DIE JOGGINGHOSE FÜR DEN KOPF

Symbolbild Zuckerberg im EU-Parlament – A Beautiful Day

in What The Fuck by

Zuckerberg in Brüssel. Ich war dabei! ich bedanke mich bei Cecilia Wikström für dieses perfekte Symbolbild zum gestrigen Meet-and-Greet mit Mark Zuckerberg. Ein Hauch von Videodays umwehte die Anhörung, in der Politiker, die keiner kennt, endlich mal am Zeitgeschehen teilnehmen durften. Die Antwort, warum die Parlamentarier von ihren Parteien in Brüssel entsorgt wurden, brachte Zuckerberg gleich mit: Man hat sich von dem jungen Hüpfer die Bedingungen diktieren lassen, unter denen er überhaupt kommt. Natürlich hätte man diesen Affront auch beim Namen nennen können. Aber soll man wirklich aus falschem Stolz den größten PR-Termin der eigenen Karriere platzen lassen? Also wurde aus dem Kreuzverhör ein launiges Ask me Anything, bei dem Zuckerberg frei wählen konnte, welche Fragen er beantworten möchte. Wenn nach solchen Veranstaltungen alle Beteiligten sagen können “Das war ein richtig toller Tag!”, dann ist da was ganz gewaltig schief gelaufen. Ebenso, wenn man einem Outfit anmerkt, dass es in einer Zeit gekauft wurde, in der man sich eigentlich auf die Anhörung hätte vorbereiten sollen. Sie sahen trotzdem umwerfend aus, Frau Wikström.

Warum kein Weg am Häuser besetzen vorbei führt

in Bossmove by

Ich gratuliere ausdrücklichst den feinen Menschen der #besetzen Kampagne, die gestern hoffentlich einen neuen Megatrend losgetreten haben. Das Besetzen von Häusern als Zeichen des zivilen Ungehorsams hatte in Deutschland schon Tradition, da gab es noch gar keine völlig wirkungslose Mietpreisbremse. Den konservativen Kreisen, die sich darüber empören, dass gestern in Kreuzberg und Neukölln Häuser besetzt wurden, kann man nur sagen: Was wollt Ihr tun? Das Thema ist jetzt auf der Agenda und anscheinend braucht es besetzte Häuser, damit wir intensiver über eines der größten Probleme Deutschlands sprechen. Die Mieten sind zu hoch.

Rente, Sicherheit und Flüchtlinge.

Es gibt für die Politik keinen Grund etwas daran zu ändern, weil dieses Land von Alten regiert wird. Und Alte haben nur drei Themen: Rente, Sicherheit und Flüchtlinge. Für gewöhnlich sind es auch eher die Alten, die über Immobilien verfügen, ein Politiker wäre also völlig geisteskrank, es sich mit der zahlenmäßig größten Wählergruppe zu verscherzen. Und wo Politik versagt, muss ziviler Ungehorsam her. Die Tatsache, dass wir jetzt über diese dramatischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt reden, belegt doch nur, wie absolut notwendig und richtig die Besetzungen waren.

Alles richtig gemacht

Wir sollten nichts dagegen tun, wir sollten Menschen ermutigen, Häuser zu besetzen. Wir sollten sie feiern und für ihre Gerichtskosten zusammenlegen. Denn diese Leute sorgen dafür, dass die Politik wieder ein wenig aus den Ärschen der Alten herauskriechen und sich mit dem Problem befassen muss. Aktuell gilt die Faustformel: Je mehr Häuser besetzt sind, desto intensiver reden wir über bezahlbaren Wohnraum. In meinen Augen gibt es momentan also kaum etwas Richtigeres als ein Haus zu besetzen. Den interaktiven Leerstandsmelder findet Ihr hier. Praktische Tipps zum Häuserbesetzen gibt’s direkt bei besetzen.noblogs.org

Oder kurz: Die Besetzer sind Symptom. Das Problem sind die, die nichts gegen explodierende Mieten unternehmen.

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Anarchy in the UK – England führt Porno-Führerschein ab 18 ein

in What The Fuck by

Der Brexit war schon ein Einschnitt, aber jetzt trifft es England knüppelhart: Im Kampf gegen die Onanie und die Verrohung der Sitten wird noch dieses Jahr ein Gesetz greifen, das den Konsum von Pornografie erst ab 18 erlaubt. Millionen junger Männer werden ihrer Pubertät beraubt, erste Beobachter fürchten einen Bürgerkrieg. Denn wenn jemand die Welt brennen sehen will, dann waren es immer junge Männer mit Samenstau. Ob England dem Chaos und dem Terror durch aufgekratzte Jugendliche entgehen wird, hängt ganz von der Konsequenz des Staates ab. Sollte es sich um Symbolpolitik handeln, wird man mit einem VPN-Service die Porno-Sperre bequem umgehen können. Wobei wir hier die gemeinste Diskriminierung der Armen registrieren, die sich ein grausamer Staat ausdenken kann. Wir alle wissen, dass nur ein kostenpflichtiger VPN-Service für Videoinhalte in bester Qualität geeignet ist. In Zeiten von 4K-Porn kann das ganz schön ins Geld gehen. Beschaffungskriminalität unter Jugendlichen kann und wird ein Thema sein. Wer 18 oder älter ist sollte sein Alter zunächst über die Kreditkartennummer nachweisen, nur besitzen über 40 Prozent aller Briten keine Kreditkarte. Also hat man sich etwas ganz Cleveres ausgedacht: Zeitungskioske sollen Porno-Pässe gegen die Vorlage eines Ausweises herausgeben. Laut Telegraph sollen die Pässe auch noch satte 10 Pfund kosten. Das sind über 11 Euro! Wir beobachten hier, wie sich ein Land ohne Not ins Chaos stürzt. Ich kann die brennenden Straßensperren schon riechen. Diese ehemals große Nation. Man möchte weinen.

