie nicht! Doch zum Glück gibt es Menschen wie Sabine Bamberger-Stemmann, die Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg.

bamberger-stemmann
In einem Interview mit dem manager magazin prangert sie die Verwendung der Autokennzeichen an: “Die Buchstaben SS sind gerade wegen der Anlehnung an die NS-Zeit in Deutschland im Autokennzeichen verboten. Da das verboten ist, ist es nicht vertretbar, das in einem Werbespot zu nutzen, auch wenn es sich um ein fiktives Kennzeichen handelt. Die 420 ist eine aus dem angelsächsischen Raum stammende, in rechten Kreisen auch hierzulande gängige Abkürzung für Hitlers Geburtstag am 20. April.”

Uff. Das muss man erstmal verdauen. Aber für Frau Bamberger-Stemmann nicht die einzig harte Nummer. Auch in SO-LL 3849 steckt in ihren Augen ganz klar jede Menge Hitler drin: “Die Zahl 84 steht für ‘Heil Deutschland’. Sie ist umrahmt von den Zahlen 3 und 9. Die 39 steht für ‘Christliche Identität’ oder ‘Christian Identity’. Dies bedeutet in rechten Kreisen im Umkehrschluss Antisemitismus. Damit ist die Aussage klar.” Also, noch Fragen?

SCREENSHOT Youtube / Edeka / #Zeitschenken – EDEKA Weihnachtswerbung Kennzeichen SO LL 3849

Edeka beteuert derweil seine Unschuld: „Bei dem Autokennzeichen ‘MU-SS’ handelt es sich um ein Fantasiekennzeichen, angelehnt an den Titelsong in unserem Spot. Wir bedauern es, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht,“ sagt  Gernot Kasel, Abteilungsleiter Mitarbeiter- und Medienkommunikation bei Edeka.

Aber so eine fadenscheinige Ausrede lässt Bamberger-Stemmann natürlich nicht durchgehen: “Ich glaube nicht an einen Faux pas, wie es ja im Netz zum Teil auch diskutiert wird. Angesichts der Häufung von rechtsradikalen Codes ist das verharmlosend und unglaubwürdig. Sowieso vermittelt der Spot besonders am Anfang eine heile Welt und transportiert Werte, die auch für die Neue Rechte stehen. Die Kinder spielen zum Beispiel auch eine altmodische Version von “Mensch ärgere dich nicht”. Ja, was sagst du dazu, Herr Edeka? Da fällt dir nichts mehr ein, was? Und weil das alles so schön bescheuert ist, hier noch einmal das Corpus Delicti in ganzer Länge:

via tagesspiegel

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