DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

Mein Held der WM 2018: Gary Lineker

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Und Fußballer haben doch Humor. Der ehemalige englische Nationalspieler gehörte in den letzten Wochen in jeden gut sortierten Twitter-Feed. Elegant wie es nur Engländer können überführt er unsere Aufmerksamkeit vom WM-Fieber zurück in den harten politischen Alltag. Thank you und bis zur EM 2020.

Wie entstehen deutsche Talkshows? Hinter den Kulissen eines perfekten Baukasten-Systems

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Es ist das Lagerfeuer des modernen Homo Sapiens in Deutschland: Talkshows sind das perfekte deutsche Unterhaltungsprodukt, weil sie wie kein Zweites unsere Besessenheit nach Routinen bedienen. Das funktioniert so gut, dass der Gebührenzahler seit Jahren nicht bemerkt, wie er an der Nase herumgeführt wird. Tatsächlich wurde seit 2014 keine neue Talkshow mehr aufgezeichnet. Stattdessen schneidet das Unternehmen “Die Talkfabrik” neue Talkshows aus alten zusammen. Man merkt’s nicht, wenn man’s nicht weiß.

Mit allen Sinnen – DA Direkt setzt auf 70er-Jahre Verkehrserziehung (WERBUNG)

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Wer die Gegenwart der deutschen Unterhaltung verstehen will, der muss ihre Vergangenheit kennen: Die gerade erwachsen gewordene Bundesrepublik der 70er-Jahre fußte im Wesentlichen auf den Säulen Angst und Ordnung. Entsprechend gehörten zu den erfolgreichsten TV-Formaten dieser Zeit die Dauerbrenner Aktenzeichen XY sowie das leider in Vergessenheit geratene Verkehrserziehungs-Format “Der siebte Sinn”. Letzteres fesselte unsere Vorfahren, weil die Menschen damals ihr Selbst von ihrer Fähigkeit ein Auto zu bedienen ableiteten. Frauen konnten früher noch nicht dreidimensional sehen und so war die zweithäufigste Todesursache eine Frau am Steuer. Fast hätte sie die Leberzirrhose von Platz eins verdrängt, da warnte “Der siebte Sinn” landesweit vor der geschminkten Pest.

Ohne diese Sendung wären viele von uns jetzt nicht auf der Welt. Der Versicherungsanbieter DA Direkt legt die Serie jetzt wieder neu auf und verlegt sie der Nostalgie halber in die 70er. Heimlicher Star ist der alte Roll-Sarg Opel Rekord D, der bereits mit vollem Aschenbecher ausgeliefert wurde. Auch das sedative Element des Originals hat es in die Neuauflage geschafft. Und wenn man sich die Sehnsucht nach der alten BRD-Geborgenheit allenthalben vor Augen führt, könnte “Mit allen Sinnen” das erfolgreichste Branded Entertainment Format Deutschlands sein. Denke an das Ambient-Hörbuch “Opa erzählt vom Krieg” und sehe einen Markt.

Wie eine bescheuerte Debatte entsteht am Beispiel von Claudia Neumann

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Man will in diesen Tagen nicht Claudia Neumann sein. Überhaupt will man kein nationales Debatten-Thema sein, nur weil man seinen Beruf ausübt. Die Frage bleibt: Wie konnte die Debatte, ob Claudia Neumann den Männersport Fußball kommentieren darf, überhaupt so groß werden? Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir erlaubt, das fiktionalisierte Ereignis auf zwei verschiedene Punkte auf einer Zeitachse zu legen.

1999

Werner Hollmann sieht im TV, dass eine Frau ein Spiel der der Männer-Nationalmannschaft kommentiert. Es missfällt ihm. Aber was soll man machen?

2018

Werner Hollmann sieht im TV, dass eine Frau ein Spiel der Männer-Nationalmannschaft kommentiert. Es missfällt ihm. Er schreibt auf Twitter “Frauen haben im Männersport Fußball nichts verloren” und hofft auf Resonanz.

30 Männer sehen den Tweet unter dem Hashtag WM2018 und freuen sich, dass da draußen jemand genau so denkt wie sie. Sie retweeten und hoffen auf Resonanz.

Die linksliberale Grafikerin Eva Blücher sieht den Tweet und schreibt “Es kann nicht sein, dass wir 2018 noch eine Debatte darüber führen, ob eine Frau ein Fußballspiel kommentieren darf” und hofft auf Resonanz.

Der Journalist Julian Schmeichelt sieht den Blücher-Tweet und freut sich über ein Thema, das immer geht. Er verfasst einen Artikel mit dem Titel “Shitstorm gegen WM-Kommentatorin Claudia Neumann”, weil Shitstorm ein aufmerksamkeitsstarkes Headline-Schlagwort ist. Er und sein Verlag hoffen auf Resonanz.

Der ehemalige Fußballprofi und Weltmeister von 1990, Uwe Bank, liest den Artikel und witzelt auf Twitter: Ich bin seit 30 Jahren verheiratet und weiß: Nichts können Frauen besser als Männer kommentieren. Er hofft auf Resonanz.

Die Grünen-Politikerin Petra Klamm-Rothberger entscheidet sich dafür, den Witz des Ex-Profis als Statement zu verstehen und antwortet via Twitter: “Schön wie hier 41 Millionen Frauen pauschal als Tratschweiber ohne höhere Qualifikation gebrandmarkt werden!” und hofft auf Resonanz.

Der TAZ-Journalist Etienne Buhlmann bittet Klamm-Rothberger zu einem Interview über strukturellen Alltags-Sexismus und den Stand der Männerdomäne Fußball im Jahr 2018. Die Resonanz gibt ihm Recht.

Der gut vernetzte Montags-Demo-Organisator Ulf Sachse teilt den TAZ-Artikel und kritisiert die Durchpolitisierung von allem durch die hysterische Linke. Er hofft auf Resonanz.

Die Satiriker-Truppe Bonanza Brüller Ballett stellt einen Clip ins Netz, in dem die Claudia Neumann wie ein naives Dummchen kommentiert. Man hofft auf Resonanz.

Der Student Marcel Krüger richtet eine Petition ein: Claudia Neumann muss das WM-Finale kommentieren. Binnen Stunden unterschreiben und teilen 12.000 Menschen die Petition und hoffen auf Resonanz.

Nach Wochen des Schweigens gibt Claudia Neumann der ZEIT ein Interview, in der sie ihre Kritiker aufruft: Bildet Euch weiter!

Werner Hollmann ist glücklich. Er hat eine nationale Debatte losgetreten. Die Resonanz ist überwältigend.

Smarte Fahrradsicherung – Prävention durch Abschreckung

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Das Konzept des Fahrradschlosses ist schon immer ein Denkfehler gewesen, denn wer ein Schloss knacken will, der schafft das auch – dazu braucht man nicht mal eine Akku-Flex. Kurz: Das Thema Fahrradsicherung muss ganz neu gedacht werden. GPS-Tracker sind der richtige Ansatz, aber mit moderner Technik geht noch viel mehr. Gefrustet vom erneuten Verlust eines Fahrrads habe ich mit Tüftel-Bruder Steffen Sennert an neuen Lösungen gerbeitet, die auch die Gefühle Rache und Wut berücksichtigen. Viel Spaß damit.

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