Bundesverfassungsgericht rettet das Hip Hop Sample

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Bild: „Kraftwerk Box The Man-Machine“ by MEDIODESCOCIDO, CC-BY 2.0

Wir schreiben diesen Artikel auch für die interessant klingende Headline. Moses P. liegt ja schon länger mit Kraftwerk über Kreuz, weil er 2 Sekunden aus der Kraftwerknummer Metall auf Metall raubte, um daraus den Song “Nur mir” für Schwester S. zu basteln. Aufmerksame Beobachter der Popkultur erkennen in dieser verbrecherischen Methode den Hauptbaustein des Hip Hops, aber Recht haben und Recht kriegen sind bekanntlich zwei unterschiedliche Dinge. Long Story Short: Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass samplen doch kein Diebstahl ist. Stattdessen hieß es im Urteil:

Der Einsatz von Samples ist eines der stilprägenden Elemente des Hip-Hop. Die erforderliche kunstspezifische Betrachtung verlangt, diese genrespezifischen Aspekte nicht unberücksichtigt zu lassen.

Wir stellen uns gerade vor, wie der zuständige Richter zur Vorbereitung KRS One und A Tribe Called Quest gepumpt hat, um zu dem subjektiven Schluss zu kommen: Ganz geil das. In der Folge landete dieser jetzt schon legendäre Satz im Protokoll:

Steht der künstlerischen Entfaltungsfreiheit ein Eingriff in das Tonträgerherstellerrecht gegenüber, der die Verwertungsmöglichkeiten nur geringfügig beschränkt, können die Verwertungsinteressen des Tonträgerherstellers zugunsten der Freiheit der künstlerischen Auseinandersetzung zurückzutreten haben.

Heißt: Samplen fällt unter die Freiheit der Kunst. Gut zu wissen.

Hier das Original:

Irgendwo hier drin soll das Sample vorkommen. Wir haben’s leider nicht raushören können:


Sabrina Setlur – Nur Mir von Stella78
via blogrebellen

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