DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

Fanatismus grotesk – Erste Türken zerstören ihre iPhones

in What The Fuck by

Dass sich Menschen aus ideologischen Gründen in die Luft sprengen, hat man ja schon oft gesehen. Aber das hier zeigt, wie weit der Fanatismus Menschen bringen kann. Um Erdogan ihre Treue zu beweisen, zerstören Türken ihre iPhones. Jawohl, ihre iPhones. Und auch nicht einige wenige, sondern zahlreiche. Meine Gedanken sind bei all jenen, die nur über ein einziges iPhone verfügen und an der Frage verzweifeln, womit sie sich beim Zertrümmern filmen sollen. Andere sollen schon ihre iPhones wie Dissidenten im Keller verstecken. Und doch könnte der Trend Erdogan langfristig teuer zu stehen kommen, wenn Menschen im Wahn die Empfangs-Geräte für fanatischen Content zerstören. Das wäre von feinster Ironie. An dieser Stelle gratuliere ich unseren Enkeln zu Geschichtsbüchern, die sich wie MAD-Hefte lesen.

eSport Tiger Moms – Wenn Computerspiele zur Qual werden

in Browser Ballett by

Seitdem sich herumgesprochen hat, dass bei eSports-Turnieren nicht selten Preisgelder in Millionenhöhe ausgelobt werden, hat sich eine ganze neue Elterngeneration entwickelt: Esport Tiger Moms. Geldgeile Eltern dressieren ihre Sprösslinge zu Zocker-Maschinen. Der Ballerspaß bleibt auf der Strecke, was zählt, ist die Leistung. Traurig, wie hier junge Menschen um ihre Kindheit betrogen werden.

Wie eine russische Trollfabrik Demos und Gegendemos in den USA organisiert

in Politik by

Ich schäme mich dafür, aber als Mensch, der immer von Bond-Bösewichten fasziniert war, muss ich mich vor der Internet Research Agency aka Trollfabrik Russland verneigen. Was diese Teufel schaffen, ist State of the Art Gesellschafts-Fernsteuerung. An den USA! Der selbsternannten stabilsten Demokratie der Welt. Und das auch noch via Facebook, also einem Tool, das in den USA erfunden wurde. Mehr geht nicht. Kommen wir zu den (kritisch zu betrachtenden) Fakten:

Vergangene Woche präsentierte Facebook mehrere Accounts, die als unauthentisch und dem Vernehmen nach von Russland betrieben aus dem Verkehr gezogen wurden. Wer jetzt an die klassischen rechten Propaganda-Schleudern denkt, der irrt. Unter anderem handelte es sich um linksliberale Aktivisten-Accounts, die eine Anti-Trump-Demo organisierten und viele echte Linksliberale für die No Unite the Right 2-DC Demonstration in Washington mobilisierten. Die Gegendemo zu einem White Supremacist Aufmarsch, der mutmaßlich ebenso von der Internet Research Agency unterstützt wurde, zog 600 Teilnehmer und 2600 Interessierte an und jetzt fragt man sich zunächst: Warum vernetzt Russland plötzlich Trump-Gegner? Wikipedia klärt auf:

Wir erinnern uns an Black Lives Matter. Auch hier outeten sich russische Bot-Netze als glühende Anhänger der Black Community, um die gesellschaftliche Spannung in den USA systematisch zu fördern. Das Digital Forensic Research Lab hat sich in einem sehr detaillierten Medium-Artikel intensiver damit befasst, welche Strategie die von Facebook gelöschten Pages verfolgten. Ergebnis: Die Internet Research Agency clustert zur Stunde offenbar die wichtigsten Identifikations-Gruppen der USA von Hispanics bis Feministen, um die einzelnen Szenen zu unterwandern. Das ist komplex, ambitioniert und nicht selten genial:

Mysteriöse User bauen Facebook-Events auf und übertragen die Admin-Rechte an echte Aktivisten, die keinen Grund haben, nachzufragen, warum ein Unbekannter ihre Sache unterstützt. Im Falle der No Unite the Right 2-DC Demo zeigten sich die gelockten Demonstranten in spe sogar empört über die Löschung des Events, obwohl ihnen Facebook erklärte, dass die Initiative dazu ihren Ursprung in Russland habe. Der Aktivist Brendan Orsinger kommentierte seinen Frust der Event-Löschung gegenüber der Washington Post mit den Worten:

If Russian bots or Russian influence helped us amplify stuff, I don’t know how I feel about that. Maybe I feel the same way Donald Trump feels about the help.

