AfD scheitert an Fußball-Inkompetenz – Unsere EM-Prognose

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Liebe AfD, wir haben in den letzten Monaten häufiger den Hut vor Euch gezogen, weil Ihr aus Perspektive eines PR-Profis Großes geleistet habt. Von #schiessbefehl bis #islamraus hatte jede Kampagne vorzüglich und vor allem kostengünstig funktioniert. Bis Erdogan vs Böhmermann hattet Ihr die Twittertrends dominiert, während der Suchbegriff AfD über Monate zu den stärksten Buzzwords zählte. Man kann von Euch halten, was man will, aber bis vor einigen Tagen bewies die AfD eine Kampagnen-Führung, die in Deutschland ihres gleichen sucht. Ihr habt Medien und Privatpersonen Eure Themen in die Kreide diktiert und Social Media von allen Parteien am besten verstanden. Chapeau dafür.

Aber leider habt Ihr Pfeifen keine Ahnung von Fußball und dessen Bedeutung für Deutschland. Zuerst macht Ihr aus Boateng den Bimbo von nebenan, danach kritisiert Petry, dass Özil die Nationalhymne nicht mitsingt. Natürlich empfiehlt jeder PR-Berater jetzt verstärkt die EM zu bedienen, aber man muss die Themen immer verstehen, um sie gewinnbringend für sich zu instrumentalisieren. Die Nationalmannschaft ist vielleicht das einzige, in dem sich der linksliberale Hamburger Architekt und der verhärmte Sachsen-Opa einig sind. Jeder, der für Deutschland ein Tor erzielt, ist automatisch A-Deutscher, egal ob er schwarz ist, oder in der Kabine Lämmer schlachtet. Das ist einer der vielen Sonderwege Deutschlands, den Ihr Event-Fußball-Fans nicht versteht.

In Frankfurt haben sie Anthony Yeboah verehrt, in Hamburg Vahid Hashemian, die Altintops sind und bleiben Gelsenkirchener Jungs, selbst wenn der eine für die Türkei gespielt hat. Nochmal: Wer für Deutsche Tore schießt, der wird sofort geliebt. Das ist grotesk und von einer kaum zu überbietenden Oberflächlichkeit, aber die Wahrheit. Die oben genannten Spieler badeten auf Vereinsebene nach wenigen Treffern im wärmsten Bad der Willkommenskultur. Und jetzt rechnen Sie, liebe AfD, diese Zuneigung mal auf die Spieler der Nationalmannschaft hoch. Da haben uns Kinder von Türken, Tunesiern und Ghanaern übrigens nicht nur ein paar Törchen geschossen, sondern uns zur Weltmeistern gemacht. Das ist nämlich auch so ein Fußball-Ding: Wenn die Nationalmannschaft gewinnt, dann haben wir alle gewonnen, dann sind wir alle Weltmeister.

Entsprechend könnte Özil während der Nationalhymne auf Knien gen Mekka beten. Wenn er danach eine Hütte macht, geht das auch in Sachsen-Anhalt klar. Aber das weiß eine Frauke Petry, stattdessen haut sie arschdämlich Spitzen gegen verdiente Nationalspieler raus. Hier unsere Prognose, auf die Ihr uns gerne festnageln dürft: Nach der EM ist die AfD in Sachen Wählergunst wieder einstellig. Weil sie zu keinen Plan von Fußball haben und weil Fußball verbindet.

Und weil’s so schön zum Thema passt, hier die schönsten Eigentore der Fußballgeschichte:

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