Hipster-Realsatire – Delhia de France lässt sich Kreis ins Gesicht tätowieren

in Brüller by

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Neues vom Individualismus: Um richtig Druck hinter die Promo für das neue Album der nicht unbedingt brüllend bekannten Berliner Band Pentatones zu bekommen, ließ sich Frontfrau Delhia de France einen fetten schwarzen Kreis mitten ins Gesicht tätowieren. Das nennen wir jung sein, verrückt sein, Berlin sein. Bei Noisey zog man schnell das Kamerateam von einer Opium-Progrock-Performance aus einem leerstehenden Neuköllner Leichenschauhaus ab, ob mit Delhia de France feinste Hipster-Realsatire zu drehen. Ohne Witz: Wir hätten es mit den besten Comedy Autoren der Welt nicht besser schreiben können:

Delhia und ihre kahlrasierte Freundin checken bei Rusty Foot Tattoo in Friedrichshain ein, wo es natürlich aussieht, wie in einer alten Schlachterei. Cheftätowierer Andi kommt gerade vom Shooting für eine VW-Anzeige, wo  er in einem VW up! sitzend böse gucken musste. Headline: Nur für Originale. Der neue VW up!

Schnitt auf Delhia. Sie versucht “under the skin” und die Vokabel “Ambivalenz” in einen Satz zu bringen. Vor ihrem inneren Auge zieht die Jugend in Paderborn vorbei. Das war einmal, jetzt ist Berlin. Sie wird sich die ganze Piefigkeit der Bischof Meinwerk Realschule aus ihrer Vita tätowieren lassen. Deswegen heißt sie auch nicht mehr Maike sondern Delhia.

Andi ist ein verrückter Hund, kann seine Skepsis aber auch nicht überzeugend verbergen. Er tackert den schwarzen Kreis in das Gesicht der Künstlerin, die das erst geil intensiv findet, die Schmerzen später aber nicht mehr aushält. “Boah Louie, mach doch mal aus, bitte”. Kameramann Louie setzt die Kamera ab.

Schnitt auf Delhia, die sich mit pochender Fresse vor dem Spiegel betrachtet. Und dann kommt der Oberbrüller: Delhia erzählt von den alten Inuit, die sich Kreise ins Gesicht tätowieren ließen, weil sie glaubten, es sei ein Portal zur Seele.

Noch mal: Das hätte ein Ricky Gervais nicht besser schreiben können.

Das ist Comedy wie sie sein muss. Immer ein bisschen drüber, immer schön beobachtet, aber nie albern. Rund wird die Sache durch das Album-Snippet. Selten haben wir so gelacht. Von wegen Berlin kann keine Selbstironie. Ein Restzweifel bleibt natürlich, dass alles genau so gemeint ist. Schönen Gruß an die Eltern.


via blogrebellen

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