via the telegraph

Maschinen dürfen nie die Welt übernehmen. Aber gerne die öffentliche Verwaltung.

in Politik by

Die Angst vor der Automatisierung der Arbeitswelt ist mit Händen zu spüren. Zuletzt schrieb die Zeit über Berufe, von denen man um Himmels Willen die Finger lassen sollte, will man nicht in 20 Jahren auf Altenpfleger oder Sexworker umschulen müssen. Die Faustformel lautet: Je mehr mein Beruf repetitiven Routinen folgt, desto früher wird ihn ein Roboter bzw. eine Algorithmus übernehmen. Und ja: Arbeitslosigkeit gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Aber nehmt Euch mal die Zeit und fragt, wenn Ihr demnächst einen neuen Personalausweis, eine Geburtsurkunde, oder eine Fahrzeugzulassung beantragt, ganz genau nach, was die konkrete Aufgabe des jeweiligen Sachbearbeiters ist. Mit konkret meine ich: Welche Arbeitsschritte sind notwendig, um beispielsweise eine Fahrzeugzulassung zu bearbeiten. Ich habe es mir von einem Sachbearbeiter an in einer Berliner Zulassungsstelle erklären lassen, weil ich so fasziniert von der Aussage war, die Bearbeitungsdauer betrüge mindestens 3 Wochen. Die Arbeitsschritte sind folgende:

  1. Der Sachbearbeiter scannt mit den Sensoren, die wir Augen nennen, drei Dokumente: Einen Personalausweis, einen Nachweis über TÜV und Abgasuntersuchung sowie die Fahrzeugpapiere. 
  2. Der Algorithmus in seinem Gehirn prüft jetzt unterschiedliche Variablen: Namen, Daten, Fahrzeugtyp und über eine spezielle Bilderkennung auch die Form von Stempeln und Siegeln.
  3. Zusätzlich registriert der Sachbearbeiter die Gültigkeit der EVB-Nummer, die Auskunft darüber gibt, ob für das Fahrzeug eine Versicherung besteht. Die Prozessor-Belastung hierfür ist bei allem Respekt überschaubar, handelt es sich dabei schließlich um eine simple True-False-Abfrage.
  4. Anschließend gibt er seinem Arm jeweils dreimal das Kommando für je drei Stempel. Das war’s im Regelfall. Zeiteinsatz: 2 Minuten.

Das Problem ist nur: Der Sachbearbeiter unterliegt den Gesetzen der Physik und kann keine zwei Anträge gleichzeitig bearbeiten. Nur warten aktuell knapp 5000 Menschen in Berlin auf die Bearbeitung dieser Anträge, woraus sich die lange Wartezeit ergibt sowie die Pogromstimmung im Wartezimmer. De facto beobachten wir jeden Tag auf unseren Bürgerämtern eine ganz besondere Form des Transhumanismus: Menschen verhalten sich wie Roboter-Arme: Scannen, verarbeiten, stempeln, scannen, verarbeiten, stempeln, scannen, verarbeiten, stempeln.

Und jetzt führen wir uns die Ironie vor Augen, dass der Automat, der die Wartenummern ausgibt, theoretisch über genügend Prozessorleistung verfügt, alle 5000 Anträge in unter einer Minute zu bearbeiten. In der gleichen Zeit könnte er sogar 50.0000 Anträge bearbeiten (batch processing). Auch das ist Physik. Für jeden einzelnen Prozess in der Abfertigungskette eines Zulassungsantrags existieren bereits Software-Lösungen. Ferner behandelt mich eine Software-Lösung auch nicht wie den letzten Vollidioten, weil ich die komplexen Verwaltungsprozesse nicht kenne. Unter anderem, weil es gar keine komplexen Verwaltungsprozesse mehr geben würde. Vor allem aber müsste kein Mensch mehr 3 Wochen und mehr auf eine einfache Dokumentenausgabe (!) warten.

Was will uns der Autor sagen? Die Automatisierung der Arbeitswelt wird in letzter Zeit als Schreckgespenst verkauft, dass uns endgültig in die Massenarbeitslosigkeit entlassen wird. Aber lasst uns bitte in der Sache den Fokus auf die Wirtschaft legen. Die Maschinen dürfen niemals die Weltherrschaft übernehmen, aber bitte, bitte die öffentliche Verwaltung.

 

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