Ein Bier namens Frappucino – Warum sich kleinliche Abmahnungen immer seltener auszahlen

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Hier eine sehr schöne Geschichte, die sich jeder, der gerne Abmahnungen verschickt, mal angeregt durchlesen sollte: Die kleine Kneipe Exit 6 am Arsch der Heide von Missouri nannte ein Bier auf ihrer Karte “Frapuccino” und hatte damit bei jeder Bestellung die Lacher auf ihrer Seite. Bis sich per Zufall drei User der Kneipen-Rating-App Untappd in das Nest verliefen, von denen 2 dem Bier eine 3,5 von 5 Sternen verliehen.

untappd

Kurze Zeit später empfingen die Betreiber der Kneipe ein Schreiben von Honigmann Miller Schwartz & Cohn LLP, der Kanzlei von Starbucks. Die sehr seriös vorgetragene Abmahnung machte auf die schamlose Verwirrung der Kneipengäste aufmerksam und schloss mit der Bitte einer Stellungnahme. Die verfassten die Kneipenbetreiber artig, stellten die Korrespondenz darüber hinaus auch noch via Facebook ins Netz. Inklusive eines Schecks in Höhe von 6 Dollar für die drei verkauften Biere. Die Scans verbreiteten sich Windeseile und jeder, der sich für die Imagepflege bei Starbucks verantwortlich fühlte, wird sich gedacht haben: Kacke. Lest Euch das gerne mal durch und springt dann zum nächsten Absatz.

Der aufrechte Bürger wird jetzt auf den Tisch hauen: Na klar, da wurden Markenrechte verletzt! Das stimmt ohne Frage. Trotzdem hätte sich Starbucks aus heutiger Sicht sehr darüber gefreut, hätte der Schrieb nie das Haus verlassen. Wir haben hier quasi eine Situation, in der ein Unternehmen sein Recht durchsetzte und sich dadurch schlechter stellte. Unsere These dazu: Social Media wird nicht das Recht selbst verändern, aber den Umgang damit. Und zwar zum Positiven. Ein Richter wird nie sagen: Mensch, die Kneipe hat sich einen kleinen Scherz erlaubt. Dann kann man alle Gesetzbücher in die Tonne kloppen. Wir haben hier vielmehr eine Massenvernunft, der sich in naher Zukunft jedes kleinliche Unternehmen unterwerfen werden muss – egal, ob es im juristischen Sinne Recht hat oder nicht. Und es gibt nichts, was die ganzen verkniffenen Eierköpfe dagegen tun können. Face it, die Welt gehört den Soul Mans.

Hier das Schreiben von Starbucks (klicken zum Vergrößern)

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Hier die wunderschöne Stellungnahme

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Und hier der versöhnliche Scheck

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via 22words

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