Mitgefühl auf kanadisch – Bürger Torontos gedenken einem toten Waschbären

in Bossmove/Tiere by

Im solidarischen Kanada stirbt niemand unbekannt: Am Morgen des 9. Juli wies Jason Wagar den Toronto City Service via Twitter auf einen toten Waschbären auf dem Bürgersteig der Yonge Street hin. Bis sich jemand von offizieller Seite der Sache annahm, sollten pietätlos lange 14 Stunden vergehen, in denen die Stadt eine beispiellose Welle des Mitgefühls für den namenlosen Waschbären erfasste. Sehr sympathische Menschen diese Citizens of Toronto.

9:00 Uhr (Ortszeit) – Bürger Jason Wagar entdeckt den Leichnam und informiert die Behörden.

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Kurz darauf bestätigt die Stadtverwaltung: Der Animal Service ist informiert.

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Danach tat sich nichts. So einsam wie das Tier starb, so einsam lag es auf dem Bürgersteig. Bis jemand um Mittag herum per Post-it den Ansatz einer Ehrerweisung hinterließ.

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Und plötzlich verstanden die Bürger: Kein Lebewesen hat es verdient, einfach so tot in den Straßen Torontos auf seine Entsorgung zu warten. Es folgten erste Kondolenzen.

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Stadtrat Norm Kelly schaltete sich ein, ebenso bekam das Tier einen eigenen Gedenk-Hashtag.

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Bürger wurden aufgerufen, für eine Nacht ihre Biotonnen als Zeichen des Mitgefühls offen stehen zu lassen.

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Fast 12 Stunden später nahm sich noch immer niemand dem Leichnam an. Die Frage “Wollen wir in so einer Gesellschaft wirklich leben?” hallte durch jeden Winkel Torontos.

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Am Abend wuchs das Kerzen-Meer.

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Gegen 23:00 Uhr Ortszeit gab es für den Waschbären endlich das letzte Geleit. Die Behörden machten mit 14 Stunden Bearbeitungszeit keine gute Figur.

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Den Respekt, den die verantwortliche Verwaltung vermissen ließ, zollten schließlich die Bürger: Auch nach dem Abtransport pilgerten noch viele zum Unglücksort. Auch, um in der Gemeinsamkeit etwas Halt zu finden.

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via bbc

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