Das, liebe Freunde, ist ein Zeugnis meisterhafter Manipulation. Oder, um eine Frage der TIME aufzugreifen:

Antwort: Yes. Das gilt auch für diesen Artikel. Diese ominöse Trollfabrik kann die Erfindung eines Teenagers aus Papua-Neuguinea sein, der über einen Proxy-Service unter einer russischen IP fleißig zwei Nationen gegeneinander aufhetzt. Bleibt verwirrt.

Im Rausch des Terrors – Wie Politiker mit Tragödien umgehen

in Browser Ballett by

Die Stunde der Rechtspopulisten schlägt stets nach Terroranschlägen und so dürfen wir vermuten, dass nach jedem Anschlag bei ganz bestimmten Parteien die Korken knallen. Früher hat man Ermittlungsergebnisse abgewartet, heute werden via Twitter Ermittlungsergebnisse Sekunden nach der Tat vorgeschlagen. Die einen nennen es Leichenfledderei, die andern Instinkt-Politik. Zu gerne wüssten wir, was in den Partei-Büros von AfD und Konsorten direkt nach einem Anschlag los ist. Ich habe da so eine Vermutung.

Smartphone-Verbot an Schulen – Aus den falschen Gründen richtig

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Das Smartphone-Verbot an Frankreichs Schulen ist beschlossen, die Debatte darum ist extrem spannend. Überraschenderweise lautet der Tenor in deutschen Medien: Rückwärtsgewandt! Realitätsfern! Fortschrittsfeindlich! So sollten Smartphones als digitale Lehrmittel verstanden werden, um einen zeitgemäßen Unterricht zu gewährleisten. Die Befürworter des Verbots argumentieren: Die scheiß Daddelkisten weichen die Gehirne der Kinder auf und lenken sie zu sehr vom Unterricht ab. Es ist im Zeitalter der Extrempositionen unerträglich, aber beide haben Recht. Bildschirme gehören in den modernen Unterricht, aber es sollten nicht die Smartphones der Schüler sein, sondern Tablets der Schulen.

Das eigene Smartphone ist Träger der Social Media Apps und damit die direkte Schnittstelle zu den sozialen Feedbackloops, gegen die sich kein Unterrichts-Inhalt durchsetzen kann. Der beste Lehrer wird sich nie so filigran in das Aufmerksamkeits- und Belohnungszentrum seiner Schüler hacken können wie die mächtigsten Unternehmen des Planeten. Niemand kann bezweifeln, dass wir alle aktuell auf der Suche nach einer Ballance zwischen echtem Leben und Server-Leben sind. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: Wenn vormittags keine Algorithmen zur Interaktion nötigen, kann das durchaus gesund sein. Man kann diese Zeit auch als Detox-Insel verstehen, die nur Gewinner kennt. Zumal ein Verbot (Man müsste definitiv ein positiveres Wort finden) für alle Schüler gleichermaßen gelten würde und sich so die Krämpfe im Rahmen des Fear of Missing Out in Grenzen hielten.

Modern bedeutet bei vielen immer noch, alles pauschal durchzudigitalisieren. Noch moderner ist ein gesundes Verhältnis zu seinen Endgeräten. Am modernsten sind die, die exakt den Sweetspot finden, der eine maximale Zufriedenheit verspricht. Der liegt da, wo der Nutzwert des Geräts in Stress umschlägt. Das ist eine Hardcore-Aufgabe, die nicht mal gestandene Erwachsene richtig gut bewältigen. These: Wenn wir die Aufmerksamkeits-Tentakeln des Silicon Valley aus den Schulen aussperren, muss das nicht zwingend zum volkswirtschaftlichen Kollaps führen.

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